Waldbrände Vermutlich mehr als 100.000 Tote durch Smog-Krise in Südostasien

Die Waldbrände in Indonesien im vergangenen Jahr hatten womöglich weitaus schlimmere Folgen als angenommen: 100.000 Menschen könnten durch die Abgase tödlich erkrankt sein.

Feuerbekämpfung im Oktober 2015 über Sumatra
AFP

Feuerbekämpfung im Oktober 2015 über Sumatra


Die wochenlange Smog-Krise in Südostasien 2015 hat nach Schätzungen von Wissenschaftlern mehr als 100.000 Menschenleben gekostet. Mit Comutermodellen kamen die Forscher der Universitäten von Harvard und Columbia in einer am Montag veröffentlichten Studie zu dem Schluss, dass allein in Indonesien mehr als 90.000 Menschen an den Folgen der schlechten Luft starben; mehrere Tausend weitere Todesopfer gab es demnach im benachbarten Singapur und Malaysia.

"Wenn sich nichts ändert, wird dieser Killer-Dunst weiterhin Jahr für Jahr schreckliche Verluste anrichten", warnte Yuyun Indradi von der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Es wäre ein Verbrechen, jetzt nicht sofort gegen die Verursacher des Smogs vorzugehen.

Die indonesischen Behörden hatten die Zahl der Todesopfer durch die Smog-Katastrophe im vergangenen Jahr bislang mit lediglich 19 angegeben. Ein Sprecher des indonesischen Umweltministeriums wollte zunächst keine Stellungnahme zu der Studie abgeben.

Kleinstpartikel aus Waldbränden können tief in die Lunge eindringen und erhebliche gesundheitliche Probleme hervorrufen, etwa Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Lungenkrebs.

Luftverschmutzung gefährdet Millionen Menschenleben

In Indonesien kommt es wegen illegaler Brandrodungen durch Plantagenbesitzer alljährlich während der Trockenzeit zu Waldbränden. Im vergangenen Jahr wurden sie durch das Wetterphänomen El Niño noch verstärkt, wochenlang litten große Regionen unter dichtem Smog. Zahlreiche Menschen erkrankten, der Smog führte zu diplomatischen Verstimmungen.

Auch Luftverschmutzung aus anderen Quellen wie Fabriken, Autos, Kraftwerken und Kohlebränden gefährdet immer mehr Menschenleben, berichtete unlängst die Internationale Energieagentur (IEA). Sofern nicht weiter gegen die schlechte Luft vorgegangen werde, dürfte die Zahl der dadurch bedingten Todesfälle bis 2040 auf 7,4 Millionen pro Jahr ansteigen, warnte die IEA in ihrem Report "Energy and Air Pollution".

Derzeit sterben demnach etwa 6,5 Millionen an den Folgen von verunreinigter Luft sowohl im Freien als auch in geschlossenen Räumen. Eine genauer Zuordnung einzelner Todesfälle zur Ursache Luftverschmutzung ist allerdings meist schwierig, allein Feinstaub soll pro Jahr etwa 3,3 Millionen Menschen töten. Laut einer WHO-Schätzung sind schon 2014 jährlich etwa sieben Millionen Menschen an den Folgen von Smog gestorben sein.

Wie gesundheitsschädlich Abgase in der Luft sind, hatte erst kürzlich eine Studie der Auckland University of Technology gezeigt. Die Forscher hatten Daten aus 188 Ländern ausgewertet und dabei festgestellt, dass Feinstaub und Kohlenmonoxid das Schlaganfallrisiko erhöhen können. Die Belastung durch Schlaganfälle könnte weltweit gesehen um knapp 30 Prozent verringert werden, wenn die Menschen nicht der Luftverschmutzung ausgesetzt wären.

boj/AFP



insgesamt 8 Beiträge
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Jarim 19.09.2016
1.
Unfassbare Opferzahlen. Aber wie der Artikel schon sagt, den direkten Zusammenhang zwischen einem Tod und dem Smog als Ursache kann man praktisch nicht zuverlässig erbringen. Deswegen wird da wohl noch lange Zeit nicht viel passieren, erst recht wenn wie hierzulande Smogbelastung nicht sichtbar ist. Man kann nur hoffen, dass trotzdem und gerade in Ländern wie Indonesien bald gegengelenkt wird, dort könnten gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden wenn man die illegalen Rodungen stoppen würde.
keksguru 19.09.2016
2. jahrzehtelang trieben die es schon so....
ist irgendwie ganz interessant daß Länder wie Brasilien (fast) erfolgreich im Kampf gegen Brandrodungen waren, aber in Indonesien gibts das nicht.
lalito 19.09.2016
3. Kapitulation
Es ist weltweit die Kapitulation vor dem Kapital. Wenn schon angesehene Firmen wie VW, Mercedes, Deutsche Bank und Siemens des Mauschelns und Korrumpierens überführt werden, wie soll sich da andernorts irgendetwas auch nur im Ansatz ändern? Reines Lamentieren ohne Nutzen. Das Versagen wird mit solchen lobenswerten Studien leider lediglich schwarz auf weiß dokumentiert. Die grünen Lungen des Planeten sind doch längst schwer geschädigt und nach der Erosion nicht mehr rückholbar verschwunden. Natürlich sind wir hier die Letzten, die den Stein werfen dürften - der ursprüngliche Wald hier ist längst dem Nutzwald gewichen und existiert letzlich nur noch wegen der Verlagerung auf stressresistente Anpflanzungen, alles natürlich Gewachsene fällt gleich dem ersten Stresssymptom, wie Trockenheit oder Borkenkäfer, zum Opfer. Die Belastungen werden zunehmend chronisch. Ursächlich begründet in solchen tollen Nachrichten wie dem neuen Bauboom und was die Lobby der Bauwirtschaft hier noch so gern hätte . . . Flächenversiegelung, Punkt. Nu ja, Augen zu und durch, zwischendurch immer mal an's Auftauchen und Luftholen denken bei den nächsten Überschwemmungen, aber ist ja der Klimawandel . . .
blob123y 19.09.2016
4. Die Bande da drueben ist so heuchlerisch
es ist unglaublich wie verkommen die sind. Wie und warum? Die Eigentuemer der grossen Plantagenfirmen die das Verbrechen sitzen in Singapore und Sarawak in Malaysia und die Regierungen sind mit denen "verbandelt" und beziehen viel Geld und jammern. Dabei sind die es selbst die das treiben und Riesensummen machen. Speziel die Typen in Singapore sind dieselben die auch den Grossteil des Amazonsurwald abholzen. Ja und die Singaporeregierung stellt fuer jeden eine dicke Strafe aus der im Land einen Kaugummi kaut. Muss ich noch hinzufuegen dass dies alles Chinesen sind?
Baal 19.09.2016
5. Wird dorthin noch Entwicklungshilfe überwiesen?
Vielleicht für modernere Flammenwerfer? Nirgendwo auf dem Planeten wird derzeit so brutal abgeholzt und abgebrannt wie in Indonesien. Bis man merkt dass Palmöl Wasser nicht ersetzen kann. Die Profiteure des Ganzen sitzen dann längst in ihrem Chalet in der Schweiz oder in London. Kapitalismus pur. Kombiniert mit Vetternwirtschaft und Korruption. Wie fast überall in der 3.Welt inkl. USA.
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