Vogelhochzeit Nur sexy Spatzen können gut singen

Nicht jeder Spatz pfeift talentiert vom Dach. Aber die guten Sänger, haben weitaus bessere Chancen bei den Weibchen. Spitzengesang lässt immer auf gute Gene schließen, das haben Forscher nun herausgefunden.


Mit nur einem einzigen Gassenhauer im Programm kann der Spatz einpacken. Untalentierte männliche Spatzen haben ein weniger gut entwickeltes Gehirn, weniger widerstandsfähige Gene und ein nur mäßig funktionierendes Immunsystem - das haben Forscher in einer Untersuchung an der University of Western Ontario in Kanada herausgefunden. Mit derartigen Defiziten ist ein männlicher Spatz alles andere als ein attraktiver Partner.

Nur die fitten Spatzen haben ein breites Gesangs-Repertoire
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Nur die fitten Spatzen haben ein breites Gesangs-Repertoire

Dabei spielt der Gesang für viele Tiere eine wichtige Rolle bei der Suche nach einem Partner. Sogar Mäuse scheinen bei der Paarung zu singen, was selbst die Wissenschaftler überraschte. Kanarienvögel wiederum trällern in jungen Jahren völlig wirre Melodien. Sie wissen aber spätestens wenn sie in die Paarungszeit kommen, dass sie sich an ganz bestimmte Gesangsstrukturen halten müssen - sonst ist die Angebetete weg.

Spatzen haben es da auch nicht leicht, wie der Biologe Jeremy Paff in seinem Artikel ausführt, der beim Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B" zur Veröffentlichung vorliegt. Je weniger Songs der Spatz auf dem Kasten hat, umso kleiner ist seine Chance während der Paarungszeit zum Zuge zu kommen. So könne ein talentierter Vogel akustisch genau das, was ein Pfau mit seinen bunten Federn optisch könne: viel Eindruck bei den Weibchen schinden. Forscher konnten bereits in früheren Studien verfolgen, dass Spatzen mit größerem Gesangs-Repertoire sehr zeitig eine Partnerin finden.

In der neuen Untersuchung haben die Forscher sich nun die biologische Ausstattung der Spatzen näher angeschaut. Dafür analysierten sie über 500 Lieder von mehr als 70 Tieren und führten dann die Komplexität des Gesangs mit einer Rangliste physischer Ausstattungen der Vögel zusammen. Es zeigte sich, dass die virtuosen Sänger deutlich bessere Gene und Blutwerte hatten. So sei zum Beispiel das Verhältnis von weißen Blutkörperchen zu roten Blutkörperchen bei besonders ambitionierten Exemplaren erheblich besser gewesen als bei den weniger guten Sängern. Die guten Blutwerte und eine "größere genetische Ausstattung" führte zu einem Vorteil bei der Ausschau nach der passenden Braut. Auch der Teil des Gehirns, der den Gesang steuert - Forscher nennen den Abschnitt High Vocal Center (HVC)-, sei bei den talentierten Kehlen größer ausgebildet gewesen.

"Bei vielen Arten bevorzugen die Weibchen eher Männchen mit einem großen Gesangsvermögen", sagt Forscher Pfaff, das habe auch mit physiologischen Ursachen wie der Größe des Singzentrums im Gehirn zu tun. Darin zeige sich der Entwicklungstand des Tieres. So sei ein mittelmäßiger Sänger weder sexy noch stark und damit auch kein geeigneter Vater, der seine Nachkommen gegen Gefahren verteidigen könne.

atr



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