Versteinertes Fossil Seltener Ursaurier in Chemnitz entdeckt

Bei Ausgrabungen in Chemnitz haben Forscher das Skelett eines etwa 30 Zentimeter großen Ur-Sauriers gefunden. Nach ihrer Ansicht handelt es sich um einen Sensationsfund. Das eidechsenähnliche Fossil lebte vor rund 290 Millionen Jahren - und wurde offenbar von flüssiger Lava getötet.

DDP

Als vor mehr als 200 Jahren Bewohner von Chemnitz bei Bauarbeiter erstmals auf versteinerte Bäume stießen, ahnten sie noch nicht, dass sie Spuren von Vulkanismus gefunden hatten. Mittlerweile wissen Geologen, dass die verkieselten Hölzer auf einen gewaltigen Vulkanausbruch vor 290 Millionen Jahren zurückgehen. Der Versteinerte Wald ist eine Attraktion im Museum für Naturkunde vor Ort.

Doch die Bäume sind nicht die einzigen Spuren einer längst vergangenen Zeit, die dank des Einschlusses in heiße Lava bis heute überdauert haben. Im Chemnitzer Ortsteil Hilbersdorf haben Wissenschaftler nun Überreste eines seltenen Ur-Sauriers entdeckt. "Das ist ein kleines Fossil", sagte Ralf Werneburg, Direktor des Naturhistorischen Museums Schleusingen (Thüringen). Das Tier ähnle heute lebenden Eidechsen. "Mit Schwanz ist der Saurier etwa 30 Zentimeter lang", erklärte er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Um welche Saurierart es sich handle, könne man derzeit noch nicht sagen. Es sei aber definitiv kein Dinosaurier, denn die habe es von 290 Millionen Jahren noch nicht gegeben. "Die damals lebenden Saurier waren maximal 1,5 Meter groß." In den Schichten des versteinerten Waldes seien noch nie Saurierfossilien gefunden worden.

Der Paläontologe Jörg Schneider von der TU Bergakademie Freiberg sprach am Montag von einem "Sensationsfund". In ganz Europa seien bislang nur zwei oder drei ähnliche Funde gemacht worden, die jedoch nicht so gut erhalten seien wie das etwa eidechsenartige Reptil mit fünf Fingern.

Das Fossil war nach Angaben des Gutachters vom Chemnitzer Grabungsteam bereits am Donnerstagabend bei den Forschungen zum Versteinerten Wald gefunden worden. Das Team des Museums für Naturkunde hatte seit April 2008 Hunderte verkieselte Pflanzen aus der Permzeit freigelegt, also der Periode vor etwa 299 bis 251 Millionen Jahren.

Vulkanlandschaft in Sachsen

Das wahrscheinlich pflanzenfressende Reptil sei offenbar dem Vulkanausbruch vor 290 Millionen Jahren überrascht worden, erklärte Schneider. Neben Extremitäten, Wirbelsäule, Rippen und Schädelfragmenten sei selbst der Schuppenpanzer des grazilen Tieres deshalb konserviert.

"Sachsen war damals kein sicherer Boden, es war eine Vulkanlandschaft." Aschewolken seien bis in zehn Kilometer Höhe gelangt, sagte der Forscher im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Der Wissenschaftler geht nun davon aus, "dass noch mehr derartige Fossile gefunden werden".

In 150 Jahren Forschungsgeschichte ist dies laut Schneider der erste Saurierfund im gesamten Erzgebirgsbecken. Bislang seien nur Fährten und Knochen ausgegraben worden. Durch den Fund werde es nun möglich, komplexe Nahrungsketten und Lebensräume in dem permzeitlichen Biotop zu rekonstruieren, fügte der Direktor des Museums für Naturkunde Chemnitz, Ronny Rößler, hinzu.

Das Fossil sollte noch am Montag in das Naturhistorische Museum im thüringischen Schleusingen zur Präparation gebracht werden. Die Grabungen in Chemnitz sollen im kommenden Jahr ausgedehnt werden.

hda/ddp

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