Vom Feld in die Welt Gen-Raps breitet sich unkontrolliert aus

Genetisch veränderter Raps kann sich auch über große Entfernungen ausbreiten. Das wollen Forscher an Straßenrändern im US-Bundesstaat North Dakota herausgefunden haben. Bei Tests zeigten fast 90 Prozent der Pflanzen Zeichen genetischer Veränderungen.

Rapsfeld (in Deutschland): Debatten um unkontrollierte Ausbreitung von Gen-Raps
dpa

Rapsfeld (in Deutschland): Debatten um unkontrollierte Ausbreitung von Gen-Raps


Pittsburgh - Dass sich genetisch veränderte Pflanzen auch außerhalb ihrer Anbaugebiete verbreiten, gehört zu den wichtigsten Argumenten von Gentechnik-Gegnern. In den USA glauben Wissenschaftler nun Belege dafür gefunden zu haben, dass diese Befürchtung durchaus realistisch ist. In ihrem Fokus steht die Rapspflanze, die bei Insekten wegen ihrer knallgelben Blüten besonders beliebt ist.

Mit den Insekten können die Rapspollen weit reisen, die Auskreuzung droht. Und tatsächlich scheinen Forscher um Meredith Schafer von der University of Arkansas in Fayetteville das Problem großräumig nachgewiesen zu haben. Sie hatten Rapspflanzen an Autobahnen und Landstraßen im US-Bundesstaat North Dakota untersucht - auf einer Strecke von mehr als 5400 Kilometern. Dabei überprüften sie alle acht Straßenkilometer einen Abschnitt von 50 Metern Länge. Die Wissenschaftler sammelten - sofern vorhanden - je eine Rapspflanze als Stichprobe ein, wie sie auf der Fachtagung der Ecological Society of America in Pittsburgh berichteten.

Auf diese Weise kam das Team zu insgesamt 406 Rapspflanzen. In deren Blättern suchten die Forscher nach Anzeichen von Eiweißen, die auf Resistenzen gegen bestimmte Pestizide hindeuten - Eigenschaften, die nur von genetisch veränderten Zuchtsorten stammen können.

Das beeindruckende Ergebnis: 347 Pflanzen und damit 86 Prozent aller Stichproben wurden positiv auf solche Proteine getestet. Außerdem lag das Resistenz-Gen in einigen Individuen doppelt vor. Für die Forscher war das ein weiterer Beweis dafür, dass die Populationen sich bereits außerhalb der kultivierten Flächen angesiedelt und vermehrt haben müssen, weil es solche Pflanzen eben nicht im Handel zu kaufen gibt.

Gentechnisch veränderter Raps wird in den USA bereits auf Anbauflächen von insgesamt mehr als zwei Millionen Hektar angebaut. Auch in Kanada, Chile und Australien wird er genutzt. In Deutschland war Gen-Raps ("Taurus") im Jahr 2007 versehentlich auf insgesamt tausend Hektar ausgesät worden. Auf den betroffenen Flächen durfte dann zwei Jahre lang kein Raps angebaut werden, um Kontaminierungen zu verhindern.

Die Idee hinter den genetisch veränderten Pflanzen ist im Grunde simpel: Weil sie gegen bestimmte Pestizide resistent sind, können die Bauern ihre Felder mit Unkrautvernichtungsmittel besprühen, ohne dass dem Raps etwas passiert. Einen weiteren Vorteil sehen die Züchter genetisch veränderter Pflanzen in der gezielten Erhöhung bestimmter Inhaltsstoffe. Einige Rapssorten haben zum Beispiel einen höheren Gehalt an Omega-3-Fettsäuren. Umweltschützer warnen hingegen vor Auskreuzungen, schädlichen Auswirkungen auf andere Organismen und die steigende Belastung der Böden durch die Mittel zur Schädlingsbekämpfung.

chs/ddp



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