Überlebensstrategie: In harten Zeiten bekommen Vogelmütter Jungs
Vögel sind Meister der Familienplanung: In schlechten Zeiten bekommen Prachtfinken-Weibchen mehr männlichen Nachwuchs. Denn die Jungen sind fitter und robuster als Mädchen.
Hamburg - Frei lebende Tiere sind daran gewöhnt, dass es mal viel und mal wenig zu fressen gibt. Und sie haben die unterschiedlichsten Strategien entwickelt, um damit klarzukommen. Manche Prachtfinken-Weibchen stimmen sogar das Geschlecht ihrer Kinder darauf ab.
Zwei Wissenschaftler der Macquarie University im australischen Sydney fütterten eine Gruppe von Weibchen der dreifarbigen Papageiamadine (Erythrura trichroa) mit sehr eiweißreicher Nahrung, eine andere mit eiweißarmer, wie sie in der Biologiezeitschrift "Proceedings B" der britischen Royal Society berichten. Dann brachten sie die Weibchen mit Männchen zusammen.
Die Weibchen legten zu gleichen Teilen Eier mit weiblichen und männlichen Küken, wenn sie proteinreiches Futter gefressen hatten, also besonders nahrhaftes. Bei magerer Kost hingegen produzierten die Weibchen eher männlichen Nachwuchs.
Anders als beim Menschen besitzen bei Vögeln die weiblichen Tiere zwei unterschiedliche Geschlechtschromosomen und entscheiden damit über das Geschlecht des Nachwuchses. Dass die Fitness der Mütter sich auf das Geschlecht der Küken auswirken könnte, schlossen die Wissenschaftler aus.
Die Forscher tauschten die geschlüpften Küken dann innerhalb und zwischen den beiden Versuchsgruppen aus. Der Nachwuchs bekam erneut entweder gute oder schlechte Nahrung verabreicht. Es zeigte sich, dass bei magerer Kost Überlebenschancen und Gesundheit von Söhnen deutlich besser waren als die der Töchter - unabhängig davon, ob ihre Mütter gutes oder schlechtes Futter bekommen hatten.
Die Forscher sind deshalb der Ansicht, dass die Mütter ihren Nachwuchs vorausschauend planen und Küken bekommen, die unter den jeweiligen Bedingungen die besten Überlebenschancen haben. Warum die Söhne eher überleben, wissen die Forscher allerdings nicht genau. Bei vielen Vögeln und Säugetieren - auch beim Menschen - gilt der weibliche Nachwuchs als fitter und robuster.
sus/dpa
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