Wildvogel hilft Mensch Sag mir, wo der Honig ist

Wilde Tiere können lernen, mit Menschen zu kommunizieren - zum beiderseitigen Vorteil bei der Nahrungssuche in Mosambik.

Honigsucher im Niassa National Reserve (Mosambik)
Claire N. Spottiswoode/ Science/ dpa

Honigsucher im Niassa National Reserve (Mosambik)


Den Honig für den einen, die Wachswaben für den anderen: Auf der Honigsuche kommt es in Afrika zwischen Menschen und Wildvögeln zu ungewöhnlichem Teamwork. In Mosambik führt der Große Honiganzeiger, ein rund 20 Zentimeter langer Spechtvogel, Honigjäger durch trillernden Gesang und auffälliges Flugverhalten zu versteckten Bienenstöcken.

Die Vögel fliegen auf bestimmte Lockrufe der Jäger hin sogar bewusst zu ihnen. Honiganzeiger lieben Bienenwachs, kommen an die Waben jedoch nur heran, wenn Menschen diese aufgebrochen haben.

Ein Forscherteam um Claire Spottiswoode von der britischen University of Cambridge hat nun untersucht, wie stark die Menschen von der Zusammenarbeit profitieren.

Die Wahrscheinlichkeit für die Jäger, dank des Vogels einen Bienenstock zu finden, erhöhe sich durch den Lockruf von 17 auf 54 Prozent, schreiben die Forscher im Journal "Science". "Diese Zusammenarbeit ist ein extrem seltenes Beispiel für Gegenseitigkeit zwischen frei lebenden Wildtieren und unserer eigenen Spezies", so Spottiswoode.

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Nahrungssuche: Mensch-Vogel-Kooperation

Menschen nutzen diverse Tierarten, um an Nahrung zu gelangen etwa Hunde oder Falken. Diese Tiere sind aber domestiziert und trainiert. Im Unterschied dazu handelt es sich beim Großen Honiganzeiger (Indicator indicator) um ein Wildtier.

Die Wissenschaftler befragten zunächst Mitglieder des Yao-Stammes in Mosambik, die bis heute wilden Honig auf diese traditionelle Weise sammeln. Die Jäger berichteten von bestimmten, seit Generationen überlieferten Lockrufen auf ihrer Suche nach Bienenstöcken, auf die die Honiganzeiger reagieren.

Das Forscherteam machte sich danach auf die Suche nach den süßen Waben und testete zum Anlocken der hilfreichen Vögel drei verschiedene Rufe gleicher Wellenlänge:

  • Einmal Aufzeichnungen der konkreten "Brr-Hhm-Laute" der Yao,
  • einmal lediglich deren murmelnde Stimmen,
  • einmal Tierlaute.

Ergebnis: Der traditionelle "Brr-Hhm"-Laut verdoppelte die Wahrscheinlichkeit von einem Honiganzeiger geführt zu werden im Vergleich zu den Kontrolllauten von etwa 33 auf 66 Prozent.

Das kooperative Verhalten der Vögel, das ihnen Vorteile bei der Nahrungssuche verschaffe, sei wahrscheinlich erlernt, schreiben die Forscher. "Die Interaktion mit Menschen hat sich vermutlich durch natürliche Auslese im Verlaufe Hunderttausender Jahre entwickelt", sagt Spottiswoode.

Ein ähnliches Teamwork praktizieren die Honiganzeiger in etwa tausend Kilometern Entfernung. Auch in Kenia rufen menschliche Honigsucher die Vögel mit einem besonderen Pfiff heran.

Großbritannien

hda/dpa

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