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Vorschläge zur Öl-Bekämpfung: Flut des Halbwissens

Von und Cinthia Briseño

Ölpest im Golf von Mexiko: Der unerbitterte Kampf der Helfer Fotos
REUTERS

Engagement, Originalität, Absurditäten: BP wird mit Tüftler-Vorschlägen zur Eindämmung der Ölpest im Golf von Mexiko überschwemmt. Die Firma gibt vor, zuzuhören. Fraglich ist, ob sie der Ideensammlung wirklich Bedeutung beimisst oder sie nur als PR-Manöver nutzt.

Nun soll es also der Mann aus Hollywood richten. Kein geringerer als Starregisseur James Cameron ("Avatar", "Titanic") durfte am Dienstag vor Fachleuten in Washington seine Ideen zum Stopp des Ölflusses im Golf von Mexiko vortragen. Mit im Raum waren mehr als 20 Wissenschaftler und Ingenieure, Vertreter der Umweltschutzbehörde, der Küstenwache und des Energieministeriums.

Camerons Qualifikation? Der Kanadier gilt als Experte für Unterwasserfilme. Am gesunkenen deutschen Schlachtschiff "Bismarck" und an der "Titanic" hat der 55-Jährige mit Hilfe von Unterseebooten gedreht. Und Mitte der Siebziger hat er an der California State University in Fullerton Physik studiert. Immerhin.

Weil die Technik-Experten des Ölkonzerns BP angesichts des Öldesasters nach dem Untergang der "Deepwater Horizon" eine so miese Figur machen, weil ein Versuch nach dem anderen scheitert, das Leck zu schließen, weil konventionelle Ansätze reihenweise versagt haben, präsentieren in diesen Tagen immer mehr engagierte Leute ihre eigenen Ideen zur Lösung des Problems. Cameron ist einer von ihnen.

Wie wird man der Ideenflut Herr?

Eine Flutwelle von Vorschlägen überschwemmt inzwischen BP. Allein 80 Mitarbeiter sitzen nach Firmenangaben in einem Callcenter, um sie zu notieren.

Mehr als 31.600 Menschen hätten mittlerweile telefonisch Ideen abgeliefert, sagt BP-Pressesprecher Mark Salt auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Dazu kämen weitere 8000 Vorschläge auf Papier: "Zehn Prozent der Vorschläge befassen sich damit, den Ölfluss zu stoppen. Der Rest befasst sich mit der Antwort auf das ausgetretene Öl." Insgesamt 235 Einsendungen seien im Moment in der dritten Stufe eines technischen Auswahlprozesses. Die darauf folgende vierte Stufe, so der BP-Mann, wäre dann der Feldtest.

Ob der jemals stattfinden wird, muss sich freilich noch zeigen. Denn niemand weiß, ob die öffentlichkeitswirksame Suche nach Lösungsvorschlägen mehr ist als ein raffiniertes PR-Manöver von BP. Den engagierten Menschen zumindest zuzuhören, nimmt einigen Druck von dem angeschlagenen Petro-Riesen. Jeder Einsender, verspricht der Ölkonzern, werde per E-Mail oder Fax über das individuelle Ergebnis der Prüfungen informiert. "Angesichts der Menge der technischen Vorschläge aus der Industrie und der Öffentlichkeit dauert es eine Weile, jeden einzelnen davon zu beurteilen", schränkt Salt ein.

Dabei ist klar, dass schon allein aus Zeitgründen jede einzelne Prüfung nicht besonders detailliert ausfallen kann. Außerdem werden die dafür zu Rate zu ziehenden Öltechnik-Experten dringend für die laufenden Arbeiten am leckenden Bohrloch gebraucht: "Zu viel Expertise zu binden, kann man sich in dieser Situation gar nicht erlauben", sagt der Kieler Geochemiker Lorenz Schwark im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Das Problem: Viele Tüftler wissen zu wenig über die tatsächlichen Gegebenheiten in anderthalb Kilometer Tiefe, über Druck, Temperatur, das austretende Gemisch aus Öl und Gas, über die Leistungsfähigkeit der unter Wasser eingesetzten Gerätschaften. Dem beeindruckenden Engagement der Freiwilligen steht zumindest in vielen Fällen ein solides Halbwissen zur Seite. "Technisch ist das ein sehr komplexes Feld. Um sinnvolle Lösungen zu unterbreiten, muss man eigentlich aus der Branche sein", sagt Schwark.

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Forum - Obama - gutes Ölkrisen-Management?
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1. Andere Optionen?
nurmeinsenf 26.05.2010
Geschludert worden ist vor allem in der Vergangenheit. Die Tiefseebohrungen hätte nur unter anderen Sicherheitsauflagen durchgeführt werden dürfen. Jetzt wo das Kind in den Brunnen gefallen ist, ist guter Rat teuer. Offenbar hat niemand so richtig gute Antworten darauf, wie man das Leck verschließt. Woher soll Obama die nehmen? Mehr als alle Ansätze zum Abdichten mit den nötigen Ressourcen zu unterstützen und anschließende Schadensbegrenzung/-seitigung zu treiben, wird nicht möglich sein. Wirklich schön ist das alles nicht, vor allem in der Region - Amerika hat seinen Umwelt-GAU.
2. .
Haio Forler 26.05.2010
Zitat von sysopBarack Obama gerät in der US-Ölkatastrophe in Louisiana zunehmend unter Druck: Der US-Präsident wird heftig kritisiert, weil er sich in der Krise weiter auf BP verlässt. Hat Barack Obama das Krisenmanagement im Griff?
Was soll er machen? Tauchen und sich draufsetzen?
3.
Simpso, 26.05.2010
Zitat von Haio ForlerWas soll er machen? Tauchen und sich draufsetzen?
Ja, ne... wäre Bush das gewesen, wänrem it absoluter Sicherheit die Kommentare sehr viel bösartiger ausgefallen. Es ist aber aschon richtig, weder Bush noch Obama können zaubern.
4. ...
Epic Fail 26.05.2010
Zitat von nurmeinsenfGeschludert worden ist vor allem in der Vergangenheit. Die Tiefseebohrungen hätte nur unter anderen Sicherheitsauflagen durchgeführt werden dürfen. Jetzt wo das Kind in den Brunnen gefallen ist, ist guter Rat teuer. Offenbar hat niemand so richtig gute Antworten darauf, wie man das Leck verschließt. Woher soll Obama die nehmen? Mehr als alle Ansätze zum Abdichten mit den nötigen Ressourcen zu unterstützen und anschließende Schadensbegrenzung/-seitigung zu treiben, wird nicht möglich sein. Wirklich schön ist das alles nicht, vor allem in der Region - Amerika hat seinen Umwelt-GAU.
Nicht? Der Iran hat angeboten das Leck zu schließen, die meinten das es eine Kleinigkeit wäre. Aber da gibts ja momentan Stress mit Atomverhandlungen und da kann man ja nicht so einfach die Hilfe annehmen. Und noch dazu schuldet man dann dem Iran noch etwas, das geht ja mal garnicht. Da wird lieber der Golf von Mexiko geopfert. ;)
5. Technik, Know-how, Manpower
Hilfskraft 26.05.2010
"Den staatlichen Krisenteams fehlt Technik, Know-how, Manpower" Wo ist der legendäre Patriotismus der Amis? Daß es an Technik und Know-how fehlt, leuchtet ein. Frage: Wie sieht es damit bei uns aus? Sind zwar "nur" 70 Meter, aber die müssen auch bewältigt werden, im Falle des Falles. Manpower fehlt? Ein 300Millionen-Volk und keine Manpower? Wenigstens die Küstenbewohner könnten Hand anlegen und Säuberungsaktionen organisieren. Auch wenn es nichts nützt, käme es besser in den Medien rüber. Mir scheint, daß das den meisten Amerikanern am Popöchen vorbei geht. Dann fahren sie eben woanders hin, zum Baden. H.
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Kampf gegen die Ölpest: Scharfe Kritik der US-Regierung an BP | 24.05.2010



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