Vulkan-Unglück in Japan Lautlose Wolken des Todes

Vulkanasche-Wolken sind bis zu tausend Grad heiß und rasen die Hänge mit 500 km/h hinab, geräuschlos. In Japan sind zahlreiche Ausflügler in einer erstickt. Eine Frühwarnung war kaum möglich.


Hamburg - Die erstaunlichste Nachricht nach der Vulkankatastrophe von Japan lautet: Menschen gerieten in die Aschewolke und überlebten. Am Samstag schoss aus dem Berg Ontake 200 Kilometer westlich von Tokio plötzlich eine heiße graue Wolke, sie traf zahlreiche Ausflügler. Bei dem Ausbruch starben mindestens 32 Menschen, weitere werden vermisst.

Wer in solche pyroklastischen Ströme gerät, hat kaum eine Chance zu entkommen. Sie sind rund tausend Grad heiß, stürzen mit 500 Kilometern pro Stunde lautlos die Vulkanflanken hinab. Die Ströme gleiten auf einem Kissen aus heißer Luft, überwinden Anhöhen oder kleinere Gewässer nahezu ohne Energieverlust.

Menschen, die erfasst werden, ersticken meist - je nachdem, wie viel Asche sie einatmen müssen. In der Lunge festigt sich die Asche zu Zement, die Opfer ersticken. Ihre Leichen verkohlen meist. Bei einer Autopsie müssen die Körper mit Hammer und Meißel geöffnet werden. Die Abdrücke von Opfern des Vesuv-Ausbruchs im Jahr 79 in Pompeji und Herculaneum wurden von solchen pyroklastischen Strömen versteinert.

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Vulkanausbruch in Japan: Gefährliche Bergung am Ontake

Plötzliche Dunkelheit

Eine aktuelle Anleitung für Vulkantouristen warnt vor den Todeswolken: "Flucht ist meist unmöglich", heißt es dort lapidar. So war es auch am Ontake: Der Ausbruch kam offenbar ohne Vorwarnung, es donnerte nur - dann stürzten auch schon die Staublawinen hinab. Viele Touristen ahnten anscheinend nichts von der Gefahr, sie filmten die Eruption. Überlebende berichteten von "plötzlicher Dunkelheit".

Was war geschehen? Typische Ursache einer plötzlichen Ascheeruption ist Grundwasser. Durch das zerklüftete Gestein des Kraters sickert es in heiße Tiefe, wo es zu kochen beginnt - der Druck im Vulkankessel steigt. Wird die Spannung im Gestein zu groß, explodiert das Gebräu, es schleudert jene Wolken aus winzigen Lava- und Gesteinsfetzen hervor - bei einer sogenannten phreatischen Explosion.

Tipps für Touristen

Für die Grundwasser-Theorie spricht, dass Wissenschaftler vorab keine beunruhigenden Daten gemeldet hatten. Japan verfügt über das dichteste Netz für Vulkanüberwachung, Vulkanketten ziehen durchs ganze Land. Doch am Ontake wurden offenbar weder vermehrt Beben gemessen, die auf steigendes Magma weisen würden. Noch wurden verstärkte Gasdämpfe oder Bodenwölbungen registriert.

Mangels verlässlicher Frühwarnung, müssen Wissenschaftler Vulkantouristen mit groben Tipps behelfen: Gehen kleinere Staublawinen ab, raten sie, sich schleunigst in Sicherheit zu bringen. Doch am Ontake blieben solche Warnungen des Vulkans aus, es kam ohne Vorspiel zur Explosion.

Auch der zweite Tipp hätte den Opfern wenig geholfen: Touristen sollten die Geschichte eines Vulkans kennen - neigt er zu plötzlichen Ascheexplosionen? Der Ontake schien berechenbar, seit 1980 gab es nur 2007 eine kleine Eruption, die indes von Beben begleitet worden war. Wer sich besser schützen will, sollte für Vulkantouren also Atemmaske, Helm, Skibrille, Taschenlampe und Notfallkoffer mitnehmen.

Die Bergungstrupps am Ontake haben ihren Einsatz erneut unterbrochen. Bereits am Wochenende hatten die mehr als 500 Helfer wegen der Gefahr giftiger Gase und erneuter Eruptionen wiederholt umkehren müssen. Zwölf Tote wurden bislang mit Helikoptern vom Berg geholt.

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insgesamt 12 Beiträge
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greece2012 29.09.2014
1. Daraus muss man lernen!
Als Veranstalter von Reisen zu aktiven Vulkanen gibt mir das viel zu überdenken. Klar sind pyroklastische Ströme mit das Schlimmste, was passieren kann. Da frage ich mich schon, wie weit es sinnvoll ist, Risiko einzugehen? Die Ausrüstung, die erwähnt wird, hilft bei 200-600 C heißen Gasen nichts. Die Nachfrage nach solchen Reisen ist groß. Wissen alle Teilnehmer wirklich, auf was sie sich einlassen? Wir klären unsere Gäste über potentielle Gefahren auf. Aber ich glaube, die meisten ignorieren diese aus Sensationsgier.
KuGen 29.09.2014
2. Potentielle Gefahren
1. Vulkanbegeisterte handeln nicht aus Sensationsgier, sondern aus Interesse am Vulkan. 2. Potentielle Gefahren : quasi nichtexistent bei etlichen Vulkanen. So sind zB die Gefahren Big Island, Hawaii, vernachlässigbar gering. 3. Potentielle Gefahren : bitte Quotent bilden : Verletzte und Tote pro Jahr und Vulkan in nRelation zu allen Bescuhewrn dieses Vulkans, langjhriges Mittel bilden. Dagegen Quotienten aus Gefahren aus KFZ-Verkehr oder Luftverkehr stellen. Schon klingt die Hysterie ab
jaakow 29.09.2014
3.
Zitat von KuGen1. Vulkanbegeisterte handeln nicht aus Sensationsgier, sondern aus Interesse am Vulkan. 2. Potentielle Gefahren : quasi nichtexistent bei etlichen Vulkanen. So sind zB die Gefahren Big Island, Hawaii, vernachlässigbar gering. 3. Potentielle Gefahren : bitte Quotent bilden : Verletzte und Tote pro Jahr und Vulkan in nRelation zu allen Bescuhewrn dieses Vulkans, langjhriges Mittel bilden. Dagegen Quotienten aus Gefahren aus KFZ-Verkehr oder Luftverkehr stellen. Schon klingt die Hysterie ab
Wenn genauso viele Menschen Vulkane besuchen würden wie sie den KFZ-Verkehr nutzen, hätten wir sicherlich auch ganz andere Todeszahlen...
KuGen 29.09.2014
4.
Zitat von jaakowWenn genauso viele Menschen Vulkane besuchen würden wie sie den KFZ-Verkehr nutzen, hätten wir sicherlich auch ganz andere Todeszahlen...
DESHALB bat ich auch darum einen Quotienten zu bilden. Es gibt keinen Zweifel, dass das Gefährungspotential, weshalb durch einen solchen Quotienten abgebildet wird, beim Verkehr viel höher ist als beim Besuch von Vulkanen
jaakow 29.09.2014
5.
Zitat von KuGenDESHALB bat ich auch darum einen Quotienten zu bilden. Es gibt keinen Zweifel, dass das Gefährungspotential, weshalb durch einen solchen Quotienten abgebildet wird, beim Verkehr viel höher ist als beim Besuch von Vulkanen
Hm. Gehen wir mal davon aus, dass jährlich etwa 100 Milliarden Fahrten mit KFZ zurückgelegt werden (es gibt über 1 Milliarde zugelassene KFZ und die Mehrzahl benutzt diese sicherlich öfter als eine Fahrstrecke täglich, somit sind 100 Milliarden wahrscheinlich noch weit untertrieben). Darauf kommen ca. 1 Million Verkehrstote im Jahr. Der Anteil liegt somit bei 0,001 (Verkehrstote im Verhältnis zu den insgesamten Fahrten). Wie viele Vulkantouristen gibt es jährlich? Wenn auch nur eine einzelne Person jedes Jahr auf irgendeine Art und Weise durchschnittlich bei diesem Tourismus stirbt, bräuchte man mindestens schon jährlich 100.000 Vulkantouristen, damit "eine geringe Gefahr" als im KFZ-Verkehr besteht.
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