Futterdiebstahl unter Vögeln Die Super-Betrüger aus der Kalahari

Es ist ein perfider Trick: Mit gefälschten Alarmrufen führen afrikanische Vögel ihre Opfer in die Irre - und nehmen ihnen dann das Futter weg. Und damit sich die Bestohlenen nicht an die Taktik gewöhnen, wird die Täuschung möglichst oft verändert.

Trauerdrongo auf deinem Zweig in der Kalahari (Archiv): Opfer hinters Licht geführt
DPA / Tom Flower / Science

Trauerdrongo auf deinem Zweig in der Kalahari (Archiv): Opfer hinters Licht geführt


Wer immer wieder Opfer eines falschen Alarms wird, der fällt irgendwann nicht mehr drauf rein. Das ist auch in der Tierwelt so. Afrikanische Sperlingsvögel, die Trauerdrongos, schaffen es trotzdem, ihre Opfer regelmäßig mit gefälschten Warnrufen hinters Licht zu führen - um ihnen anschließend das Futter wegzunehmen.

Ornithologen um Thomas Flower von der Universität Kapstadt in Südafrika haben nun herausgefunden, dass die betrügerischen Trauerdrongos mehr Erfolg haben, wenn sie die vorgetäuschten Notsignale variieren. Die Vogelart ahme unter anderem die Warnrufe von Erdmännchen nach, berichtet das Forscherteam im Fachmagazin "Science". Sie verschrecke ihre Opfer jedoch auch mit ihrem eigenen Alarm oder Rufen anderer Vögel.

Tricksereien sind in der Tierwelt üblich, wie Flower erklärte. Allerdings werde die Reaktion der Gehörnten immer schwächer, je öfter sich ein falscher Alarm wiederholt. Diesen Effekt umgingen die Trauerdrongos, indem sie unterschiedliche Notsignale ausstießen. Sind die Betrogenen geflüchtet, schnappt sich der Vogel deren Futter.

Sogar Erdmännchen bestohlen

Gemeinsam mit Forschern aus Großbritannien und Australien hatte Flower mehr als 60 Trauerdrongos in der Kalahari-Wüste dabei beobachtet, wie sie ihren Opfern Futter abluchsten. Die einzelnen Vögel markierten sie mit bunten Ringen. Die Biologen fanden heraus, dass die Trauerdrongos zwischen 9 und 32 verschiedene Versionen von Warnsignalen im Repertoire haben.

"Ich habe beobachtet, dass Drongos mit ihrem falschen Alarm das Futter von 25 verschiedenen Arten stehlen", erklärte Flower. Außer den Erdmännchen seien alle anderen Opfer Vögel, etwa der Elsterdrossling. Trauerdrongos, die Alarmrufe verschiedener Arten einsetzten, hatten laut Flower nicht nur mehr Erfolg bei ihren Tricksereien. Sie schafften es auch, ein Opfer mehrmals hereinzulegen.

chs/dpa

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Vormwalde 03.05.2014
1. Fremdsprachen
Zitat von sysopDPA / Tom Flower / ScienceEs ist ein perfider Trick: Mit gefälschten Alarmrufen führen afrikanische Vögel ihre Opfer in die Irre - und nehmen ihnen dann das Futter weg. Und damit sich die Bestohlenen nicht an die Taktik gewöhnen, wird die Täuschung möglichst oft verändert. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/voegel-in-afrika-stehlen-futter-mit-gefaelschten-alarmrufen-a-967187.html
Trotz jahrelanges Bemühen, ist es mir so glaube ich, noch nie gelungen akzentfreies Englisch zu sprechen. Die wundervoll putzigen Trauerdrongos schaffen es problemlos, verschiedene "Sprachen" ohne Beitöne erfolgreich wiederzugeben. Ich, als Trauerdrongo, würde sicherlich verhungern. Schön, dass die Natur solche Entwicklungen hervorbringt.
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