• Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Vorbereitungen zum Klimagipfel Politiker pokern um Minimalkonsens in Kopenhagen

Klimaschutz-Aktivisten (in Tokio, 13. November): "Mehr als kläglich."Zur Großansicht
AP

Klimaschutz-Aktivisten (in Tokio, 13. November): "Mehr als kläglich."

2. Teil: Europäer drängen auf ambitionierten Abschluss

Ministerin Hedegaard, immerhin, zeigt sich kämpferisch: "Kopenhagen sollte eine Zielmarke enthalten, bis wann ein rechtlich bindendes Abkommen geschlossen sein muss." Auch Lars-Erik Lilljelund, Schwedens Sonderbeauftragter für den Klimaschutz sieht das so. Sein Land vertritt als amtierende Ratspräsidentschaft die Position der Europäischen Union in den Gesprächen. Er hält die dänische Strategie für richtig: "Wir unterstützen das, weil wir glauben, dass es wichtig ist, dass Kopenhagen Ergebnisse bringt", sagt Lilljelund im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Für ihn sei ohnehin seit mindestens sechs Monaten klar gewesen, dass die Konferenz keinen vollständigen, völkerrechtlich bindenden Vertrag bringen werde. Allerdings haben auch die Europäer ihren Teil dazu beigetragen, die Erwartungen an den Gipfel systematisch herunterzuschrauben. Schließlich hatten sie sich nicht auf eine Zusage einigen können, mit wie viel Geld Entwicklungsländer für Anpassung an den Klimaschutz und für CO2-Vermeidung rechnen können. Das war aber eine zentrale Forderung der Länder des Südens.

Umweltschützer wollen sich gar nicht ausmalen was passiert, wenn der Gipfel nur ein unverbindliches Schlussstatement bringt. Wolle man die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzen - also auf jenes Maß, bei dem die Folgen nach Ansicht von Wissenschaftlern noch halbwegs beherrschbar wären - gäbe es zu einer verbindlichen Erklärung "keine Alternative", sagt Stefan Krug, Leiter des politischen Vertretung von Greenpeace in Berlin. "Alles andere wäre ein völliges Scheitern der Kopenhagener Verhandlungen."

"China und die USA haben mehr Spielraum, als sie zugeben"

Rätselraten herrscht derzeit darüber, wie der Rückschlag auf dem Apec-Gipfel zu interpretieren ist. Die positive Variante: Die Staaten nehmen sich etwas mehr Zeit, weil sie ernsthaft an einem inhaltlich starken Abkommen interessiert sind. "Sich völkerrechtlich verbindlich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu einigen, wäre nicht sinnvoll", meint Schellnhuber. "Besser wäre es, man einigt sich später, dafür aber auf ambitioniertere Ziele." Auch SWP-Forscherin Dröge sieht das so: "Es hat keinen Sinn, in Kopenhagen auf etwas zu drängen, das dann von den USA umgeworfen wird."

Die negative Variante: Die USA und China haben sich klammheimlich darauf geeinigt, im Klimaschutz bis auf weiteres so wenig wie möglich zu unternehmen. Dahinter könnte, so argwöhnen Beobachter, ein simples Kalkül stecken: So lange man glaubhaft behaupten kann, die jeweils andere Seite habe eine Einigung sabotiert, trägt niemand größeren politischen Schaden davon. "In diesem Szenario wäre es vorstellbar, dass der US-Senat gemeinsam mit China ein Abkommen torpediert", sagt Bals. In Washington steckt ein weitreichendes Umweltschutz-Gesetz seit Monaten im Parlament fest.

Oder ist alles nur Taktik und der ernüchternde Ausgang des Apec-Gipfels bereits Teil des großen Kopenhagen-Pokers? "China und die USA haben mehr Spielraum, als sie zugeben", meint Greenpeace-Mann Krug. "Obama könnte schon jetzt rechtlich verbindliche Zusagen in Sachen CO2-Ausstoß machen, ohne auf den Kongress zu warten. Er könnte auch finanzielle Zusagen an die Entwicklungsländern machen und sie an dortige Treibhausgas-Reduktionen knüpfen."

Bleibt die Hoffnung, dass Obama sich letzten Endes bewegt, weil sonst politischer Schaden an der Heimatfront droht. Dumm nur, dass die Erderwärmung derzeit eine Pause einlegt. "Das ist psychologisch von entscheidender Bedeutung", meint Schellnhuber. Zwar sei jedem halbwegs informierten Politiker klar, dass die derzeit zu beobachtende Stagnation der Temperaturen nur vorübergehend sei. Noch 2007 habe der Klimawandel die politische Debatte bestimmt. "Aber inzwischen ist der Druck aus der Öffentlichkeit gesunken."

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 4346 Beiträge
yubi 28.10.2009
Er bringt viel inhaltsloses Geschwätz, vollmundige (und windelweiche) Absichtserklärungen, Forderungen an "die Anderen", endlich auch etwas zu tun (bevor man selber was tut), .... Gut, daß die mal wieder drüber [...]
Er bringt viel inhaltsloses Geschwätz, vollmundige (und windelweiche) Absichtserklärungen, Forderungen an "die Anderen", endlich auch etwas zu tun (bevor man selber was tut), .... Gut, daß die mal wieder drüber gesprochen haben ..... Ausser Spesen wieder nichts gewesen, und .... dann bis zum nächsten mal.
Maschinchen 28.10.2009
Bleiben seitens der EU finanzielle Zusagen für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern weiterhin aus, wird es schwer, diese mit ins Boot zu holen. Meiner Ansicht nach ist es ohnehin utopisch, das Zwei-Grad-Ziel noch zu [...]
Bleiben seitens der EU finanzielle Zusagen für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern weiterhin aus, wird es schwer, diese mit ins Boot zu holen. Meiner Ansicht nach ist es ohnehin utopisch, das Zwei-Grad-Ziel noch zu erreichen. Klimaschützer werden sich zunehmend mit dem ungeliebten Wort adaptation anfreunden müssen.
Edgar 28.10.2009
Wird wohl auf die übliche Verzögerunstaktik hinaus laufen, Aussitzen, bis die Klimahysterie vorbei ist, bis da hin Valium verteilen. Gut so! Wird nämlich trotzdem noch viel zu viel Geld sinnlos verbrannt. Deutschland wird wohl [...]
Wird wohl auf die übliche Verzögerunstaktik hinaus laufen, Aussitzen, bis die Klimahysterie vorbei ist, bis da hin Valium verteilen. Gut so! Wird nämlich trotzdem noch viel zu viel Geld sinnlos verbrannt. Deutschland wird wohl leider wieder als letzter Staat merken, dass die Party vorbei ist, und brav 'Vorbild' spielen.
Internetnutzer 28.10.2009
Alle reisen mit dem Flugzeug an, residieren in klimatisierten Hotels, lssen sich in großen Limousinen zum Tagungsgebaude chaufiieren und reden über CO2 Reuzierung. Bis an die Unterlippe verschuldet wollen sie dann finanzielle [...]
Alle reisen mit dem Flugzeug an, residieren in klimatisierten Hotels, lssen sich in großen Limousinen zum Tagungsgebaude chaufiieren und reden über CO2 Reuzierung. Bis an die Unterlippe verschuldet wollen sie dann finanzielle Zusagen an Drittländer geben? Und an den ganzen Klimaquatsch glauben die meisten sowieso nicht, es ist aber so spekulativ die Welt zu retten, da muß man doch bei sein. Ein Riesenhumbug, wie im alten Rom: Brot und Spiele. Danach: Außer Spesen nichts gewesen. Ich hatte das schon mal gesagt: Wenn die Malediven wirklich etwas für den Klimaschutz tun wollen, dann sollen sie ihren Flughafen dicht machen, das wäre ein echtes Zeichen, daß sie verstanden haben.
Maschinchen 28.10.2009
Nun, was schlagen Sie vor? Anreise im Schlauchboot, Übernachtung auf dem Campingplatz?
Zitat von MoordruideAlle reisen mit dem Flugzeug an, residieren in klimatisierten Hotels, lssen sich in großen Limousinen zum Tagungsgebaude chaufiieren und reden über CO2 Reuzierung.
Nun, was schlagen Sie vor? Anreise im Schlauchboot, Übernachtung auf dem Campingplatz?
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Natur
alles zum Thema Uno-Klimakonferenz in Kopenhagen 2009

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Weltklimaverhandlungen
Die G-8-Staaten haben sich grundsätzlich zu dem Ziel bekannt, den globalen Temperaturanstieg im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Auch die Schwellenländer haben sich dem jetzt angeschlossen. Doch konkrete Vorgaben und Zusagen zur Finanzierung fehlen noch - deshalb könnte es beim bloßen Lippenbekenntnis bleiben.

Wer wie viel CO2 reduzieren will
Die Staaten der Union haben sich verpflichtet, ihre CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Wenn andere Staaten mitziehen, versprechen die Europäer sogar ein Minus von 30 Prozent. Die Aufteilung der EU-weiten Ziele auf Mitgliedstaaten ("Effort Sharing") wird unter Berücksichtigung der Wirtschaftsleistung pro Kopf und der nationalen Voraussetzungen vorgenommen.




TOP



TOP