Verteilung der Kontinente Forscher enthüllt Geheimnis der Norddrift

Jahrzehntelang haben Forscher übersehen: Das Gedränge der Kontinente auf der Nordhalbkugel lässt sich mit der schlichten Erdgeometrie erklären - und mit einem weltumspannenden Kraftring um die Antarktis. Die Einsicht kommt so spät, weil Wissenschaftler zu selten von unten auf die Erde gucken.

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Manche Fragen sind so gut und auch so simpel, dass gemeinhin nur Kinder sie stellen. So wunderte sich zum Beispiel kein Wissenschaftler darüber, dass fast alle Kontinente auf der Nordhalbkugel der Erde liegen, während die südliche Hemisphäre überwiegend von Ozeanen bedeckt ist obwohl das nun wirklich jedem Betrachter eines Globus ins Auge springt.

Bislang hatten Geoforscher darauf aber bloß läppische Plausibilitäts-Antworten parat: Die Drift der Erdplatten habe das Muster eben zufällig so geschaffen. Das klingt als Erklärung unbefriedigend, und ein Grund ist es schon lange nicht.

Jetzt gibt ausgerechnet der Mitarbeiter eines Naturkundemuseums eine bessere Antwort: Die Ungleichverteilung liegt in der Form der Erde selbst begründet - und in einer mächtigen, allzu offenkundigen Kraft, die Geoforscher bislang so übersehen hatten wie den sprichwörtlichen Wald vor lauter Bäumen. Dennis McCarthy vom Museum of Science in Buffalo im US-Bundesstaat New York entdeckte die Antwort, indem er den Globus aus ungewohnter Perspektive betrachtete: von unten.

Am Südpol des Planeten, Tausende Kilometer entfernt von anderen trockenen Fleckchen, liegt die Antarktis reglos - ein Sonderfall unter allen Landmassen. Denn den Südkontinent umschließt ein drei Kilometer hoher Gebirgsring am Meeresgrund. Fortwährend quillt Lava aus diesem sogenannten Mittelozeanischen Rücken und härtet zu frischer Erdkruste. Aus der Tiefe nachdrängende Lava drückt diese nach beiden Seiten weg.

Auch der Ursprung der Kraft rückt gen Norden

Doch innerhalb des untermeerischen Gebirgsrings blockieren sich die Erdplatten gegenseitig, daher ruht die Antarktis. Und der Druck wird gen Norden abgebaut. Dorthin bewegt sich der frische Meeresboden und auch das Kreisgebirge, der zirkumantarktische Rücken, selbst. Rund um den Südkontinent werden folglich Erdplatten Richtung Äquator gedrückt.

Die Norddrift und die Form der Erde verursachen die Unterschiede zwischen Nord- und Südhalbkugel, hat McCarthy herausgefunden: Genauso wie Längengrade am Äquator weiter auseinander liegen als nahe der Pole, strebten auch die Platten auf dem Weg nach Norden auseinander. Risse durchziehen deshalb die Ozeanböden der Südhalbkugel. Dort entsteht kontinuierlich neuer Meeresboden - die Ozeane des Südens vergrößern sich, schreibt McCarthy jetzt im renommierten Fachblatt "Journal of Geophysical Research".



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