Satellitenbild der Woche Wrackwabern

Millionen versunkener Schiffe liegen am Meeresboden, viele in vergleichsweise flachen Gewässern. Auf Satellitenbildern lassen sich manche aufspüren, durch verräterische Muster in der Strömung.

"Landsat"-Aufnahme, kombiniert mit Echolot-Profilen vom Meeresgrund, zeigt zwei Wracks vorm belgischen Brügge
NASA/ USGS Landsat/ Jesse Allen/ NASA Earth Observatory/ Matthias Baeye

"Landsat"-Aufnahme, kombiniert mit Echolot-Profilen vom Meeresgrund, zeigt zwei Wracks vorm belgischen Brügge


Wie viele Schiffswracks auf dem Meeresgrund liegen, lässt sich nur schätzen: Vermutlich sind es mehr als drei Millionen, schreibt die Unesco. Jedes Wrack, das seit mindestens 100 Jahren unter Wasser liegt, zählt zum Unterwasser-Weltkulturerbe und unterliegt damit besonderem Schutz. Denn die gesunkenen Schiffe ermöglichen Archäologen Einblicke in die Kultur vergangener Jahrhunderte.

Gleichzeitig können Wracks auch ein Problem darstellen: Ein Großteil der in europäischen Gewässern gesunkenen Schiffe stammt aus dem ersten und zweiten Weltkrieg. Wenn sie am Meeresgrund korrodieren, können sie schädliche Stoffe freisetzen - etwa Öl aus ihren Tanks oder giftige Substanzen aus Munitionsvorräten, berichtet die nordirische Ulster University.

Vor kurzem präsentieren Forscher eine überraschende neue Möglichkeit, in Küstennähe gesunkene Schiffe zu entdecken: mithilfe von Satellitenaufnahmen.

Auf Bildern von "Landsat 8" fahndeten die Forscher um Matthias Baeye von der Ulster University in den Sedimentströmen nahe der Oberfläche nach verräterischen Mustern. In Wracks können sich größere Mengen von Sand und Schlamm ansammeln, wenn das Wasser ruhig ist. Wird es durch die Gezeiten aufgewirbelt und weggetragen, bilden sich Sedimentwolken, die auf ein Wrack schließen lassen, berichten die Forscher im "Journal of Archaeological Science".

Konkret getestet haben die Wissenschaftler die Methode bei vier Wracks in der Nähe des belgischen Brügge. Sie liegen alle in weniger als 15 Metern Tiefe auf sandigem Untergrund. Die Schiffe waren zwischen 1938 und 1965 gesunken. Die Forscher werteten eine Reihe von "Landsat"-Aufnahmen auf der Suche nach passenden Sedimentwolken aus. Zwei der Wracks konnten sie auf diese Weise aufspüren, zwei nicht.

Nach Aussage der Wissenschaftler könnte die Methode nun genutzt werden, um noch unentdeckte Wracks in flachen Küstengewässern aufzuspüren. Andere Techniken würden dort wegen des unruhigen Wassers und der geringen Tiefe nicht gut funktionieren.

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wbr



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