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Vogelgrippe H5N1: Ukraine erklärt Teile der Krim zum Katastrophengebiet

In manchen Krim-Dörfern, so die Berichte aus der Region, seien "über Nacht" 80 bis 90 Prozent aller Nutzvögel gestorben. Der Rest soll rasch getötet werden: Teile der Krim stehen unter Quarantäne, die Angst vor dem Virus H5N1 treibt die Behörden zu immer drastischern Maßnahmen.

Nach einer Dringlichkeitssitzung mit seinen Ministern erklärte am Samstag der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko das wahrscheinlich von der Vogelgrippe H5N1 betroffene Gebiet auf der Halbinsel zum Katastrophengebiet. Soldaten des Innenministeriums würden in die betroffenen Gebiete geschickt. Fünf Dörfer wurden nach Behördenangaben zum Sperrbezirk erklärt. Zudem soll es eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit in einer Zone von 10 Kilometern geben, in der die Halbinsel in das Schwarze Meer hineinrage.

Tödliche Gefahr: Die wenigsten Nutzvögel überleben eine Infektion mit H5N1
AP

Tödliche Gefahr: Die wenigsten Nutzvögel überleben eine Infektion mit H5N1

Die Maßnahmen seien notwendig, um eine Ausbreitung des Virus schnell und umfassend bekämpfen zu können, sagte Präsident Juschtschenko. Die Regierung ordnete an, innerhalb von vier Tagen alles Geflügel in dem Gebiet zu töten. Zudem soll der Verkauf von privat gehaltenem Geflügel verboten, Höfe strenger kontrolliert und Transport-Bestimmungen verschärft werden.

Am Nachmittag war bekannt geworden, dass auf zahlreichen Gehöften in acht Dörfern im nördlichen Teil der Krim "80 bis 90 Prozent" aller Nutzvögel "über Nacht gestorben" seien. Das Landwirtschaftsministerium erklärte, es handele sich um einen hoch ansteckenden Virus. "Die Vögel sterben daran innerhalb von zwei bis acht Stunden."

Bewohner der Krim-Dörfer berichteten der Nachrichtenagentur Reuters, ihr Nutz-Geflügel sei bereits seit Monaten an einer "mysteriösen Krankheit" gestorben. Die Tiere seien dann einfach auf die örtliche Müllkippe geworfen worden. Gesundes Geflügel sei weiterhin gegessen, krankes entweder weggeworfen oder vergraben worden. Zum Teil seien die toten Hühner dann von streunenden Hunden gefressen worden.

Unter Quarantäne stehen die betroffenen Gebiete bereits seit dem Nachmittag. Menschen, die Kontakt mit den Vögeln hatten, seien unter dauernde medizinische Beobachtung gestellt worden.

H5N1-Todesopfer in Indonesien

Erste Analysen deuteten darauf hin, dass es sich bei dem entdeckten Virus um den für Menschen gefährlichen Typ H5N1 handeln könnte. Zur endgültigen Klärung würden die Gewebeproben in Frankreich und England untersucht, sagte ein Regierungssprecher. Auch darüber, wie der Virus den Weg in diesen Landesteil der Ukraine gefunden haben könnte, gibt es begründete Vermutungen: Der Norden der Halbinsel mit ihren zahlreichen Meeresbuchten und Brackwasserseen gilt als wichtiges Rastgebiet für Zugvögel.

Schlagzeilen machte die Vogelgrippe H5N1 am Samstag auch in Indonesien: Die Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigte, dass dort mit einer 25-Jährigen Frau das achte menschliche H5N1-Todesopfer des Landes zu beklagen sei. Fünf Menschen hätten die Infektion mit H5N1 überlebt.

Der Grippevirus H5N1 könnte nach einer entsprechenden Mutation das Potenzial zu einem Artensprung besitzen. Die WHO warnt seit Jahren davor, dass H5N1 sich zu einer Pandemie auswachsen könnte. Seit einigen Monaten wird diese Warnung zunehmend ernst genommen. Neben vielen anderen Staaten baut auch die Bundesrepublik ihre Grippe-Warnnetze und Vorräte an Anti-Grippe-Mitteln aus. Die Forschung nach einem effektiven Impfserum gegen H5N1 läuft auf Hochtouren.

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