Wetterstatistik Vier Kältetäler bis zum Frühling

Regen, Nebel, Wind - ein anständiger Winter lässt auf sich warten. Abschreiben sollte man den Frost noch nicht. Die Wetterstatistik zeigt, wie es mit der Witterung weiter gehen könnte.

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Hamburg - Igel unterbrechen ihren Winterschlaf, Knospen sprießen - Zeichen des Frühlings scheinen sich zu häufen. Viele fragen sich: Ist noch ein kalter Schneewinter zu erwarten? Meteorologen sehen bislang kaum Signale für eine durchgreifende Wetterwende. Doch Prognosen über mehr als drei Tage gelten als wenig verlässlich. Die langjährige Wetterstatistik hingegen zeigt, wie es weitergehen könnte.

Ein strenger Winter sei zwar "in greifbarer Nähe", erklärt der Deutsche Wetterdienst DWD. Kalte arktische Luft, die zuletzt nach Nordamerika geflossen war, habe einen neuen Weg nach Süden gefunden. Sie liegt nun im Norden Skandinaviens und Russlands. Doch noch ist unklar, wann der Wind auf Nordost dreht und den Frost nach Deutschland fächert.

Konkrete Prognosen gibt es nur für die nächsten Tage; der DWD sagt fallende Temperaturen voraus:

Montag: Von Nordwesten nach Nordosten zieht Regen über Deutschland. Morgens soll es noch überall trocken bleiben, aber meist kälter als null Grad sein. Später herrscht landesweit Schmuddelwetter bei ungefähr fünf Grad.

Dienstag: Graue Tristesse über ganz Deutschland - im Süden Regen, im Norden Nebel. Die Temperaturen sollen meist knapp über dem Gefrierpunkt liegen. Ganz im Nordosten ist Schnee bis ins Flachland möglich, sonst bleibt er oberhalb von etwa 600 bis 900 Metern.

Mittwoch: Im Süden wird es dem DWD zufolge ganztags bedeckt, morgens regnet es zudem. Im Osten könnte es bis ins Flachland schneien. Im Norden heitert es auf. Es bleibt aber feuchtkalt, meist knapp über null Grad.

Rest der Woche: Das trübe, nasskalte Wetter geht weiter. Schnee soll im Flachland nur vereinzelt fallen, am ehesten im Osten, wo es am frostigsten werden soll.

Die wichtigste Winterregel

Wie es weitergeht, wie sich Luftmassen verschieben, entscheidet der Zufall. Schon kleine Verwirbelungen können zu gewaltigen Strömungen heranwachsen. Kein Satellit, kein Supercomputer kann die Luftbewegungen vorhersehen. Bei den weiteren Aussichten hilft die Wetterstatistik, sie zeigt, wie sich die Witterung in der Mehrzahl der Jahre entwickelt hat.

Die wichtigste Erkenntnis ist zu einer Bauernregel geronnen: "Werden die Tage länger, wird der Winter strenger". Der Spruch besagt, dass es zwar seit der Wintersonnenwende am 21. Dezember wieder heller wird. Von Mitte Januar bis Mitte Februar steigert sich der Sonnenschein um etwa eine Stunde auf durchschnittlich zweieinhalb Stunden pro Tag. Dennoch kommen die kältesten Wintertage hierzulande meist Ende Januar oder Anfang Februar.

Die strengste Kälte Mitteleuropas wird in sternklaren Nächten über Ostasien oder der Arktis geboren. Im Uhrzeigersinn rotierende Hochdruckgebiete über Russland pumpen den Eisatem nach Westen. Arktische Polarluft sorgt nicht nur für tiefe Minusgrade, sondern auch für prächtige Fernsicht wie am Nordpol.

Zwei Wetterphasen im Januar

Lange waren die kalten Winde aus Nordost, Nord oder Nordwest die häufigste Wetterlage im Winter. In den vergangenen Jahrzehnten aber bestimmten zunehmend Westwinde die Witterung. Wie auch derzeit liegt Europas Wetterküche meist über dem Atlantik: Angetrieben vom Luftdruckgegensatz zwischen den Azoren und Island strömt milde Meeresluft nach Europa. Die Luft saugt sich über dem Ozean mit reichlich Wasserdampf voll. Gelangt sie nach Deutschland, herrscht hier trübes Regenwetter.

Der Wettstreit zwischen Luftmassen aus Ost und West entscheidet also, wie das Winterwetter wird. Nur wenn sich Hochdruck breitmacht, der die atlantischen Tiefs blockiert, bekommt Deutschland echtes Winterwetter.

Im Januar lasse sich die Witterung üblicherweise in zwei Phasen teilen, berichtet DWD-Meteorologe Gerhard Müller-Westermeier: Vom 5. bis 14. überwiege wie in diesem Jahr mildes, trübes Wetter. Vom 15. bis 26. Januar herrsche in den meisten Jahren trockenes Frostwetter - noch ist unklar, ob die Witterung dieses Jahr umschwenkt.

Drei Kältetäler

Hat sich eine Witterung eingestellt, neigt sie dazu, zu verharren. Besonders ausgeprägt sei die Erhaltungsneigung von Januar zu Februar, berichtet Müller-Westermeier: Auf Kälte folgt Kälte, nach Milde kommt Milde. Bleibt der Januar also schmuddelig, steigen die Chancen auf einen ebensolchen Februar.

Üblicherweise aber müssen der Statistik zufolge drei winterliche Täler durchschritten werden: Die erste Kältephase läuft ungefähr vom 5. bis 10. Februar, sie bringt häufig Schnee und Kälte, berichtet DWD-Meteorologe Müller-Westermeier. In Süddeutschland gelten die Tage nach dem 5. Februar als schneesicher. In Garmisch-Partenkirchen liegt an 25 Februartagen eine geschlossene Schneedecke, in München immerhin an 19.

Das zweite Kältetal folge gewöhnlich vom 19. bis 24. Februar. Typischerweise droht noch ein dritter Frostschub: Zwischen dem 3. und 8. März fällt oft erneut Schnee. Ab dem 13. März setze sich dann aber meist schönes Wetter durch; in etwa zwei von drei Jahren herrscht dann tagelang Hochdruckwetter mit Sonne - deutlich mehren sich Anzeichen des Frühlings.

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Seite 1
meineidbauer 12.01.2014
1.
Zitat von sysopDPARegen, Nebel, Wind - ein anständiger Winter lässt auf sich warten. Abschreiben sollte man den Frost noch nicht. Die Wetterstatistik zeigt, wie es mit der Witterung weiter gehen könnte. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/vorhersage-wetter-winter-2014-prognose-schnee-oder-regen-a-943103.html
So möge dann auch die zweitwichtigste Erkenntnis aus der langjährigen Wetterstatistik zu einer Bauernregel gerinnen: Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, dann ändert sich das Wetter, oder es bleibt, wie es ist. In diesem Sinne einen mildfröhlichen Sonntagabend in die Runde!
Layer_8 12.01.2014
2. Dass...
Zitat von sysopDPARegen, Nebel, Wind - ein anständiger Winter lässt auf sich warten. Abschreiben sollte man den Frost noch nicht. Die Wetterstatistik zeigt, wie es mit der Witterung weiter gehen könnte. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/vorhersage-wetter-winter-2014-prognose-schnee-oder-regen-a-943103.html
...das Wetter auf unseren Breitengraden dem (astronomischen) Datum hinterherläuft, ist ein ganz natürlicher Prozess. Die Atmosphäre richtet sich ja nicht zeitgleich nach dem Sonnenstand, sondern braucht ihre Reaktionszeit. Es ist ja meistens auch nicht pünktlich zum 21. Juni Sommer.
Dengar 12.01.2014
3. @meineidbauer
Den Spruch wollte ich auch grad bringen, aleerdings als wichtigste und grundsätzlich gültige Bauernregel...aber hier isses nicht mild; 3 Grad plus sind nach den 15 Grädern die letzten Tage (gefühlt) echt kalt...;-))
eurelios 12.01.2014
4. Wetter
Zitat von sysopDPARegen, Nebel, Wind - ein anständiger Winter lässt auf sich warten. Abschreiben sollte man den Frost noch nicht. Die Wetterstatistik zeigt, wie es mit der Witterung weiter gehen könnte. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/vorhersage-wetter-winter-2014-prognose-schnee-oder-regen-a-943103.html
Eins ist ganz sicher die Natur ist bestrebt ausgleichend zu wirken. Da bin ich mir sicher das wir nicht nach einem viel zu warmen Dezember und wahrscheinlich auch Januar dann ab Februar bald ins Freibad gehen können. Ich schließe jede Wette ab. Der Februar und der gesamte Frühling wird zu kalt werden.
soulseeker 12.01.2014
5. optional
Jedes Jahr das gleiche Gelaber über das Wetter ... Horror-Winter, Frost-Frühling, Hitze-Sommer - ich kann's nicht mehr hören.
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