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Beobachtungsmission: Japan verzichtet vorerst auf Waljagd

Statt Walfang: Japan lässt die Harpunen zu Hause Fotos
AFP/ Institute of Cetacean Research

Die internationale Kritik an Japans Waljagd zeigt Wirkung: Zum ersten Mal plant das Land eine Beobachtungsmission. Die Harpunen sollen zu Hause bleiben.

Angesichts der internationalen Kritik an seiner Walfangpraxis plant Japan in diesem Jahr erstmals rein wissenschaftliche Walbeobachtungen. Die Schiffe würden am Donnerstag auslaufen und die bislang üblicherweise mitgenommenen Harpunen daheim lassen, kündigte die Regierung in Tokio an. Bis zum 28. März würden bei den "Überwachungsmissionen" Gewebeproben von Walen gesammelt.

Im März 2014 hatte der Internationale Gerichtshof, das höchste Uno-Gericht, Japan den Walfang in der Antarktis untersagt. Seit September müssen außerdem die Mitgliedstaaten der Internationalen Walfangkommission (IWC) das Wissenschaftskomitee der Organisation davon überzeugen, dass die Tötung der Wale zu Forschungszwecken nötig ist. Auch das Forschungsziel selbst muss nachweislich dem Schutz der Tiere dienen.

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Japan: Walfang für Wissenschaft und Kultur
Neue Walfangerlaubnis beantragt

Noch im November 2014 hatte Japan eine solche Walfangerlaubnis beim IWC beantragt. Demnach sollen ab April 2015 jährlich 333 Zwergwale in der Antarktis getötet werden. Auf die Jagd von Finn- und Buckelwalen wolle man verzichten, heißt es in dem Antrag. Inwieweit das Vorhaben nun weiter verfolgt wird, ist unklar.

In den vergangenen Jahren hatte Japan die Tötung von rund 900 Tieren pro Jagdsaison zu Forschungszwecken geplant. Auch weil Tierschützer die Walfänger bei ihrer Arbeit behinderten, wurden in der Saison 2013/2014 aber nur 251 Zwergwale getötet. Im Jahr zuvor waren es 103.

Die japanische Waljagd wird seit Jahrzehnten von internationalen Tierschutzorganisationen angeprangert. Der kommerzielle Walfang ist seit 1986 international verboten. Japan setzte den Fang trotzdem fort, Kritikern zufolge unter dem Deckmantel der wissenschaftlichen Forschung. Tokio machte keinen Hehl daraus, dass das Fleisch getöteter Wale in Japan verzehrt wurde.

jme/AP/dpa

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Vielleicht
genutztername 07.01.2015
darf dann Island und Norwegen ihre Kontingente an "wissenschaftlicher Forschung" so weit erhöhen, dass die Nachfrage in Japan nach Walfleisch gedeckt bleibt?
2. Vielleicht dämmert es den Japanern auch nur langsam, daass Wlfleisch ungesund ist
Koda 07.01.2015
Schließluich sind sie mit Endverbraucher im Ökosystem Ozean und dieses ist nicht nur durch Plastikmüll sondern auch durch Industrie- und Schiffsabfälle verseucht. Wale, die amEnde der NAhrungskette stehen, sammeln dieses in ihrem Fleisch.
3. Idiotie
Dr. Friedemann 07.01.2015
Das es irgendeine Begründung geben könnte, Wale zu töten um sie zu schützen, dass soll mir mal ein japanischer Walfänger erklären. Es ist außerdem bedauerlich, dass in diesen Artikel kein Wort zur Beteiligung von Sea Sheperd fällt. Der anhaltende Kampf dieser Organisation gegen die japanische Walfangflotte hat über die Jahre tausenden Walen das Leben gerettet.
4.
Celegorm 07.01.2015
Zitat von genutzternamedarf dann Island und Norwegen ihre Kontingente an "wissenschaftlicher Forschung" so weit erhöhen, dass die Nachfrage in Japan nach Walfleisch gedeckt bleibt?
1. Island und Norwegen betreiben den Walfang nicht unter der Forschungsklausel des IWC-Moratoriums, sondern über einen Einspruch gegen das Moratorium an sich als regulären kommerziellen Walfang. 2. In beiden Ländern ist der Walfang effektiv eigenständig reguliert, was zeigt, dass das Moratorium endlich durch eine international verbindliche Lösung ersetzt werden müsste. 3. Der Export von Produkten aller gefangenen Walarten ist zur Zeit illegal, insofern gibt es entgegen gängigem Irrglauben auch keinen Export. Allfällige marginale, irreguläre Aktivitäten mal ausgenommen..
5.
Celegorm 07.01.2015
Zitat von Dr. FriedemannDas es irgendeine Begründung geben könnte, Wale zu töten um sie zu schützen, dass soll mir mal ein japanischer Walfänger erklären. Es ist außerdem bedauerlich, dass in diesen Artikel kein Wort zur Beteiligung von Sea Sheperd fällt. Der anhaltende Kampf dieser Organisation gegen die japanische Walfangflotte hat über die Jahre tausenden Walen das Leben gerettet.
Es ist grundsätzlich eine gängige Methode, Exemplare eines Bestandes im Rahmen einer Bestandsaufnahme oder anderen Forschungsaktivitäten zu töten, entweder damit diese eingehend untersucht werden können (z.B. Mageninhalt) oder weil sich Individuen gar nicht fangen/untersuchen lassen, ohne dass diese dabei getötet werden. Das wird zwar in all den Tier-Dokus und Co. natürlich nicht gezeigt aufgrund der Sensibilitäten all der "Tier-Freunde", aber letztlich ist das die Forschungsrealität. Alleine um die europäischen Fischbestände zu erfassen und erforschen gehen jährlich Tonnen von Fisch drauf. Ob das bei Walarten notwendig oder sinnvoll ist hängt letztlich vom spezifischen Fall und der Forschungsfrage ab. Da sich Arten aber kaum schützen lassen, wenn man nichts über diese und deren Zustand weiss, sollte klar sein. Entsprechend lässt sich auch nicht per se ausschliessen, dass der Tod einzelner Exemplare dem Schutz ihrer Walart dienen kann. Dass das im Fall Japans eher zu bezweifeln war und primär andere Interessen dahinter standen, mag sein, macht aber das Ganze nicht prinzipiell falsch.
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