Verstrahlte Erde Tschernobyl-Bäume verändern ihre Erbsubstanz

Bäume im Umkreis des verseuchten Atomkraftwerks Tschernobyl passen sich an ihre verstrahlte Umwelt an. Mit verändertem Erbgut können die Pflanzen in extrem feindlicher Umgebung überleben.


Der so genannte Sarkophag um den Reaktor 4 reicht nicht zum Schutz der Pflanzenwelt
AP

Der so genannte Sarkophag um den Reaktor 4 reicht nicht zum Schutz der Pflanzenwelt

Die Bäume sind offenbar in der Lage, ihr Genom vor einer Destabilisierung durch Radioaktivität zu schützen. Vor zehn Jahren hatten Wissenschaftler gesunde Waldkiefersamen in die belasteten Böden unweit des ukrainischen Katastrophen-Kraftwerks gesät. Die Untersuchung der Bäume zeigte nun die Veränderung der Erbsubstanz. Die britische Fachzeitschrift "New Scientist" berichtet über die Studie des kanadisch-ukrainischen Forscherteams.

Die Biologen beobachteten ein deutlich verändertes "Methylierungsmuster" im Erbgut der Kiefern. Die an den DNS-Strang angehängten Methyl-Gruppen beeinflussen unter anderem die Gen-Aktivität.

Die in verseuchter Erde gepflanzten Bäume hätten diese Methylierung im Vergleich zu einem gesundem Umfeld um 30 Prozent verstärkt, berichten Olga Kovaltchuk von der kanadischen University of Lethbridge sowie Andreij Arhipow und Nikolai Kuchma vom ukrainischen Tschernobyl-Zentrum.

Auch vierzigjährige Kiefern, die die Atom-Katastrophe von 1986 überlebt hatten, wiesen ein ähnlich verändertes Erbgut auf. "Methylierung ist eine Antwort auf Stress, die einer Genom-Instabilität vorbeugt und das Überleben in extrem feindlicher Umgebung ermöglicht", erklärte Kovalchuk der Zeitschrift. Die Ergebnisse des Teams sollen im Fachjournal "Mutation Research" veröffentlicht werden.



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