Verregneter Sommer Ein Fest für Mücken, kein Spaß für Wespen

Für Mücken ist das warme Regenwetter optimal: In nur zwei Wochen wächst zurzeit eine neue Generation der Plagegeister heran. Wespen dagegen sind eher selten zu sehen.

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Je mehr der Regensommer für Überschwemmungsgebiete und stehende Pfützen sorgt, desto besser können Mückenweibchen ihre Eier ablegen. Doreen Walther, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) im brandenburgischen Müncheberg, weiß so ziemlich alles über die Gewohnheiten der Insekten. "Die Mücken schreien hurra", sagt sie.

Wo sind zurzeit Mücken unterwegs?

Im Prinzip überall. An Flüssen, Bächen, Seen und Tümpeln lauern Überflutungsmücken. Im Wald sind es Waldmücken, die besonders groß werden und auf Spaziergänger mit Hund sowie Wanderer fliegen. In der Stadt schwirren Hausmücken, die sich in gefüllten Regentonnen und anderen Gefäßen vermehren. Sie schwärmen besonders gern in der Dämmerung aus. Hausmücken sind flexibel, sie surren auch über Feldern.

Die Brutzeit der Mücken hat sich im warmen Regensommer bereits von vier auf zwei Wochen verkürzt - geht es jetzt noch schneller?

Nein, zwei Wochen sind das Minimum. Aber Mücken schaffen bei guten klimatischen Bedingungen bis zu acht Generationen im Jahr, sie werden dabei immer zahlreicher. 2016 war schon ein gutes Mückenjahr, 2017 wird wahrscheinlich noch besser für sie.

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Wie sieht es mit anderen Plagegeistern aus - etwa den Wespen?

Wegen des vielen Regens gibt es in diesem Sommer vergleichsweise wenig Wespen. "Wespen mögen es am liebsten trocken, warm und heiß", sagte Julian Heiermann vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Bei feuchtwarmem Wetter gebe es Schimmelpilze an ihren Nestern, zudem fänden sie weniger Nahrung. Gänzlich Entwarnung gibt es aber noch nicht. Wird es in den kommenden Wochen dauerhaft warm und trocken, werde man vermehrt auch Wespen beobachten.

Gibt es noch mehr Faktoren, die Wespen und anderen Insekten zu schaffen machen?

Noch im Frühjahr seien die Wespen-Völker enorm gewachsen, sagt Martin Klatt, Referent für Arten- und Biotopschutz beim Nabu Baden-Württemberg. "Doch der Einsatz von Pestiziden in Landwirtschaft und Garten sowie das Insektensterben machen auch den Wespen das Leben schwer." Insgesamt sind viele Insektenarten in Deutschland stark zurückgegangen. Zu den Gründen zählen Experten nicht nur die Spritzmittel, sondern etwa auch zunehmend fehlende Ackerrandstreifen und weniger insektenfreundliche Pflanzen in Gärten.

wbr/dpa



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