H5N8-Viren Ente mit Vogelgrippe auf Gelände des Loeffler-Instituts gefunden

Der aktuell erste Fall von Vogelgrippe in Mecklenburg-Vorpommern wurde ausgerechnet auf dem Gelände des zuständigen Prüflabors gefunden. In Schleswig-Holstein trat das Virus zudem in einer Geflügelhaltung auf.

Verendete Vögel am Großen Plöner See in Schleswig-Holstein
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Verendete Vögel am Großen Plöner See in Schleswig-Holstein


Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) ist als nationales Referenzlabor für die Untersuchung aller Vogelgrippeverdachtsfälle in Deutschland zuständig. Seinen Sitz hat es auf der Ostseeinsel Reims in Mecklenburg-Vorpommern - zuletzt galt das Bundesland als frei von der Vogelgrippe. Doch nun wurde ausgerechnet auf dem Gelände des FLI eine tote Ente gefunden, bei der das H5N8-Virus nachgewiesen wurde - der erste neue Fall in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Kadaver sei am Mittwoch von Mitarbeitern des FLI bei einem Geräteschuppen im Nordbereich der Insel gefunden worden, sagte Institutssprecherin Elke Reinking. Riems liege im Bereich von Zugvogelrouten über die Ostsee, sagte Reinking. Von daher sei ein solcher Fund zu erwarten gewesen.

Aktuell werden in den Laboren weitere Kadaver von Möwen und Enten mit Verdacht auf H5N8 untersucht, die auf den östlich vom Riems gelegenen Inseln Greifswalder Oie und Ruden gefunden wurden. Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) hat für Geflügelhaltungen im ganzen Land die Stallpflicht verhängt. Sie gilt von Montag an.

Geflügelhaltung in Schleswig-Holstein betroffen

Unterdessen mehren sich weitere Fälle von Vogelgrippe: Auch bei toten Puten in einer Geflügelhaltung in Schleswig-Holstein wurde das Virus nachgewiesen. In dem Betrieb im östlichen Landesteil sind laut Agrarministerium 18 Tiere verendet.

Zuvor war bei Wildvögeln am Bodensee ebenfalls die gefährliche Variante der Vogelgrippe festgestellt worden - dort verendeten mehr als 30 Reiherenten. Am Dienstag war H5N8 bereits in Schleswig-Holstein an mehreren Seen bei Plön festgestellt worden. Nun gilt im ganzen Bundesland eine Stallpflicht für sämtliches Geflügel - inzwischen auch in Hamburg.

Auch aus Polen, Kroatien und Ungarn wurden Vogelgrippefälle gemeldet. Unklar ist allerdings noch, ob es einen Zusammenhang zwischen allen Ausbrüchen gibt und es sich um die gleiche Virusvariante handelt.

Kein toten Vögel berühren

Angesichts der aktuellen Fälle von Vogelgrippe sollten Spaziergänger keine toten Vögel berühren oder einsammeln. Stattdessen sei es sinnvoll, das zuständige Veterinäramt nach einem Fund zu informieren, rät der Naturschutzbund (Nabu) Baden-Württemberg. Auch auf die Fütterung von Wasservögeln sollten sie verzichten.

Wer Kontakt zu einem möglicherweise infiziertem Tier oder dessen Kot hat, wäscht sich danach am besten gründlich die Hände. Eine gute Idee ist es außerdem, die Schuhe zu reinigen, da diese womöglich ebenfalls Kontakt zum Tier gehabt haben. Auf keinen Fall sollten Betroffene danach Geflügelhaltungen betreten.

In den aktuellen Fällen wurde das Virus H5N8 nachgewiesen. Der Erreger ist für Geflügel hochansteckend, bislang sind weltweit aber keine Erkrankungsfälle bei Menschen bekannt. Das unterscheidet den Erreger von H5N1-Viren, die ebenfalls die Geflügelpest auslösen - und auch für Menschen gefährlich sind. An Infektionen von H5N1 sind nach den mehrfachen Ausbrüchen der Krankheit ab 1997 mehrere Hundert Menschen weltweit gestorben. Die meisten Todesopfer gab es in Ägypten, Indonesien und Vietnam.

joe/dpa



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