Vorhersage bis 2100 Regierungsprognose enthüllt Folgen des Klimawandels für Deutschland

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5. Teil: Lückenhafte Basis - wie robust sind die Prognosen?


Obwohl von einem Großcomputer errechnet, der mehrere Räume des Max-Planck-Instituts in Hamburg füllt, unterliegen die Klimamodelle erheblichen Unsicherheiten. Unklar ist etwa, ob der zugrunde liegende Anstieg der Treibhausgasemissionen tatsächlich eintritt. Zudem wirken sich Vegetation und Bodenbedeckung auf das Klima aus - die Veränderung beider Faktoren ist indes nicht vorhersehbar.

Weil sich eine mögliche Verknappung des Wassers weitaus gravierender auswirken würde als die erwartete Erwärmung, steht die Niederschlagsprognose im Vordergrund. Indes: Die Niederschlagsrechnungen sind deutlich unsicherer als die Temperaturszenarien. Vergleiche verschiedener Klimamodelle haben gezeigt, dass insbesondere die Niederschlagsprognose für den Sommer sehr unzuverlässig ist. Zudem waren im Oktober 2006 erhebliche Unstimmigkeiten und handwerkliche Fehler im "Remo"-Modell bekannt geworden.

"Nur wenn es gelingt, den Wassergehalt des Bodens vorherzusagen, kann man auf robuste Prognosen hoffen", sagt der Klimatologe Joseph Egger von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Doch Gewitter und Wolken erstrecken sich häufig nur über wenige Kilometer, sie fallen also durch das Raster der Modelle. Ihre Wirkung muss abgeschätzt werden.

Die Ergebnisse der regionalen Klimarechnungen hängen zudem von jenen Modellen ab, die das globale Klima berechnen. Die Strahlungsenergie in der Luft aber, die die Temperatur bestimmt, kann nur mit erheblicher Unsicherheit errechnet werden. Auch sind viele bedeutende Klimaprozesse wenig verstanden, etwa der Kreislauf des Wassers zwischen Boden, Luft und Ozean. Es mangelt an Messdaten.

Vertrauen in ihre Prognosen ziehen die MPI-Forscher daraus, dass sie ihr Modell mit der Klimaentwicklung der Vergangenheit abgeglichen haben. Dennoch wollen sie ihr Szenario für Deutschland nicht als exakte Vorhersage verstanden wissen. Auch Aussagen über das Wetter in einem bestimmten Jahr seien nicht möglich. "Unsere Berechnungen", sagt MPI-Forscher Göttel, "lassen nur Aussagen über das durchschnittliche Wetter über einen Zeitraum von 30 Jahren zu."

insgesamt 1609 Beiträge
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Jochen Binikowski 02.09.2008
1.
Na ja, man könnte ja schon mal im Garten Ölpalmen und Ananas pflanzen. Die Bauern können auf Reis umstellen. Ist nur schlecht wenn der Oberklimatologe Latif Recht hat und es erst mal kälter wird. Palmen sind ja ziemlich robust, aber Frost mögen sie definitiv nicht.
knarfe, 02.09.2008
2.
Zitat von sysopNach jahrelanger Rechenarbeit ist die Klimaprognose der Bundesregierung fertig. In nie erreichter Genauigkeit sagt sie voraus, wie sich das Klima bis 2100 verändert: Es gibt mehr Hitzewellen, im Winter kaum noch Schnee - aber die Landwirtschaft und der Tourismus profitieren. Wie schlimm wird der Klimawandel wirklich?
Gegen? gar nichts!! Man sollte sich besser drauf freuen, auf milde Winter, eine lägere Badesaison an Ost- und Nordsee und eine ganzjährige Golf- und Motorradsaison. Was will man(n) mehr?-)
Klo, 02.09.2008
3.
Zitat von sysopNach jahrelanger Rechenarbeit ist die Klimaprognose der Bundesregierung fertig. In nie erreichter Genauigkeit sagt sie voraus, wie sich das Klima bis 2100 verändert: Es gibt mehr Hitzewellen, im Winter kaum noch Schnee - aber die Landwirtschaft und der Tourismus profitieren. Wie schlimm wird der Klimawandel wirklich?
Steingarten mit Sukkulenten statt Golfrasen, Chardonnay statt Müller-Thurgau, Anopheles statt Schnake, Hirse statt Weizen, Badeverbot im Sommer, Fladenbrot statt Roggenlaib, Sandboarden statt Snowboarden ... es gibt tausende Zwänge, die kommen werden. Man wird sich dann auch von vielen liebgewordenen Traditionen trennen müssen, genauso wie von dem Wahn, sein Individualfahrzeug mit Erdölderivaten antreiben zu müssen und damit 300 Sachen zu fahren. Das Klo.
Akademiker 02.09.2008
4. Weniger Heizen im Winter -> weniger CO2
Die Heizkostensätze für Empfänger von ALG/Sozialhilfe können auch gesenkt werden und damit die Leistungsträger als Steuerzahler entlastet.
C.Jung 02.09.2008
5.
Wenn ich mir so die Genauigkeit der aktuellen Wettervorhersagen anschaue, fällt es mir allerdings schwer, eine Prognose bis 2100 wirklich ernst zu nehmen.
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