Von Axel Bojanowski
Für Remo ist Deutschland nicht mehr als eine Ansammlung von Würfeln, jeder von ihnen zehn mal zehn Kilometer in der Fläche und 100 Meter hoch. Doch die Würfel haben es in sich: Prall gefüllt mit Daten, sollen sie die hiesigen Klimaveränderungen bis zum Jahr 2100 prognostizieren. Damit ist Remo, das Klimamodell des Hamburger Max-Planck-Instituts (MPI) für Meteorologie, räumlich mehr als 20-mal genauer als die globalen Modelle des Uno-Klimarats IPCC.
In keinem anderem Land der Welt liegt bis dato eine präzisere Kalkulation der Klimafolgen vor. Sie soll die Grundlage für politische Planungen bilden. Auch Katastrophenschützer, Landwirte, Winzer, Kraftwerksbetreiber und die Tourismusbranche sollen sich rechtzeitig auf die neue Umwelt einstellen können.
Für die vom Umweltbundesamt in Auftrag gegebenen Berechnungen gingen die MPI-Forscher davon aus, dass die weltweiten Emissionen von Treibhausgasen aus Autos, Kraftwerken und Fabriken nur allmählich sinken. An den Knoten des Gitters aus virtuellen Würfeln hat der Großrechner des Instituts diverse Wettergrößen - etwa Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Windstärke - ermittelt.
Für alle 30 Sekunden in den kommenden 92 Jahren spuckte er Werte aus - Hunderte Billiarden Rechenaufgaben mussten bewältigt werden. Die Vorgänge in der Luft, in den Meeren und auf der Erde wurden in mathematische Formeln gefasst. Zudem gingen rund zwei Dutzend Einflussgrößen am Erdboden in die Rechnungen ein, von der Vegetation über die Zusammensetzung der obersten Bodenschicht bis hin zum Wasserfilm auf Blättern.
Das Ergebnis: Die Klimaerwärmung wird Deutschland verändern - allerdings weniger dramatisch als vielfach befürchtet. Folgende Gefahren haben die Forscher für Deutschland berechnet:
Allerdings bringt der Klimawandel in Deutschland auch Chancen mit sich, wie die Hamburger Forscher betonen, etwa
Den Berechnungen zufolge werden also auch künftig keine Palmen an der Ostsee stehen, die Nordsee wird nicht den Kölner Dom fluten, und die Alpen behalten ihr weißes Kleid - wenn es auch etwas kürzer werden wird. "Wir bekommen kein Mittelmeerklima", sagt Holger Göttel vom Hamburger MPI. Deutschland werde weiterhin in der Westwindzone liegen, wie eh und je werden regenreiche Tiefdruckgebiete übers Land ziehen. Ende des Jahrhunderts fällt den Berechnungen zufolge im Jahresmittel etwa ebenso viel Niederschlag wie derzeit; weder Trockenepisoden noch Starkregenfälle werden häufiger.
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