Seltenes Vogelfossil Der Winzling vom Superkontinent Gondwana

Er lebte auf dem ehemaligen Superkontinent Gondwana und war in etwa so groß wie ein Kolibri: In Brasilien haben Forscher ein 115 Millionen Jahre altes Vogelfossil entdeckt. Es ist das erste seiner Art aus der Region.

Gabriel Lio

In Südamerika haben Forscher die Überreste eines einst auf dem Superkontinent Gondwana lebenden Vogelwinzlings entdeckt. Das Tier habe die Größe eines Kolibris und lange, dem Schaft eines Pfeils ähnelnde Schwanzfedern gehabt, berichtet das Team um Ismar de Souza Carvalho von der Staatlichen Universität in Rio de Janeiro.

Es sei der erste Fund dieser Art in Südamerika, erklären die Forscher. Der Vogel sei wohl ein Jungtier und gehöre wahrscheinlich zu den sogenannten Enantiornithes ("gegensätzliche Vögel"), einer Gruppe zahntragender Vögel, die an der Kreide-Tertiär-Grenze vor etwa 66 Millionen Jahren ausstarb. Aus einem anderen evolutionären Zweig, den Ornithuromorpha, entwickelten sich die modernen Vögel.

Bunte Federn für die Balz

Der kleine Vogel habe vor etwa 115 Millionen Jahren gelebt, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Nature Communications". Der gute Zustand des Fossils erlaubte Rückschlüsse auf Struktur und Funktion der speziellen Schwanzfedern.

Sie seien anders als die heutiger Vögel bandförmig, hätten einen elliptischen Schaft und ein Muster aus Punkten, berichten die Wissenschaftler. Sie nehmen an, dass es sich um Reste der ursprünglichen Färbung des Vogels handelt.

Größe und Farbgebung der Schwanzfedern könnten mit dem Balzverhalten der Tiere oder der Arterkennung zusammenhängen, heißt es in der Studie weiter. Unwahrscheinlich sei, dass sie für das Gleichgewicht der Vögel oder ihr Flugverhalten bedeutsam waren - die Federn seien aerodynamisch nicht optimiert.

Ungewöhnlicher Fundort

Fossile Funde von Vögeln aus dem Erdmittelalter, das vor etwa 252 Millionen Jahren begann und vor etwa 66 Millionen Jahren endete, sind selten. Deshalb ist nur wenig über die frühe evolutionäre Geschichte dieser Tiergruppe bekannt. Die meisten gefiederten Fossilien aus jener Zeit wurden im Nordosten Chinas gefunden.

Umso bemerkenswerter ist der Fundort des Vogelwinzlings im Nordosten Brasiliens. Das dort liegende Araripe-Becken ist eine der bedeutendsten Fossillagerstätten der Welt. Zu Lebzeiten des kleinen Vogels herrschte hier ein heißes und feuchtes Klima, was eine große Artenvielfalt begünstigt habe, erklärt de Souza Carvalho in einem Youtube-Video.

jme/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.