Allwetterflieger: Regen kann Kolibris nicht erschüttern

Diese Nachricht passt zum miesen Sommer: Winzige Kolibris können auch bei starkem Regen fliegen - obwohl die Tropfen den kleinen Vögeln eigentlich arg zusetzen müssten. Für besonders schlechtes Wetter haben die Tiere sogar einen eigenen Flugstil.

Kolibri im Regen: Volle Kontrolle, auch bei schlechtem Wetter Zur Großansicht
DPA / Victor M. Ortega / Royal Society

Kolibri im Regen: Volle Kontrolle, auch bei schlechtem Wetter

London - Kolibris sollten im Regen eigentlich Probleme haben: Große Tropfen treffen die nur wenige Gramm leichten Vögel wie wassergefüllte Ballons. Doch selbst schwere tropische Regengüsse hindern Kolibris nicht daran, vor Blüten in der Luft zu stehen und die volle Flugkontrolle zu behalten.

Für die Winzlinge sei diese Fähigkeit überlebensnotwendig, da sie wegen ihres hohen Energieumsatzes nur kurze Zeit ohne Nahrung auskämen - und deshalb auch im Regen unterwegs sein müssten, schreiben Victor Ortega-Jimenez und Robert Dudley von der University of California in Berkeley im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B".

Anfang Juni hatten Forscher um Andrew Dickerson vom Georgia Institute of Technology in Atlanta bereits herausgefunden, dass Regentropfen einer Mücke nichts anhaben können - selbst wenn die Tiere 50-mal leichter sind als die Wassertropfen. Die neue Studie zeigt nun einen weiteren Fall von fliegenden Kämpfernaturen.

Ortega-Jimenez und Dudley hatten fünf kalifornische Annakolibris in einem Plexiglaswürfel fliegen lassen. Dabei filmten sie die Bewegungen der Tiere und berechneten die Kräfte, die auf sie wirkten. Mit einer Dusche simulierten die Wissenschaftler leichten, mittleren und schweren Regen.

Regentropfen werden aus dem Gefieder geschüttelt

Die Forscher fanden, dass leichter und mittlerer Regen - etwa sechs und 15 Millimeter Niederschlag pro Stunde - die Tiere kaum störte. Ihre Flügelschlagfrequenz nahm etwas ab, die Auslenkung der Flügel dafür leicht zu. Bei starkem Regen von etwa 22 Millimetern Niederschlag pro Stunde änderten die Tiere dagegen ihren Flugstil. Sie orientierten sich eher waagerecht, die Amplitude ihrer Flügelschläge nahm stark ab, die Frequenz dagegen zu. In allen Fällen behielten die Tiere die volle Kontrolle über ihre Flugbewegungen, berichten die Forscher.

Offensichtlich kompensieren die Kolibris sowohl die störenden Effekte nassen Gefieders als auch die Kräfte, die der Regen auf sie ausübt. Selbst bei extremen Duschen von 270 Millimetern pro Stunde behielten sie die Kontrolle. Dabei spiele sicher eine Rolle, dass das Gefieder etwa die Hälfte der direkten Kräfte der Tropfen elastisch abfedere, schreiben die Forscher. Zudem seien die Vögel in der Lage, sich mitten im Flug fast alle Feuchtigkeit aus dem Gefieder zu schütteln.

Diesen Aspekt hatten die Forscher bereits in früheren Arbeiten untersucht. Die Mikrostruktur ihrer Federn erlaube den Kolibris, effektiv Regenwasser loszuwerden, vermuteten Ortega-Jimenez und Dudley damals. Die extreme Biegsamkeit der Federn steigere die durchschnittliche Geschwindigkeit an den Spitzen um bis zu 36 Prozent. Im Schnitt hätten die Tiere bei leichtem Regen 67 Wassertröpfchen pro Sekunde abschütteln können, was etwa 2,2 Milligramm Wasser entspreche.

chs/dpa

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