Seltenes Video Schlägerei unter Tintenfischen

Zum ersten Mal haben Forscher den Kampf zweier Tintenfischmännchen um ein Weibchen in freier Wildbahn gefilmt. Einer der Kontrahenten musste dabei heftige Schläge einstecken.

Derya Akkaynak, Justine Allen

Wie tarnen sich Tintenfische? Das wollten die Forscher klären, als sie in der Ägäis vor der türkischen Küste ein Tintenfischweibchen filmten. Zu sehen bekamen sie etwas anderes: Vor laufender Kamera begannen zwei Tintenfischmännchen brutal um das Weibchen zu kämpfen (siehe Video oben). Dabei offenbarte sich ein Farbspektakel.

"Einen Großteil ihrer Auseinandersetzungen tragen Tintenfische über visuelle Signale aus. Die meisten dieser Kämpfe sind schön anzusehen, die Tiere zeigen tolle Muster auf ihrer Haut", sagt Justine Allen von der Brown University in Providence, die die Szene beobachtet hat. "Es ist ein Krieg der Farben."

Die Sepien verändern das Muster auf ihrer Oberfläche durch Hautzellen, die verschiedene Farbpigmente enthalten. Werden diese Zellen durch Muskelfasern auseinandergezogen, verschiebt sich das Muster.

Justine Allen schwimmt mit einem Tintenfisch vor der türkischen Küste in der Ägäis. Gewöhnliche Tintenfische werden bis zu einem halben Meter lang.
Derya Akkaynak

Justine Allen schwimmt mit einem Tintenfisch vor der türkischen Küste in der Ägäis. Gewöhnliche Tintenfische werden bis zu einem halben Meter lang.

Kampf in drei Runden

"Das Männchen tauchte rechts neben mir auf und verharrte zunächst auf dem Meeresboden", erzählt Allen. "Das Weibchen war ein paar Meter vor mir. Aus dem Nichts schwamm er zu ihr hin, griff sie sich und die Fortpflanzung begann." Anschließend blieb das Männchen beim Weibchen, um sicherzustellen, dass es bei der Eiablage auch seinen Samen nutzen würde - und wurde von einem Rivalen angegriffen.

Ein erbitterter Kampf in drei Runden begann, wie die Forscher im Fachmagazin "American Naturalist" berichten:

Runde 1

Der Angreifer provozierte, indem er seine Pupillen weitete und seine Fangarme ausstreckte. Daraufhin positionierte sein Gegner ebenfalls seine Fangarme, sein Gesicht verdunkelte sich. Die Kontrahenten sendeten einander deutliche Warnsignale, indem sie die Streifen auf ihrem Rücken zeigten. Die erst Runde ging allerdings an den Angreifer. Männchen Nummer eins färbte sich vollständig dunkel, stieß in einem letzten Akt der Rache Tinte in das Gesicht des Rivalen und verzog sich.

Runde 2

Nach gut einer Minute versuchte es allerdings, seinen Platz an der Seite des Weibchens zurückzugewinnen. Sein Gesicht färbte sich dunkel, die Streifen auf dem Rücken waren gut sichtbar. Es stieß Tinte aus, suchte einen Winkel, um anzugreifen und scheiterte erneut. Sein Rivale setzte kurzerhand seine Fangarme ein, um ihm einen Schlag zu verpassen.

Runde 3

Männchen Nummer eins gab sich so leicht jedoch nicht geschlagen. Als es erneut versuchte anzugreifen, provozierte ihn sein Rivale, indem er sich das Weibchen griff und versuchte, es in Paarungsstellung zu bringen. "Der weibliche Tintenfisch zeigte allerdings nicht viel Interesse", so Allen. Stattdessen ergriff er die Flucht.

Anschließend ging Männchen Nummer eins noch aggressiver gegen seinen Rivalen vor: Es griff sich den Eindringling, schleuderte ihn mehrfach umher und biss zu. Damit war die höchste Eskalationsstufe erreicht. Der Angreifer suchte das Weite.

"Männchen eins hat gewonnen, weil wir ihn später mit dem Weibchen umherschwimmen sahen und das ist, was zählt", sagt Allen. "Es geht darum, wer am Ende das Weibchen bekommt."

jme

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