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Umstrittenes Großprojekt: Viele Verletzte bei Protesten gegen Nicaragua-Kanal

Nicaragua-Kanal: Heftige Proteste gegen Bau der Wasserstraße Fotos
AFP/ STR

Der Baubeginn des Nicaragua-Kanals löst heftige Proteste aus: Dutzende Menschen wurden verletzt, es soll sogar Tote geben. Zehntausende Menschen werden für die Wasserstraße umgesiedelt, Umweltschützer fürchten massive Schäden.

Bei gewaltsamen Protesten gegen den umstrittenen Nicaragua-Kanal sind mindestens 21 Menschen verletzt und Dutzende weitere festgenommen worden. Hunderte Bauern demonstrierten seit Dienstag gegen das größte Bauprojekt in Lateinamerika. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, die Aktivisten zufolge Tränengas einsetzte. Danilo Lorío, Anführer der Proteste im Bezirk Río San Juan südlich der Hauptstadt Managua, und ein oppositioneller Abgeordneter sprachen zudem von zwei Todesopfern.

Eine Polizeisprecherin dementiert dies. Es seien 33 Menschen festgenommen worden, außerdem habe es 21 Verletzte gegeben, jedoch keine Toten. Unter den Verletzten seien 15 Beamte, von denen einer nach einer Schusswunde in Lebensgefahr schwebe.

Die Demonstranten hätten eine Polizeiwache in Brand gesteckt und Sicherheitskräfte mit Schusswaffen und Macheten angegriffen, sagte Polizeichefin Aminta Granera. Die Beamten feuerten daraufhin Tränengas und Gummigeschosse in die Menge. Bei den Protesten gegen das Bauvorhaben war am Dienstag bereits die Präsidentin der Oppositionspartei MRS, Ana Margarita Vijil, vorübergehend festgenommen worden.

Geplanter Verlauf des Nicaragua-Kanals Zur Großansicht
DER SPIEGEL

Geplanter Verlauf des Nicaragua-Kanals

Am Montag hatte der Bau des Nicaragua-Kanals begonnen. Die eigens gegründete chinesische Betreibergesellschaft HKND (Hong Kong Nicaragua Development) will die 278 Kilometer lange Verbindung zwischen dem Pazifischen und Atlantischen Ozean mithilfe von 50.000 Arbeitern einrichten. Die Kosten sollen rund 50 Milliarden US-Dollar (40 Milliarden Euro) betragen. Woher das Geld kommt, ist allerdings unklar. Unbekannt ist auch, wer hinter HKND steht und ob die Firma das notwendige Know-how für ein solches Projekt besitzt.

Hoffnung auf Aufschwung, Angst vor Umweltschäden

Der Kanal startet an der Brito-Mündung an der pazifischen Seite Mittelamerikas, führt über den Nicaraguasee und soll an der Punta-Gorda-Mündung die Karibik erreichen. Er soll 30 Meter tief sein und gigantischen Containerfrachtern der sogenannten Post-Panamax-Klasse Raum bieten, die mehr als 18.000 Standardcontainer transportieren können. Bei der Fertigstellung würde die Wasserstraße dem weiter südlich gelegenen Panama-Kanal Konkurrenz machen, der seit einem Jahrhundert eine Abkürzung quer durch den südamerikanischen Teilkontinent bietet. Ihn können aber nur Schiffe mit bis zu 80.000 Tonnen passieren.

Präsident Daniel Ortega hofft auf zahlreiche Arbeitsplätze, um die Armut in dem zentralamerikanischen Land zu mildern. Allerdings wird damit gerechnet, dass 30.000 Bauern und Ureinwohner umgesiedelt werden müssen. Viele Anwohner fürchten Enteignungen.

Der Kanal weckt auch bei Naturschützern Sorge. Sie befürchten Verschmutzungen durch die Schifffahrt und eine Verunreinigung des Trinkwassers, da die Route auf einer Länge von gut hundert Kilometern durch den Nicaraguasee verläuft - das größte Süßwasserreservoir Zentralamerikas. Zudem müssten für den Kanal Tausende Quadratkilometer Urwald abgeholzt werden. Die Studien zur technischen Machbarkeit, zur Umweltbelastung und zu den finanziellen Aspekten des Großprojekts sind zum großen Teil nicht veröffentlicht worden.

mbe/AFP/dpa

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insgesamt 33 Beiträge
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1. Hinter den Demonstrationen
annetteseliger 25.12.2014
ist zu vermuten, dass diese von den U.S.A. aus gesteuert werden, denn mit dem neuen Kanalwäre das Monopol des Panamakanals gebrochen. China baut nach und nach seine Führungsposition in der Welt aus. Spannende Zeiten!
2. Fünfjährige Bauzeit
demophon 25.12.2014
Erstaunlich, dass es die Chinesen schaffen (wollen), einen 290 km langen Kanal mit mehreren Schleusen in nur 5 Jahren zu bauen. Die Deutschen würden dafür wieder mit Planung und Einspruchsverfahren über 20 Jahre brauchen.
3. Ich finde es n i c h t erstaunlich,
lilioceris 25.12.2014
das die Untersuchungen zur Umweltproblematik n i c h t veröffentlicht wurden. Das zeigt die ganze Korruption in diesem Land. Was schert uns das Trinkwasserreservoir, wir leben ja nicht da ! Entscheidend ist, dass die Drogen (vermutlich) so schnell wie möglich an ihren Bestimmungsort kommen.
4. Wie immer
fidelax 25.12.2014
Mit dem Bau des Kanals baut China seine Position in unmittelbarer Nähe der USA aus. Da muss man eben, unter den Deckmantel des Umweltschutzes schnell mal zunächst gewalttätige Demonstrationen und dann einen Putsch organisieren. Zur Not muss man dann auch mal ein paar Soldaten entsenden, um die "Menschenrechte" zu sichern. Wo die USA ihre Finger drin haben hinterlassen sie Tote , Verwüstung, Not und Elend.
5.
sierrabravofour 25.12.2014
Zitat von annetteseligerist zu vermuten, dass diese von den U.S.A. aus gesteuert werden, denn mit dem neuen Kanalwäre das Monopol des Panamakanals gebrochen. China baut nach und nach seine Führungsposition in der Welt aus. Spannende Zeiten!
Was sollte die Amerikaner daran stören?
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