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Versauernde Meere: Lärm in den Ozeanen nimmt zu

Die Menschheit bläst immer mehr Kohlendioxid in die Luft - und verändert damit nicht nur das Klima. Auch die Ozeane versauern. Die bizarre Folge: Schall legt unter Wasser viel längere Wege zurück als bisher. Der Geräuschpegel steigen, worunter vor allem Meeressäuger leiden dürften.

Das Prinzip des menschgemachten Klimawandels ist bekannt: Durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe steigt der CO2-Gehalt der Atmosphäre, was die Temperaturen steigen, Gletscher schmelzen und die Meere anschwellen lässt. Doch das exzessive Verfeuern fossiler Brennstoffe hat noch weitere, unerwartete Nebenwirkungen für die Ozeane: Es lässt Schall unter Wasser weitere Strecken reisen als bisher, wie eine US-Studie jetzt zeigt.

Delfin-Geburt im Atlantik: Wird der steigende Lärmpegel zum Problem für Meeressäuger?
DPA

Delfin-Geburt im Atlantik: Wird der steigende Lärmpegel zum Problem für Meeressäuger?

Ursache sind die immer saureren Meere. Schätzungen des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) haben ergeben, dass der Säuregrad des Meerwassers bis 2050 um 0,3 pH-Einheiten zunehmen könnte, da die Ozeane mehr CO2 aus der Luft aufnehmen. Dadurch könnte sich die Reichweite von Tönen unter Wasser um bis zu 70 Prozent erhöhen, haben die Geophysiker um Keith Hester vom Monterey Bay Aquarium Research Institute im kalifornischen Moss Landing berechnet.

Wenn sich Schall ausbreitet, regt er die Moleküle des Meerwassers zum Schwingen an. Dabei werden bestimmte Frequenzen vom Wasser verschluckt - ein Effekt, der zwar chemisch noch nicht ganz verstanden ist, aber stark vom pH-Wert des Wassers beeinflusst wird. Betroffen sind vor allem tiefe Töne, wie sie auch von Meeressäugern zur Verständigung benutzt werden, schreiben die Forscher im Fachblatt "Geophysical Research Letters". Denn diese Frequenzen werden von saurerem Wasser weniger gut absorbiert als von basischerem.

Eine solche Veränderung könnte verschiedene Konsequenzen haben. So verwenden Wale und Robben Laute im tiefen Frequenzbereich, um Partner oder Nahrung zu finden. Auf der einen Seite könnten sie in Zukunft über weitere Entfernungen miteinander kommunizieren, auf der anderen Seite nehmen sie jedoch auch das Hintergrundrauschen im Meer stärker wahr, das von anderen Tieren, aber auch von Schiffen und Industrieanlagen erzeugt wird.

Der von Menschen hervorgerufene Geräuschpegel im Meer habe durch die zunehmende Industrialisierung bereits in den vergangenen 50 Jahren dramatisch zugenommen, schreiben die Wissenschaftler. Wenn sich Wale heutzutage in Flussläufe oder flache Meere verirrten, könne das auch am gestiegenen Lärm unter Wasser liegen, der vom Menschen verursacht wird.

Hesters Team weist zudem daraufhin, dass der pH-Wert des Meeres in den vergangenen 250 Jahren bereits um etwa 0,1 gesunken ist. Eine weitere Zunahme des Säuregrads im Meer könnte sich auch schädlich auf Korallen und andere Meeresorganismen auswirken, die an einen bestimmten pH-Wert gewöhnt sind: Sie werden schlicht aufgelöst.

hda/ddp

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