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Landwirtschaft: Versalzung macht immer mehr Böden unfruchtbar 

Vertrocknete Ernte: "Brauchen alles landwirtschaftlich nutzbare Land, das wir haben" Zur Großansicht
REUTERS

Vertrocknete Ernte: "Brauchen alles landwirtschaftlich nutzbare Land, das wir haben"

Die künstliche Bewässerung von trockenen Böden hat Folgen: Langfristig verlieren diese Flächen ihre Fruchtbarkeit, warnen Forscher. Salztolerante Pflanzen könnten helfen, den Trend umzukehren.

Jeden Tag gehen auf der Welt 2000 Hektar fruchtbares Land durch Versalzung verloren. Das berichtet eine internationale Forschergruppe im "Natural Resources Forum", einer Publikation der Vereinten Nationen. In 75 Ländern der Erde führt die Bewässerung von trockenem und halbtrockenem Land demnach zur Ansammlung von Salz im Boden und damit langfristig zu einem Verlust der Fruchtbarkeit.

Bereits heute seien 20 Prozent der bewässerten landwirtschaftlichen Fläche auf der Welt betroffen. Diese Fläche wuchs von 45 Millionen Hektar Anfang der 1990er Jahre auf 62 Millionen Hektar derzeit an, heißt es in dem Bericht. Dies entspricht etwa der Fläche von Frankreich.

Landwirtschaftlich nutzbares Land unverzichtbar

Die Kerngebiete der zunehmenden Versalzung sind das Aral-Becken in Zentralasien, die Indus- und Ganges-Ebenen in Indien, das Einzugsgebiet des Gelben Flusses in China, das Gebiet des Euphrat in Syrien und im Irak, das Murray-Becken in Australien sowie das San Joaquin Valley in den USA.

"Um die voraussichtliche Weltbevölkerung von neun Milliarden zu ernähren, brauchen wir bald alles landwirtschaftlich nutzbare Land, das wir haben," wird der Leiter der Studie, Manzoor Qadir vom United-Nations-University-Institut für Wasser, Umwelt und Gesundheit in Hamilton (Kanada) in einer Mitteilung zitiert. "Wir können es uns nicht leisten, die Produktivität der salzbelasteten Böden nicht wieder herzustellen.´

Sind Halophyten die Rettung?

Grund für die zunehmende Versalzung sei eine Bewässerung ohne ausreichend gepflegte Drainage, heißt es in der Studie. Dies führe zu einer Anreicherung von Salz in den oberen Bodenschichten. Als Gegenmaßnahmen nennen die Experten das Pflanzen von Bäumen, tieferes Pflügen, gut unterhaltene Drainage-Gräben um die Felder, Einarbeitung von Pflanzenresten in die Erde und das Pflanzen salztoleranterer Nutzpflanzen.

Salztolerante Pflanzen, besonders solche, die das Salz in bestimmten Pflanzenteilen anreichern und so vom Boden fernhalten, sehen auch die Forscher einer anderen Studie als eine mögliche Lösung. Sergey Shabala von der Universität von Tasmanien in Hobart (Australien) und Rainer Hedrich von der Universität Würzburg schlagen in der Zeitschrift "Trends in Plant Sciences" nicht nur vor, sogenannte Halophyten anzupflanzen, sondern erwägen auch die Möglichkeit, deren Salzspeicherfunktion mit genetischen Methoden auf normale Kulturpflanzen zu übertragen.

"Wir könnten von der Natur lernen und tun, was Halophyten bereits jetzt tun: Salz aufnehmen und an einem sicheren Ort ablagern", so Shabala. Die Schlüsselgene, die die dafür nötigen Strukturen an Pflanzen wachsen lassen, seien bereits bekannt, ergänzt Hedrich. "Wenn wir sie so aktivieren können, dass sich Salzblasen bilden, könnten wir solche Speicher an jeder Nutzpflanze wachsen lassen."

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Weltbevölkerung: Wie sieben Milliarden Menschen satt werden

nik/dpa

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insgesamt 29 Beiträge
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1. 9 Milliarden Menschen?
obertroll 29.10.2014
Kann dieser Planet diese Anzahl von Menschen auf natürliche Weise am Leben erhalten, oder ist es vielleicht doch an der Zeit, die Anzahl der Menschen auf ein Niveau zu begrenzen, das für Mutter Natur auch vertretbar ist?
2. Früher oder später muss unsere Anzahl stabil werden.
Dumme Fragen 29.10.2014
Und selbst wenn wir die ganze Welt mit Gentechnikpflanzen bepflanzen - irgendwann sind wir am Ende der Fahnenstange angekommen. Also, warum es erst soweit kommen lassen? Konzerne wie Apple und Amazon zahlen in Europa keine Steuern - würde man das ändern, hätten wir genug Geld, um in allen Weltregionen eine gute Gesundheitsversorgung und eine gute Bildungspolitik zu finanzieren. Und damit einhergehend Wirtschaftswachstum und eine Abnahme der Geburtenrate.
3. Quellersalat
s.breckle 29.10.2014
Also Halophyten essen: wer will denn jeden Tag Queller-Salat? In „Mesopotamien“ liegt auf den Feldern so viel Salz, daß man einen Güterzug füllen könnte, der 30x um die Erde reicht, alles durch künstliche Bewässerung seit 5000 Jahren von Euphrat und Tigris. „Bewässerung ohne Entwässerung“ in Trockengebieten führt in wenigen Dekaden unwiederbringlich zur Versalzung. Kaum ein Entwicklungsprojekt beherzigt diesen Satz und berechnet dementsprechend den Wasserbedarf und die Wasserbilanz. Halophyten-Gene auf Nutzpflanzen übertragen; es sind einige Hundert Gene, die da zusammen wirken müssen. Und der Ertrag ist stets um 20-30% niedriger. Alle Jahre wieder: „endlich Tomatenkultur mit Salzwasser möglich“; schaut man nach, dann ist es Brackwasser, vielleicht mit maximal 10% der Meerwasserkonzentration, das halten recht viele Pflanzen aus, aber längst keine Meerwasserkultur, also nichts Neues. Nachhaltig für die Böden und ihre Struktur und für die Nährstoffversorgung der Kulturpflanzen ist nur eine Bewässerung mit salzarmem Wasser. Dafür muß man Methoden suchen: Meerwasserentsalzung mit Sonnenenergie, Umkehrosmose etc. Warum Salzblasen (wie bei Melde/Atriplex) den Nutzpflanzen anzüchten, so ein Quatsch? Wieso können Halophyten das Salz vom Boden fernhalten, dort ist das 5000-fache drin; Entsalzung durch Halophyten dauert ca 500 Jahre, aber wohin dann mit den Halophyten? Verfüttern kann man sie zum Teil an Kamele und Ziegen. Aber das kann man alles nachlesen in der reichen Halophytenliteratur, und das seit Jahrzehnten, so man sich die Mühe macht. Ist heute halt nicht mehr üblich, so wird das Rad jedes Jahr neu erfunden.
4. Irgendwann wird sich alles von selber regeln
soulseeker 29.10.2014
Auch der Mensch wird nicht vor einem Zusammenbruch der Population gefeit sein, die unweigerlich passieren muss, wenn zuviele Individuen zuviele Ressourcen beanspruchen.
5. Mal Dumm geantwortet
guentersen 29.10.2014
@Dumme Fragen Für mich keine wirklich schlüssige Argumentation. Bildung verhütet nicht und macht auch nicht unfruchtbar. Es wird übrigens genügend Nahrung für alle Menschen produziert. Die Verteilung ist das Problem. Während in reichen Industrienationen große Mengen an Nahrungsmitteln einfach verfaulen und weggeschmissen werden, nimmt das durchschnittliche (Über)Gewicht der Menschen dieser Länder weiter zu. Allein durch die "Produktion" von IndustrieFleisch beanspruchen wir gewaltige Mengen an Landwirtschaftsfläche und TrinkWasser, das an anderer Stelle fehlt. Aber damit dämmen wir ja das Wachstum der Weltbevölkerung nicht ein ... Dazu müssten wir allen Menschen vermutlich nur eine auskömmliche Rente in Aussicht stellen. Rente verhütet ;-) Oder wir Fragen Apple und Facebook ob sie nicht ALLE Eizellen einfrieren können oder zumindest die von den Ungebildeten – bezahlt von den eingesparten Steuern ...
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