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Knochensplitter

Evolution Vögel schrumpften sich flugfähig

Urvogel Archaeopteryx: Kleiner Körper, lange "Arme" Zur Großansicht
Todd Marshall

Urvogel Archaeopteryx: Kleiner Körper, lange "Arme"

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Was Vögel von ihren direkten Vorfahren unterscheidet, sind insbesondere ihre Flügel. Wie sie zu den langen Vordergliedmaßen kamen, gehörte lange zu den Rätseln der Evolution. Britische Forscher wollen es nun gelöst haben - und verwerfen die bisher übliche Erklärung.

Wenn Menschen sehr alt werden, geschieht etwas Seltsames mit ihnen: In Relation zum Gesicht scheint ihr Ohr oft bis zu 25 bis 30 Prozent größer zu sein als bei jüngeren Menschen. Wachsen Ohren also mit zunehmendem Alter?

Natürlich nicht: Sie schrumpfen nur nicht. In hohem Alter verliert der Mensch an Größe und "Volumen". Er verliert Zähne, der Kieferknochen geht zurück. Der Knorpel des Ohres aber bleibt, wie er immer war. In Relation zum Rest des Gesichtes scheint das Ohr darum zu wachsen.

Wenn man einer aktuellen, im Fachmagazin "Evolution" veröffentlichten Studie von Mark Puttick und Kollegen folgt, dann ist im Laufe der Entwicklung von zweibeinig laufenden Theropoden hin zu Vögeln etwas ganz Ähnliches passiert. Die Raubsaurier "schrumpften", beispielsweise waren Maniraptoren kleiner und leichter als ihre Vorfahren. Allein ihre Vordergliedmaßen machten diese Verkleinerung nicht mit. In Relation zum restlichen Körper schienen die Vordergliedmaßen also zu wachsen - und begünstigten auf diese Weise später die Ausprägung von Flügeln.

Kein Schub, sondern ein Prozess über 50 Millionen Jahre

Wie Vögel zu ihren langen Vordergliedmaßen kamen, gehört zu den alten Rätseln der Vogel-Evolution. Welchen evolutionär wirksamen Vorteil hätte es gehabt haben können, immer längere Vordergliedmaßen auszuprägen? Wenn das Team um Puttick recht behält, taten die Vorfahren unserer Vögel das aber gar nicht - sie behielten nur "alte" Merkmale größerer Saurier auch dann noch bei, als sich sie sich zu kleineren Arten entwickelten.

Bisher war man davon ausgegangen, dass ein relativ plötzlicher Evolutionsschub dafür sorgte, dass kleine Theropoden Gleitflug und Flügelschlag entwickelten. Laut der nun veröffentlichten Studie nahm dieser Prozess deutlich früher seinen Anfang. Demnach entwickelten verschiedene Raptoren aus der Familie der Coelurosaurier schon ab dem Jura mit hohem Tempo Merkmale, die zur Entstehung der folgenden Gruppen Paraves und Aves führen sollten.

Über etliche Millionen Jahre "experimentierten" solche Saurier dann mit verschiedenen Flugmethoden, vom "Fallschirm"-Ansatz über den gesteuerten Gleitflug bis hin zum Flug aus eigener Kraft - die Methode, die sich schließlich durchsetzen sollte. Insgesamt dauerte dieser Prozess wohl etwa 50 Millionen Jahre, eingeleitet wurde er von der Veränderung der Proportionen.

"Die Entwicklung der Vögel", erklärt dazu Mark Puttick, "wurde als rapide Veränderung gesehen. Jetzt wissen wir, dass die maßgeblichen Charakteristika, die wir mit Vögeln verbinden, viel früher angelegt wurden." Und die langen Arme, die zu den Flügeln der Vögel werden sollten, wären demnach kein neu entwickeltes Merkmal, sondern das beibehaltene Erbe größerer Dinosauriervorfahren.

Die Studie steht in Einklang mit Erkenntnissen der vergangenen Jahre, wonach auch die Entwicklung anderer vermeintlich vogeltypischer Merkmale wie der Federn oder des Vogelhirns bereits bei Theropoden einsetzte.

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11  Bilder
Nicht einmalig: Das Hirn des Archaeopteryx

23 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
fade0ff 25.02.2014
gustavbamgans 25.02.2014
Layer_8 25.02.2014
Dieter62 25.02.2014
andre_22 26.02.2014
MDen 26.02.2014
ruskiymuson 26.02.2014
CM_K 26.02.2014
Adiri 26.02.2014
diordna 26.02.2014
GeMe 26.02.2014
GeMe 26.02.2014
Layer_8 26.02.2014
andre_22 26.02.2014
andre_22 26.02.2014
pepper11 26.02.2014
andre_22 26.02.2014
GeMe 26.02.2014
w.goldstein 26.02.2014
nachtmensch2014 09.03.2014
reuanmuc 10.03.2014
nachtmensch2014 11.03.2014
reuanmuc 11.03.2014

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Zum Autor
  • Frank Patalong ist seit 1999 bei SPIEGEL ONLINE, bis 2011 als Leiter des Ressorts Netzwelt. Fossilien seiner Arbeit finden sich aber auch in den Archiven der Wissenschaft, Kultur, Politik und anderer Ressorts, denen er heute als Autor zuarbeitet. An der Paläontologie fasziniert ihn, wie sie über den Umweg der Popkultur Interesse an wissenschaftlichen Themen weckt und wachhält.
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