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Kollisionen zwischen Autos und Vögeln: Der Tod kommt mit 120 km/h

Toter Vogel am Straßenrand: Ist das Auto zu schnell, wird die Zeit zur Flucht knapp Zur Großansicht
Corbis

Toter Vogel am Straßenrand: Ist das Auto zu schnell, wird die Zeit zur Flucht knapp

Viele Millionen Vögel sterben jedes Jahr an den Kühlergrills von Autos - obwohl sie sich eigentlich rechtzeitig in Sicherheit bringen könnten. Jetzt haben Forscher im Experiment eine Erklärung dafür gefunden, warum die Tiere oft zu spät reagieren.

Was tut man als Autofahrer, wenn ein Vogel auf der Fahrbahn sitzt - bremsen oder weiterfahren? Normalerweise fliegen Amsel, Spatz und Taube einfach weg, manchmal knallen sie aber auch gegen die Windschutzscheibe, weil sie es nicht rechtzeitig schaffen.

Die Grenze liegt bei etwa 120 Stundenkilometern: Fährt ein Auto schneller, können die Vögel nicht mehr fliehen - zumindest die in Nordamerika häufigen Braunkopf-Kuhstärlinge. Das berichten US-Wissenschaftler im Fachblatt "Proceedings B" der britischen Royal Society.

Die Forscher um Travis L. DeVault simulierten, wie ein Ford Pick-up frontal auf männliche Exemplare zufährt - mit Geschwindigkeiten von 60 bis 360 km/h. Dazu nahmen sie das fahrende Auto mit einer auf der Straße liegenden Videokamera auf. Die Vögel erlebten das Spektakel über einen hochauflösenden 46-Zoll-Bildschirm, auf einer nachgebauten Straße in einer Videokammer.

Alle Stärlinge reagierten auf die herannahende Gefahr: Zuerst wurden sie unruhig, dann flogen sie davon. Unabhängig von der Geschwindigkeit passierte dies bei ungefähr gleichem Abstand zum Fahrzeug. Das heißt: Je schneller das Auto auf sie zuraste, desto knapper wurde die Zeit zur Flucht. Sobald der Ford schneller als 120 km/h fuhr, konnten die Vögel den Zusammenstoß nicht mehr verhindern.

Hunderte Millionen tote Vögel pro Jahr

Weltweit sterben Hunderte Millionen Vögel und andere Tiere pro Jahr bei Kollisionen mit Fahrzeugen, schreiben DeVault und seine Kollegen unter Berufung auf frühere Studien. Sowohl für die Sicherheit der Fahrer als auch für die Artenvielfalt kann das gefährlich werden. Warum es den Tieren nicht gelingt, den Fahrzeugen auszuweichen, ist häufig unklar.

Vögel und andere Wirbeltiere passen sich im Laufe der Evolution an ihre natürlichen Feinde an. DeVault und sein Team gehen davon aus, dass sie je nach Bedrohung und Situation ihre Fluchtstrategien verändern. Das tun sie bei motorisierten Feinden in ähnlicher Weise wie bei Raubtieren. Die Flucht auf Distanz mag bei biologischen Feinden funktionieren. Bei schnelleren Bedrohungen - wie Autos oder Flugzeugen, die evolutionär gesehen eine Neuheit für die Vögel sind - greift sie nicht.

Auch andere Tiere wenden manchmal Fehlstrategien bei diesem modernen Feind an, wie der Hirsch, der im Scheinwerferlicht erstarrt, oder die Schildkröte, die sich unter ihrem Panzer versteckt. Deshalb empfehlen die Wissenschaftler Geschwindigkeitsbegrenzungen auf den Straßen, und wenn das nicht möglich ist - wie auf dem Rollfeld - Blinklichter an den Flugzeugen.

vwu

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