Wetterprognosen: Die nächsten zwei Wochen entscheiden den Sommer

Von Axel Bojanowski

Unentschiedener Sommer: Wolken und Sonne Fotos
AFP

Der Sommer kommt in eine meteorologisch entscheidende Phase: Die nächsten zwei Wochen bestimmen laut Statistik über Sonne, Wind und Regen im Juli und August. Für Hoffnung sorgt Hochdruck über dem Atlantik.

Hamburg - Die Hitze ist vorbei; Wind, Wolken und Regen sind aufgezogen. Das Wetter wechselt just, als es in eine meteorologisch bedeutende Phase eintritt: In den kommenden zwei Wochen zur Siebenschläfer-Zeit entscheidet sich Statistiken zufolge das Sommerwetter - die Witterung hält sich danach in den meisten Jahren.

Die Vorhersagen für die nächsten Tage können Meteorologen noch recht zuverlässig aus Satellitenbildern errechnen:

  • Sonntag: Tiefdruckgebiet "Othello" werde von Sonntagmorgen an in Deutschland für wechselhaftes Wetter sorgen, berichtet der Deutsche Wetterdienst DWD. Voraussichtlich werden die Höchsttemperaturen zwischen 19 Grad im Nordwesten und bis zu 26 Grad in der Lausitz liegen.
  • Montag und Dienstag: Die Temperaturen pendeln sich landesweit knapp unter 20 Grad ein, mit Schauern und Gewittern muss gerechnet werden.
  • Weitere Aussichten: Nordseeluft bringt wechselhaftes, mildes Wetter. Hoffnung liege auf einem Hochdruckgebiet über dem Atlantik, erklärt der DWD. Sollte es sich nach Osten ausdehnen, könnte das kommende Wochenende sonnig-warm werden.

Wie geht es weiter? Meteorologen blicken derzeit besonders genau auf Witterungsphänomene, die das Wetter dauerhaft bestimmen: auf Stürme in vielen Kilometern Höhe, auf eine Wetterschaukel über dem Atlantik oder die Ozeantemperaturen. Besonders diese Phänomene stellen die Weichen für die Witterung. Zur Siebenschläfer-Zeit Ende Juni, Anfang Juli haben sie sich oft gefestigt, so dass sich ein Wettertrend abzeichnet.

"Wenn die Siebenschläfer Regen kochen, so regnet's sieben ganze Wochen", lautet eine alte Bauernregel - die in leicht veränderter Form oft zutrifft: Regen am Siebenschläfertag, dem 27. Juni, zeigt zwar keinen Trend. In modernisierter Variante jedoch trifft die Regel in etwa zwei von drei Jahren zu: Je mehr es in den letzten fünf Juni-Tagen regne, desto nasser werde der Juli, berichtet Gerhard Müller-Westermeier vom DWD.

Noch besser aber eigne sich die erste Juli-Phase zur Sommerwetterprognose: Wetterdaten zufolge lasse sich eine moderne Bauernregel für Deutschland aufstellen, sagt Müller-Westermeier: "Ist es um den 8. Juli herum regnerisch, so herrscht auch im Hochsommer von Mitte Juli bis Mitte August meist Regenwetter." Liege jedoch vom 6. bis 11. Juli Hochdruck über Deutschland, folge oft ein regenarmer Hochsommer. Die noch sehr unsichere Temperaturprognose des DWD für diese Zeit sieht deutschlandweit Höchstwerte von rund 20 Grad vorher.

Gesteuert wird das Wettergeschehen von Stürmen in mehr als acht Kilometern Höhe, den sogenannten Strahlströmen. Bei gutem Wetter verraten zerzauste Wolkensträhnen in großer Höhe den Sturm, der mit 500 km/h Temperaturunterschiede zwischen Polargebieten und Subtropen ausgleicht. Er lenkt Hoch- und Tiefdruckgebiete; es gilt die Faustregel: Je weiter nördlich der Höhensturm weht, desto stabiler wird das Hochdruckwetter in Mitteleuropa. Derzeit zieht der Strahlstrom über Mitteleuropa - die Aussichten stehen also auf wechselhaft.

Eine atlantische Klimaschaukel, die Nordatlantische Oszillation NAO, deutet ebenfalls auf gemischtes Wetter: Die NAO beschreibt, wie stark sich der Luftdruck zwischen Azorenhoch und Islandtief unterscheidet. Ein hoher Gegensatz wird als positive NAO gewertet - hat aber eher negative Folgen für Sonnenfreunde in Deutschland. Der starke Gegensatz über dem Atlantik facht Westwinde an, die frische Meeresluft nach Europa fächern. Die NAO scheint sich seit Mitte April im positiven Bereich festzusetzen; nur kurzzeitig gab es Ausreißer, einer zur Zeit der vergangenen Hitzewelle.

Die Ozeantemperaturen immerhin wecken Hoffnung, dass es wenigstens keinen Regensommer gibt: Der Nordatlantik war in den letzten Wochen nicht sonderlich warm, entsprechend dürften nicht allzu große Mengen Wasser verdunstet sein. Ein besonders warmer Nordatlantik bringe viel sommerlichen Regen nach Europa, hatten Forscher unlängst festgestellt. Ein kühler Nordatlantik hingegen stabilisiert oftmals das Wetter Mitteleuropas.

Auch der Erdboden beeinflusst die Witterung über Monate. Der Hitzesommer 2003 beispielsweise zeichnete sich bereits im Frühjahr ab: Ausbleibender Niederschlag hatte den Untergrund austrocknen lassen. Im Sommer verdunstete folglich weniger Wasser als sonst, am Himmel über Europa bildeten sich kaum Wolken, die Luft heizte sich stärker auf als sonst.

Auf Grundlage dieser Gedächtniseffekte des Wetters ermitteln Meteorologen Jahreszeitenvorhersagen, die allerdings nicht mehr sind als grobe Trends. Am Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen EZMW, das unter anderem vom DWD unterstützt wird, berechnen Computermodelle die Witterung Europas Monate im Voraus. Der Prozess ähnelt dem Vorhaben, ein gezinktes Roulette-Spiel zu entlarven: Erst diverse Durchgänge lassen einen Trend erkennen. Etwa 40-mal berechnet der Computer das Wettergeschehen für eine Jahreszeitenprognose.

Das aktuelle Ergebnis deutet auf einen vergleichsweise kühlen Sommer hin, berichtet der DWD. Die Durchschnittstemperatur lässt aber kaum Rückschlüsse auf die Witterung zu. Niederschlagsvorhersagen jedoch gelten für lange Zeiträume als so unsicher, dass der DWD sie nicht publiziert.

Hoffnung macht hingegen ein langjähriger Wandel: Die Sommer in Deutschland sind DWD-Daten zufolge über die vergangenen 130 Jahre wärmer und sonniger geworden. Es gebe mehr Hochdruck, dafür aber weniger Westwind-Witterung im Sommer. Dafür wehe häufiger eine Südwest-Brise, die oft schönes Wetter mit milder Luft bringt. Fragt sich nur, ob dieser Sommer den Trend bestätigt - die nächsten zwei Wochen könnten es zeigen.

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insgesamt 22 Beiträge
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1. Ach was
movfaltin 22.06.2013
So eine dicke dunkle Rußwolke, wie sie über halb Mannheim und weiteren Teilen von Ba-Wü, Hessen und Rheinland-Pfalz hängt, hat auch kein Wetterfrosch vorhergesagt ;-)
2. wer
finanzamtsopfer 22.06.2013
definiert denn eigentlich "gutes" Wetter? Für mich sind Temperaturen über 24 Grad eine Qual und ich würde mich über einen verregneten Sommer und einen knackig-kalten Winter freuen. DAS ist MEIN gutes Wetter ;-)
3. Ich könnt kichern
EchoRomeo 22.06.2013
aus der Erderwärmungskatastrophe ist inzwischen ein "langjähriger Wandel" eine "Südwest-Brise" mit geworden "die oft schönes Wetter mit milder Luft bringt". Dank Supercomputer können sie aber wenigstens die alte Bauernregel bestätigen. Die wurden wohl noch mit dem Abakus gemacht.
4. zuverlässig
blickpol 22.06.2013
ist das Wetter immer: es kommt auf jeden Fall. Und schön, dass es nicht käuflich ist, Otto Normalbürger hätte sonst nur noch Regen, damit sich andere braten lassen können. Wenn bloß der Mensch mal so zuverlässig wäre wie das Wetter, aber der muss ja immer alles kaputt machen. In diesem Sinn: viele schöne Sonn-Tage!
5. optional
A. Lusthanf 22.06.2013
http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/precip/CWlink/pna/nao_index_ensm.shtml
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