Grippeerreger H10N7 Seehundsterben erreicht Niedersachsen

Seit Wochen tötet ein Vogelgrippe-Erreger zahlreiche Seehunde in der Nordsee. Jetzt ist er auch in Niedersachsen angekommen: An der Küste des Landes haben Experten erstmals das H10N7-Virus in Seehundkadavern nachgewiesen.

Seehunde auf einer Sandbank in der Nordsee vor Dagebüll (Schleswig-Holstein): Seit Anfang November starben 88 Tiere
DPA

Seehunde auf einer Sandbank in der Nordsee vor Dagebüll (Schleswig-Holstein): Seit Anfang November starben 88 Tiere


Oldenburg - Die unter Seehunden grassierende Variante der Vogelgrippe hat nach Behördenangaben nun auch die Küste Niedersachsens erreicht. Der Erreger H10N7 sei bei Laboruntersuchungen toter Tiere nachgewiesen worden, teilte das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) am Mittwoch in Oldenburg mit.

In Niedersachsen wurden demnach seit Anfang November 88 verendete Seehunde entdeckt. Im benachbarten Schleswig-Holstein hat das Influenzavirus nach offiziellen Angaben bislang rund 1500 Tiere getötet, auch in Dänemark und Schweden trat es auf.

Eine allgemeine Gefahr für die Seehundbestände sehen die Experten nach wie vor nicht. Der bisherige Verlauf weise "eher auf eine Influenzainfektion mit erhöhter Sterblichkeit hin als auf eine epidemische Ausbreitung", erklärte Laves-Mitarbeiter Ralf Peter Pund. Er rechne deshalb nicht mit einem Anstieg der Todeszahlen wie bei den beiden großen Staupe-Epidemien 1989/90 und 2002. In diesen Jahren hatte das masernähnliche Staupe-Virus einen Großteil der Seehundbestände in der gesamten Nordsee getötet.

Anderer Virustyp

H10N7 ist nach Angaben von Experten ein weniger aggressiver Erreger. Er wurde der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge in der Vergangenheit gelegentlich auf Geflügelfarmen nachgewiesen. In einem Fall kam es zur Übertragung auf Menschen, aber ohne ernsthafte gesundheitlichen Folgen. Wie das Virus zu den Seehunden im Nordsee-Raum gelangte, ist bisher nicht bekannt. Zunächst trat es vermutlich im Frühjahr bei Tieren im Kattegat vor Schweden auf.

Der H10N7-Erreger ist ein anderer Virustyp als der, der seit Anfang November auf verschiedenen Geflügelfarmen in Europa aufgetreten ist. Zunächst war der Virustyp H5N8 Anfang des Monats auf einem Hof in Mecklenburg-Vorpommern aufgetaucht, am Sonntag meldeten die Niederlande einen Fall. H5N8 wurde bislang nicht auf den Menschen übertragen. Das Virus ist vor allem aus Südkorea bekannt. Welcher Erreger die Geflügelpest auf dem Hof in Großbritannien ausgelöst hat, ist noch unklar. Es sind auch andere Erreger als H5N8 denkbar.

Influenzaviren mutieren und existieren in zahlreichen Unterarten. Ihre Gefährlichkeit für Tiere und Menschen variiert stark. Generell gibt es drei Hauptgruppen von Influenzaviren - A, B und C. Der Mensch kann sich mit allen drei Typen anstecken, wobei die Gefahr von Epidemien in erster Linie von A-Varianten ausgeht. Alle A-Grippen zirkulieren von Natur aus ursprünglich in Wildvögeln, deshalb werden sie auch Vogelgrippe-Erreger genannt. Sie können außer Menschen auch Hunde, Pferde oder Schweine befallen.

nik/afp/dpa

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