Rätsel am Meeresgrund Forscher entdecken Wahrheit über die Verlorene Stadt

Liegt vor der griechischen Insel Zakynthos eine versunkene Stadt? Die Untersuchung der rätselhaften Relikte erzählt eine andere Geschichte.

University of Athens

Die Taucher hatten 2013 vor der Küste Griechenlands im flachen Wasser die Reste einer Siedlung erkannt: Kacheln, Säulen, Mauerwerk, angeordnet in ziemlich geraden Linien. Sie nannten den Ort Lost City, die Verlorene Stadt.

Sie müsse vor Jahrtausenden von Sturmfluten oder Tsunamis verschluckt worden sein, meinten die Forscher. Sie wunderten sich allerdings, dass zwischen den vermeintlichen Relikten von Bauwerken keine Spuren von Alltagsgegenständen zu finden waren, etwa Scherben.

Jetzt gibt es eine Erklärung: Die Verlorene Stadt war gar keine. Geologische Untersuchungen hätten gezeigt, dass die auffälligen Strukturen vor der Insel Zakynthos auf natürliche Weise entstanden seien, berichten Forscher im Fachmagazin "Marine and Petroleum Geology".

Es handele sich um Material, das sich an Unterseequellen gebildet habe: Aus Erdspalten am Meeresboden sprudeln Gase, von denen Bakterien leben, die sich zu Abermillionen ansiedeln. "Sie hinterlassen eine Art natürlichen Zement", erläutert Julian Andrews, einer der Studienautoren.

Zufälle ermöglichten die Entdeckung

In diesem Fall hätte sich eine besondere Variante gebildet: Dolomit, ein Karbonatmineral mit Kalzium und Magnesium. Es bildet sich selten am Meeresgrund. Die angeblichen antiken Säulen zeigten sogar noch die einzelnen Schichten der Karbonatablagerungen.

Zufälle ermöglichten die Entdeckung der Versteinerungen: Dass sie überhaupt auf dem Boden lägen, sei der Erosion zu verdanken; Meeresströmungen hätten den Meeresboden abgetragen hätte, meinen die Gelehrten. Üblicherweise entstünden vergleichbare Strukturen zudem in tieferem Wasser.

Die Analyse von Strontiumpartikeln offenbarte, wann sich die Formationen bildeten. Strontium zerfällt in konstanter Rate, sodass das Verhältnis von Zerfall- und Ursprungssubstanz das Alter verrät: Die vermeintlichen Säulen sind demnach vor drei bis fünf Millionen Jahren entstanden.

Zehn erstaunliche Entdeckungen

boj

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
permissiveactionlink 03.06.2016
1.
"Strontium zerfällt mit konstanter Rate." Zumindest für natürlich vorkommendes Strontium, das aus vier verschiedenen Isotopen besteht, trifft dies nicht zu. Alle diese Isotope sind stabil, kommen aber in unterschiedlicher anteiliger Häufigkeit an verschiedenen Orten vor.(Nachweismöglichkeit für frühere Migrationsbewegungen). Die Altersbestimmung beruht hingegen auf dem Zerfall des zusammen mit 85Rb im natürlichen Isotopengemisches auftretenden 87Rb (Rubidium), das mit einer Halbwertszeit von 4,91×10^10 Jahren durch Beta-Minus-Zerfall in 87Sr zerfällt. Das Rubidium wird mit der Zeit weniger, das Strontium hingegen mehr !
uzsjgb 03.06.2016
2.
Zum Glück wagen die Forscher auch einen zweiten oder dritten Blick. Ihnen hätte sicherlich das Lesen des Artikels oder wenigstens der Bildunterschriften weitergeholfen.
HeisseLuft 03.06.2016
3. Däniken, übernehmen Sie!
"Die vermeintlichen Säulen sind demnach vor drei bis fünf Millionen Jahren entstanden." Aliens, ganz klar. Eine mehrere Millionen Jahre alte Stadt!
rainerliffers 03.06.2016
4. Erstaunlich....oder vielleicht auch nicht....
Niemand hat Ihren beißenden Spott bemerkt, Herr Leserich. Nicht einmal der Spiegel, denn sonst wäre Ihr Kommentar gewiß nicht veröffentlicht worden.
Ursprung 04.06.2016
5. Versunkene Orte
Bin mit einem Dighi, glaube im Fethiegolf und auch sonst in der Suedtuerkei ueber versunkene Staedte unter hochklarem Wasser gefahren. Gassen waren zu sehen, alte Teilbruecken ueber wohl ehemalige Baeche, Hausreste, Pflaster oder auch roemische Baeder, bisher erst halbversunken. Faszinierend, die Gegend. Man muss aber halt noch warten, bis dieser ausgeflippte Demenzerdogan wieder weg ist.
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