London - Sollte der Bericht stimmen, dürfte es in den kommenden Wochen und Monaten enorm schwierig werden, ein international verbindliches Abkommen zum Klimaschutz auszuhandeln. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf europäische Diplomaten berichtet, stellen sich China, Indien, Brasilien und Südafrika im Klimaschutz quer. Auf der Uno-Konferenz in Kopenhagen, die am kommenden Montag beginnt, würden die vier Nationen dem Ziel einer Halbierung der globalen Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 im Vergleich zu 1990 nicht zustimmen.
In einem Dokument hätten die vier Regierungen außerdem erklärt, dass sie auch zwei weitere Ziele ablehnten: dass die weltweiten CO2-Emissionen im Jahr 2020 ihren Höhepunkt erreichen und dass die globale Erwärmung auf zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit begrenzt wird. Beides halten Wissenschaftler für unerlässlich, wenn man potentiell katastrophale Folgen des Klimawandels noch verhindern will.
"Das Papier ist defensiv", zitiert Reuters einen mit dem Dokument vertrauten europäischen Diplomaten. "Es definiert die roten Linien für diese aufstrebenden Volkswirtschaften." Die Schwellenländer "wollen keine Zahlen unter der Überschrift einer gemeinsamen Vision" im Entwurf der Abschlusserklärung von Kopenhagen sehen, sagte ein anderer Diplomat. In den Industriestaaten herrsche darüber Verwirrung. "Keines dieser Länder scheint gewillt, der EU oder der USA seine Positionen zu erklären oder zu rechtfertigen."
Zur Eindämmung des Klimawandels gilt es als unabdingbar, dass auch die großen Schwellenländer ihre Treibhausgasemissionen senken. Die Regierungen pochen allerdings darauf, dass sie das gleiche Recht auf technischen Fortschritt und hohen Lebensstandard haben wie die Industriestaaten. Die wiederum zieren sich, die von den ärmeren Ländern geforderten Finanz- und Technologiehilfen zu leisten. China ist inzwischen der weltweit größte Verursacher von CO2-Emissionen. Der Ausstoß pro Kopf liegt dort allerdings nach wie vor weit unter dem der USA oder Westeuropa.
Dabei würde die Halbierung der Treibhausgasemissionen bis 2050 vermutlich nicht einmal ausreichen, um die Erwärmung unterhalb der Zwei-Grad-Grenze zu halten. Erst am Dienstag veröffentlichte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers eine Studie, laut der die G-20-Staaten ihre CO-Emissionen bis 2050 nicht nur halbieren, sondern sogar um 85 Prozent senken müssten. Die Untersuchung zeigte zugleich, dass die Welt sich diesem Ziel derzeit nicht annähert, sondern sich immer weiter davon entfernt.
mbe
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Natur | RSS |
| alles zum Thema Uno-Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH