Knochensplitter

Knochensplitter Ein kapitales Ei

Riesenei: Warum zahlt ein anonymer Bieter dafür mehr als 100.000 Dollar? Zur Großansicht
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Riesenei: Warum zahlt ein anonymer Bieter dafür mehr als 100.000 Dollar?

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Der Hammer fiel bei 66.675 Pfund, nach aktuellem Kurs umgerechnet 79.290 Euro oder 101.613 Dollar. Auch die Spezialisten des Auktionshauses Christie's, bei denen in der letzten Woche ein kapitales Ei zur Auktion stand, hatten das nicht erwartet. Ein stolzer Preis für ein Ei, auch wenn das ungewöhnlich groß ist.

Das Volumen des versteigerten Eis entspricht etwa 100 Hühnereiern, was wohl auch das Schicksal des Vogels besiegelte, der diese Proteinbomben legte. Aepyornis maximus, die größte Art der sogenannten Elefantenvögel, lebte wahrscheinlich bis ins 17. Jahrhundert auf Madagaskar. Ausgerottet wurde der größte Laufvogel, dessen Lebenszeit sich mit der des Menschen überschnitt, von eben jenen - ein Ei dürfte genug gewesen sein, eine Großfamilie oder ein Dorf satt über den Tag zu bringen.

Das Ei dieses ausgestorbenen Riesenvogels ist nun ein weiteres Beispiel dafür, wie irrational es im Handel mit den Artefakten ausgestorbener Lebewesen mitunter zugeht.

Denn die Ende März veröffentlichten Schätzungen, wieviel das Ei des Elefantenvogels wohl erbringen würde, hatten eher bei 30.000 Pfund oder darunter gelegen. Das Alter des nun versteigerten Eis wurde auf das frühe 17. Jahrhundert oder davor geschätzt, Christie's beschrieb es als "teilweise fossilisiert". Hat hier vielleicht das "teilweise" die Phantasien beflügelt - Stichwort DNS - und den Preis abheben lassen? Die Bieter, die die Gebote in der Endphase der Auktion in so unerwartete Höhen trieben, blieben anonym.

Aber vielleicht hatte die Eier-Hausse auch gar keinen irgendwie nachvollziehbaren Grund. So oder so ist der Markt für Fossilien und andere alte Funde seit geraumer Zeit von jeder Vernunft entkernt. Rekonstruktionen von Sauriern, die auch nur einen kleinen zweistelligen Prozentsatz Originalknochen enthalten, kosten gern so viel wie eine kleine Villa in Hamburg Winterhude oder München Schwabing. Bei Sotheby's erzielte im Frühjahr letzten Jahres das dekorative Fossil einer Seelilie (siehe Bildergalerie links) aus dem Jura 108.000 Euro - ob mit oder ohne Rahmen ist uns nicht bekannt, bei dem Preis aber auch nicht mehr relevant.

"Lenny": Es gibt so etwas wie eine Fossilienmafia

Dass im Mai 2012 in New York ein Tarbosaurus für eine Million Dollar versteigert wurde, war nicht vornehmlich wegen des Preises skandalös, sondern wegen der Herkunftsgeschichte des Fossils: Mit höchster Wahrscheinlichkeit wurde es illegal aus der Mongolei geschmuggelt. Einige Monate nach der Auktion klickten tatsächlich die Handschellen, der Händler wurde verhaftet.

Am 27. Dezember 2012 bekannte er sich diverser Delikte schuldig, neben dem Tarbosaurus hatte der Fossilienhändler Eric Prokopi etliche weitere ungesetzlich geschmuggelte Fossilien auf den Markt gebracht. Auch der mittlerweile "Lenny" genannte Tarbosaurus wurde identifiziert: Bereits 1946 ausgegraben hat ihn offenbar jemand verlegt (kann ja mal passieren), bevor ihn ein weiterer Unbekannter nach Großbritannien schaffte, von wo aus er es wohl 2010 über den großen Teich in die USA schaffte - falsch deklariert als "prähistorische Knochenbruchstücke". Ende Dezember wurde bekannt, dass "Lenny" zurück in die Mongolei geschafft werden soll.

Millionensummen für gut erhaltene Großfossilien werden immer häufiger aufgerufen, mal mit Erfolg, mal ohne. Bei einer Versteigerung im Jahr 2009 blieb der Anbieter eines ungewöhnlich gut erhaltenen Dryosaurus altus (oberes Jura, ca. 150 Mio. Jahre) auf dem Fossil sitzen, weil niemand bereit war, 300.000 Dollar dafür zu bezahlen. "Vegetarier" gehen auf dem Fossilmarkt oft weniger gut als Raubsaurier. Selbst da gibt es aber Ausnahmen: 2004 hofften die Anbieter des T-Rex "Barnum", die ihre Funde allerdings nicht zu einem stehenden, präsentierbaren Skelett restauriert hatten, auf einen Verkaufspreis bis zu 900.000 Dollar. Sie erzielten nur etwas mehr als ein Zehntel davon - 93.250 Dollar.

Prinzipiell aber werden Raubsaurier merklich höher gehandelt als Pflanzenfresser oder Meeressaurier - gut erhaltene Raptoren sind allerdings auch seltener.

Insofern war der Preis, den der Tyrannosaurs rex "Sue" bereits im Oktober 1997 bei einer Auktion erzielte, schon fast wieder nachvollziehbar: "Sue" gilt als das vollständigste Fossil dieser berühmtesten aller Raubsaurier-Arten, das jemals gefunden wurde. Sie kam für bis heute nicht mehr erreichte 7,6 Millionen Dollar unter den Hammer.

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4 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
felisconcolor 29.04.2013
jederhateinrechtauf 29.04.2013
patalong 29.04.2013
jederhateinrechtauf 29.04.2013
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Zum Autor
  • Frank Patalong ist seit 1999 bei SPIEGEL ONLINE, bis 2011 als Leiter des Ressorts Netzwelt. Fossilien seiner Arbeit finden sich aber auch in den Archiven der Wissenschaft, Kultur, Politik und anderer Ressorts, denen er heute als Autor zuarbeitet. An der Paläontologie fasziniert ihn, wie sie über den Umweg der Popkultur Interesse an wissenschaftlichen Themen weckt und wach hält.
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