Vogelschutz Tödliches Durcheinander

Jährlich töten Jäger in der EU 52 Millionen Vögel - auch solche, die eigentlich geschützt sind. Das Problem: die unterschiedlichen Regeln in den Mitgliedstaaten.

Feldlerche (Archiv)
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Jährlich töten Jäger in der Europäischen Union mehr als 52 Millionen Vögel. Bei einem Großteil der Tiere handelt es sich laut einer Studie des Bonner Komitees gegen den Vogelmord um Zugvögel, die in einigen Ländern akut gefährdet oder vom Aussterben bedroht sind. Neben Feldlerchen (900.000) und Kiebitzen (100.000) werden zum Beispiel auch Turteltauben (1,5 Millionen) gejagt: Vögel, die in Deutschland auf der Roten Liste gefährdeter Arten stehen.

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Der Bestand der Turteltaube hat sich in Europa von 1980 bis 2013 um rund 80 Prozent verringert - mehr als 100 Millionen Tiere wurden in diesem Zeitraum abgeschossen. Turteltauben, Feldlerchen und Kiebitze dürfen nämlich bei ihrem Zug durch Südeuropa oder Frankreich ganz legal gejagt werden. In Deutschland wiederum ist die Jagd auf gefährdete Gänsearten aus Skandinavien und Osteuropa erlaubt. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Für die Studie wurden Zahlen aus 24 EU-Staaten sowie der Schweiz und Norwegen ausgewertet. Die Dunkelziffer liegt weitaus höher. Für Großbritannien, die Niederlande, Irland und Griechenland gab es keine Daten. Auch werden Wildvögel in großer Zahl illegal getötet oder gefangen. Grundlage für die legale Jagd ist die Europäische Vogelschutzrichtlinie, die 82 Vogelarten als "jagdbar" einstuft. Seit 1979 wurde die Liste nicht aktualisiert.

"Die Jagd auf bestimmte Arten gefährdet die Schutzbemühungen in anderen Ländern oder macht sie komplett zunichte", sagt Studienmitautor Axel Hirschfeld. So dürfen Turteltauben noch in zehn, Feldlerchen in sechs und Kiebitze in fünf EU-Ländern gejagt werden. Die EU-Kommission muss laut Hirschfeld handeln: "Staaten, die weiterhin die Jagd auf gefährdete Arten erlauben, müssen dringend aufgefordert werden, diese Wildvögel zu schonen."

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insgesamt 5 Beiträge
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taglöhner 03.03.2018
1. Eigentlich wäre es ganz einfach
Nur Brut- und Bestands- keine Zugvögel.. Ein altes Thema, in diesem Fall leider zuwenig ideologisch ausbeutbar, um Aufmerksamkeit zu erregen. Man treibt im Norden einen viele Millionen teuren Riesenbohei zum Vogelschutz mit Heeren von engagierten ehrenamtlichen Helfern, damit die dann auf dem Zug im Süden "geerntet" werden. Richtig übel wird es allerdings erst in Nahost/Afrika - unvorstellbar. Die Jagdsysteme in Europa müssen harmonisiert werden. Im einen Land bremsen volksnahe Traditionen, im anderen gut vernetzte Privilegierte.
fantin-latour 03.03.2018
2. Tapferer, aber fast aussichtsloser Kampf
Das ist den "Jägern" in Südeuropa und Skandinavien so was von egal, ob die Art gefährdet ist, Hauptsache, sie können herumballern. Meist ja just for fun, nicht mal zur Nahrungsbeschaffung. Und da bei der Polizei ja auch eher Waffennarren angestellt sind, haben die vollstes Verständnis. In Finnland dürfen Sie sogar mit Plastikentchen und Lockrufen vom Tonband jagen und manche Arten sogar zur Vogelzugzeit. Solange Politiker sich gern bei der Jagd ablichten lassen, um mehr Wählerstimmen zu bekommen, sind die paar Vogelschützer machtlos.
taglöhner 03.03.2018
3.
Bei den Skandinaviern sind es wenigstens die "eigenen" Brutvögel da haben sie den Bestand selbst im Griff, während bei uns gerne auf "deren" Gänse und Enten während der Durchreise geballert wird, ohne zu wissen, wie es in einzelnen Brutgebieten steht. Mit Waffennarren hat das wenig zu tun, für Jäger sind das in erster Linie Werkzeuge ohne Selbstzweck.
Montseny 03.03.2018
4. Mit Klebstoff...
auf den Aesten werden sie in Spanien gefangen. Legal oder illegal ist den Jaegern dabei xxxxxegal.... Geschuetzte Stoerche werden, durch spitze Stangenkonstrukte auf Kirchtuermen, die sie vom Landen abhalten sollen, durchbohrt (http://www.lavanguardia.com/local/lleida/20180223/441005175982/ciguenas-heridas-muerta-iglesias-lleida.html). Es gibt Gesetze, die Gesetzeshueter durchsetzen sollen. Das Land ist gross, die "Rurales" sind wenig, und sie werden oft genug von aggressiven Jaegern bedroht. Vor einem Jahr erschoss ein Jaeger 2 unbewaffnete "Rurales", die seinen Waffenschein kontrollieren wollten. Seit den 80iger Jahren hat Europa 57% seiner Voegel verloren (Spiegel) .... natuerlich nicht nur durch die Jagd, sondern durch Verlust ihrer Habitate, Rueckgang der Insekten, die intensive Landwirtschaft und deren Methoden.... Und wir schaffen bestimmt, die Anzahl noch weiter zu reduzieren.....
Promethium 03.03.2018
5. Man muss viel genauer hinsehen
Beispiel Gänse Inzwischen werden aus ganz Deutschland Gänseplagen gemeldet. Das hat mit stark steigenden Beständen manche Gänsearten wie der Nilgans zu tun. Die einzige Gänseart deren Bestände fallen, ist die Zwerggans! Und das hat vor allem damit zu tun, das diese kleinste Gänseart schlicht von den stark steigenden Beständen größerer Gänsearten verdrängt wird. Es ist also nicht nur so das die Menschen unter den Gänseplagen leiden sondern eben auch seltene Gänsearten. Hier muss über die Jagd sinnvoll eingegriffen werden. "Die zunehmende Verbreitung der Nilgans zum Beispiel in Deutschland schafft Probleme. Im hessischen Frankfurt beispielsweise hat das Gesundheitsamt festgestellt, dass vom Kot der Nilgänse in öffentlichen Freibädern Gefahren für die Gesundheit insbesondere von Kleinkindern ausgehe. Die Stadtverwaltung hat daher entschieden, die Tiere abzuschießen.[15]" Wikipedia: Nilgans
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