Amazonasgebiet Forscher entdecken seltenen Vogel-Hybrid

Sehr selten paaren sich unterschiedliche Tierarten miteinander. Dass auf diese Weise eine dritte Art entsteht, ist noch seltener. Forscher haben so eine Entwicklung nun für eine Vogelart nachgewiesen.

Alexandre Aleixo

Mit seinem schimmernd grünen Gefieder und dem gelben Kopf dürfte der Gelbscheitelpipra unter den zahlreichen exotischen Vögeln im Regenwald des Amazons eine eher unscheinbare Erscheinung sein. Und doch ist das Tier aus der Familie der Schnurrvögel eine biologische Besonderheit. Denn Forscher konnten nun nachweisen, dass es sich dabei um einen seltenen Vogel-Hybrid handelt, eine Vogelart, die aus der Mischung zweier anderer Vogelarten hervorgegangen ist.

Genetische Tests zeigten, dass das Erbgut des Schnurrvogels eine Mischung aus dem Erbgut zweier andere Schnurrvogelarten darstellt. "Während hybride Pflanzenarten sehr gängig sind, sind hybride Wirbeltiere nur sehr selten zu finden", wird Studienleiter Jason Weir in einer Mitteilung der University of Toronto zitiert. Die Wissenschaftler stellen den Vogel-Hybrid in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS") vor.

Hybride entstehen, wenn zwei unterschiedliche, meist nah verwandte Arten miteinander Nachwuchs zeugen - was in der Natur eigentlich nicht vorgesehen ist, aber gelegentlich doch passiert. Bekannte Beispiele für hybride Tiere sind etwa der Maulesel - eine Kreuzung aus Eselstute und Pferdehengst - oder das Maultier - eine Mischung aus Eselhengst und Pferdestute. Meist ist der Nachwuchs von zwei unterschiedlichen Arten steril, die Nachkommen können sich also selber nicht vermehren. Aber auch das ist nur die Regel, Ausnahmen sind möglich, wie der nun beschriebene Fall zeigt.

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"Vogel des Jahres 2018":

Der Schnurrvogel der Art Lepidothrix vilasboasi, auch bekannt als Gelbscheitelpipra, wurde erstmals 1957 in einem kleinen Gebiet des brasilianischen Bundesstaates Pará entdeckt. Dann verschwand das Tier in den Tiefen des Regenwaldes und galt bereits als ausgestorben - bis er im Jahr 2002 erneut gesichtet wurde. Das Gebiet, in dem er vorkommt, liegt zwischen den Verbreitungsgebieten zweier anderer Schnurrvogelarten. Die männlichen Vertreter der drei Vogelarten unterscheiden sich vor allem durch ihre Befiederung am Kopf: Lepidothrix vilasboasi trägt auffällig goldgelbe Kopffedern, die anderen Arten weiße (L. nattereri) oder opal-schillernde Federn (L. iris).

Das Team um Weir verglich nun das Erbgut der drei Arten. Sie stellten fest, dass etwa 20 Prozent des Erbguts von L. vilasboasi auf die Art L. nattereri zurückgehen. 80 Prozent stammen von der Art L. iris. Eine genaue Untersuchung der Federn des goldköpfigen Vogels zeigte, dass auch deren Merkmale, insbesondere die Keratinstruktur, eine Mischung der beiden anderen Arten darstellt.

Anders als bei den Elternarten reflektieren die Federn der Hybrid-Art Licht allerdings erheblich schwächer - ein Nachteil beim Werben um ein Weibchen. "Der goldköpfige Schnurrvogel endete mit einer Keratin-Struktur-Mischung, die schlechte Arbeit leistete und weder das leuchtende Weiß noch das reflektierende Schillern der Elternarten hervorbrachte", erläutert Weir.

Um diesen Nachteil auszugleichen, entwickelten die Hybrid-Vögel über die Einlagerung von gelben Farbpigmenten ihren auffällig leuchtenden Kopfschmuck, erklären die Wissenschaftler. Letzten Endes entfernten sich die Vögel dadurch äußerlich so weit von beiden Elternarten, dass sie sich zur eigenständigen Art entwickelten. "Das ist es, was den goldköpfigen Schnurrvogel zu so einem neuartigen Tier macht", sagte Weir. Vermutlich habe eine zeitweilige räumliche Trennung der Arten diesen Prozess erleichtert.

joe/dpa

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