Hawaii Lavastrom wälzt sich durch Wohngebiet

Ein tausend Grad heißer Lavastrom hat den Ort Pahoa auf Hawaii erreicht. Anwohner buchen Helikoptertouren, um die Zerstörung ihrer Wohnhäuser mitanzusehen.

Unaufhaltsam: Der Lavastrom bewegt sich auf die Hauptstraße von Pahoa zu
REUTERS

Unaufhaltsam: Der Lavastrom bewegt sich auf die Hauptstraße von Pahoa zu


Ein heißer Lavastrom vom Vulkan Kilauea hat die ersten Häuser der kleinen Ortschaft Pahoa auf Hawaii erreicht. Die Lava ist etwa tausend Grad Celsius heiß - und damit heiß genug, um Straßen und Häuser einzuäschern. Die Anwohner von etwa 50 Häusern wurden evakuiert, viele verließen ihr Zuhause jedoch nur widerwillig.

"Die Leute haben ihre gesamten Ersparnisse in diese Häuser gesteckt", sagte Mike Metcalf, dessen Autowerkstatt vom Lavastrom bedroht ist. Viele seien nicht versichert.

Eine leere Scheune wurde von der Lava am frühen Morgen niedergebrannt, als Nächstes dürfte es ein zweistöckiges Wohnhaus treffen. Die Hauptstraße des Ortes ist nur noch weniger als 500 Meter von der brodelnden Lava entfernt.

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Unaufhaltsame Urgewalt: Lavastrom in der Landschaft
"Ganze Familien sind in diesen Häusern aufgewachsen. Das ist sehr schwer für sie zu ertragen", sagte Hawaiis Zivilschutzvertreter Darryl Oliveira. Wenn es das für die Bewohner einfacher mache, könnten sie auch zusehen, wie ihre Häuser langsam von der Lava verschluckt würden. Die Behörden hatten das Gebiet erst weitläufig abgesperrt, doch Anwohner protestierten: "Die Leute wollen sehen, was sie zerstört", sagte Werkstattbesitzer Metcalf. Findige Geschäftsleute bieten bereits Helikoptertouren über die Gegend an. Die Nachfrage ist hoch.

Der Lavastrom bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von zwei bis 18 Metern pro Stunde. Er begann schon im Juni, seit dem Wochenende hat er sich beschleunigt. Ein Friedhof des Ortes ist bereits unter einer dicken Gesteinsdecke verschwunden. Bedroht sind außer den Wohnhäusern auch mehrere Schulen. Eine Grundschule wurde aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Der mehr als 1200 hohe Kilauea ist einer der aktivsten Vulkane der Erde. Seit den Achtzigerjahren werden regelmäßig Ausbrüche verzeichnet.

Lava ist der Baustoff Hawaiis - die Inseln bestehen aus Vulkangestein. Schon die ersten Siedler wurden vermutlich mit heftigen Ausbrüchen empfangen, glauben Geologen.

vet/dpa/Reuters



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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
jozu2 29.10.2014
1. nicht versichert?!?
Bekommt man auf Hawaii eine Wohngebäude-Versicherung, die so etwas abdeckt? Zu welchem Preis? Hauswert dividiert durch 20 = Jahresprämie?
MarkusW77 29.10.2014
2.
Haben die alle nicht volcano gesehen? Da wird mit ein bißchen Wasser, Betonsperren und ein paar Feuerwehrautos der Lavastrom gestoppt! Spaß beiseite- schön ist das nicht, das mit ansehen und nicht verhindern zu können.
obertroll 29.10.2014
3. Unaufhaltsam?
Hollywood hat doch im Film "Volcano" gezeigt wie man sowas umleitet :-)
SGA 29.10.2014
4. falsch
Auf Bild 4 der Fotostrecke hält der mann einen GPS-Empfänger in der Hand und kein Temperaturmessgerät. Es wird wohl eher die aktuelle Ausdehnung des Lavastroms gemessen und nicht die Temperatur.
Senf-Dazugeberin 29.10.2014
5. Ich verstehe nicht
Für mich ist es nicht nachvollziehbar, warum man nicht schon vor Wochen angefangen hat, mit schwerem Gerät einen riesigen Graben mit Wall dahinter ums Dorf gezogen hat. Offenbar hat sich es doch schon lange abgezeichnet, dass das Dorf auf der Lavaroute liegt. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es da nichts gibt, was man hätte entgegensetzen können - auch wenn es wohl nicht einfach ist, sonst hätte man es ja garantiert gemacht. Oder ist es auf den hawaiianischen Inseln verboten, Lavaströme umzulenken zu versuchen? (Ernstgemeinte Frage)
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