Vulkan Bárdarbunga Es ist aus

Ein halbes Jahr schoss Lava aus dem isländischen Vulkan Bárdarbunga - jetzt ist der historische Ausbruch vorbei. Für den Flugverkehr könnte das Schlimmste aber noch bevorstehen, warnen Gelehrte.

Lavafeld des Bárdarbunga abseits der Eruptionsstelle (Ende Oktober): Bis zu 40 Meter dick türmt sich die großteils zu Stein gehärtete Masse
Corbis

Lavafeld des Bárdarbunga abseits der Eruptionsstelle (Ende Oktober): Bis zu 40 Meter dick türmt sich die großteils zu Stein gehärtete Masse


Hamburg - Die technische Mitteilung der isländischen Behörde für Meteorologie IMO klingt geradezu wehmütig: "Erstmals seit sechs Monaten", heißt es darin, "war kein Glühen über dem Vulkan zu sehen." Der Ausbruch des Bárdarbunga sei vorbei, berichten die Vulkanwächter, nachdem sie den Berg überflogen hatten.

Es war der größte Lavaausfluss in Island seit 1784, ein wahrlich historisches Ereignis. Die ausgeströmte Menge könnte nahezu den Ammersee füllen: 1400 Milliarden Liter Lava sind seit dem 23. August 2014 aus dem Berg gelaufen.

Sie bedecken nun 85 Quadratkilometer, also etwa die Fläche von Würzburg. Bis zu 40 Meter dick türmt sich die mittlerweile großteils zu Stein gehärtete Masse. Sie festigt Islands Status als Atlantikinsel - das Land hat weiter an Masse gewonnen.

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Isländische Naturgewalt: Lavaspektakel am Bárdarbunga
Die Warnstufe für den Flugverkehr über Island wurde herabgesetzt. Doch für die Anwohner bedeutet das Ende des Lavaspektakels keine Entwarnung: Für lange Zeit dürften weiterhin erhebliche Mengen Gas aus der kilometerlangen Vulkanspalte wehen, teilt die IMO mit. In Windrichtung müssen sich Menschen also weiterhin vor giftigen Schwefelgasen schützen.

Explosiver Gletscher

Das Ende der mächtigen Eruption hatte sich angekündigt: Der Krater des Vulkans war immer weniger eingesunken. Darauf deuteten Satellitenbilder des Gletschers auf dem Vulkan: Eine Delle im Eis über dem Krater sackte zuletzt bei Weitem nicht mehr so schnell ab wie noch im Herbst. Folglich schien weniger Magma aus dem Berg zu strömen. Auch starke Erdbeben schüttelten die Gegend in den letzten Wochen weniger häufig als zuvor.

Dass sich der Bárdarbunga vollständig beruhigen würde, glauben die Gelehrten nicht. Die größten Probleme könnten gar noch bevorstehen, meint Kristín Jónsdóttir, leitende Wissenschaftlerin der IMO: Der Vulkan sei nicht müde, große Mengen Magma lägen weiterhin nahe der Oberfläche. Es werde sich nun vermutlich eine andere Austrittstelle suchen.

"Es wird wahrscheinlich weitere Eruptionen geben, sie kommen meist in Serie", sagte die Expertin dem Fernsehsender "RUV". Möglich sei ein Ausbruch unterm Gletscher, der nahe der bisherigen Eruption liegt. Der Kontakt von Lava und Eis würde Aschewolken explodieren lassen - Folgen für den Flugverkehr könnten gravierend sein.

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boj

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chen-men 02.03.2015
1. Explosiv?
Die bisherige Entwicklung spricht klar dagegen: Ein kleinerer Ausbruch näher am Gletscherrand erlosch letztes Jahr recht bald wieder. Was heißt "große Magmamenge nahe der Oberfläche"? Die Magmakammer der Bardarbunga liegt in mehr als 10km Tiefe, der mindestens 40km lange "dyke" - Kanal? - nach Norden zur Ausbruchsstelle ebenfalls. Ist das "nahe der Oberfläche"? Der Druck reichte schließlich nicht mehr für den weiteren Magmafluß nach Norden aus: Die Senkung des Kaldera-"Deckels" (durch GPS-Station in der Mitte erfaßt, Kurven im Internet auf vedur.is einsehbar) wurde immer langsamer, stoppte bereits vor Wochen - und damit auch die Eruption weit im Norden. Die lief wohl nur noch durch Ausgasen = Bildung von Gasblasen im zur Austrittsstelle aufsteigenden Magma vorübergehend etwas weiter. War nicht auch die Laki-Spalten-Eruption 1784 nach Monaten am Ende, ohne nachfolgende "Explosionen"? Formulierungen wie "glauben die Gelehrten", "meint" die leitende Wissenschaftlerin, "der Vulkan sei nicht müde", "vermutlich werde..." sprechen eine deutliche Sprache: es handelt sich um wilde Spekulationen, das hat mit Wissenschaft wenig bis nichts zu tun. Es gibt auch ein Motiv: Das geweckte Vulkan-Interesse treibt einen zunehmenden Touristenstrom nach Island, etwa monatlich werde ein neues Hotel fertiggestellt, der internationale Flughafen ausgebaut... Diese Entwicklung soll offenbar unterstützt werden, vermute ich, die Spannung muß aufrechterhalten, Nervenkitzel angeheizt werden.
Attila2009 02.03.2015
2.
Ach mein Gott wenn nur die Flieger nicht fliegen können, das ist aber wirklich schlimm. Die Umwelt bedankt sich für jeden Flugkilometer der weniger geflogen wird.
Yeti, 02.03.2015
3.
Zitat von Attila2009Ach mein Gott wenn nur die Flieger nicht fliegen können, das ist aber wirklich schlimm. Die Umwelt bedankt sich für jeden Flugkilometer der weniger geflogen wird.
Und freut sich über das CO2 und die ganze Asche vom Vulka, weil, das ist ja "natürlich"!1° m:(
chen-men 02.03.2015
4. Asche?
Zitat von YetiUnd freut sich über das CO2 und die ganze Asche vom Vulka, weil, das ist ja "natürlich"!1° m:(
Dieser zu Ende gegangene Ausbruch produzierte keine Asche, und sehr viel mehr SO2 als CO2. Diese Belastungen kommen und gehen, machen vorübergehende Klimaschwankungen wie etwa der Tambora 1815 ("Jahr ohne Sommer") oder die Laki-Spaltenerumption auf Island 1783-84, die zehntausende Tote in Europa kostete und mit Ernteausfällen und Not zur Französischen Revolution 1789 beigetragen haben dürfte. Das CO2 aus der Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle und Öl dagegen bleibt uns Jahrhunderte erhalten, führt zu einer schleichenden Klimaveränderung, zum beschleunigten Meeresspiegelanstieg mit unabsehbaren Langzeitfolgen. Gegen Vulkanausbrüche sind wir machtlos, könnten nur Vorsorge treffen, während die von uns zu verantwortenden Klimagas-Emissionen durchaus verminderbar sind, mittelfristig sogar zu vermeiden - wenn nur der ernsthafte Wille dazu gegeben wäre.
Attila2009 02.03.2015
5.
Zitat von chen-menDieser zu Ende gegangene Ausbruch produzierte keine Asche, und sehr viel mehr SO2 als CO2. Diese Belastungen kommen und gehen, machen vorübergehende Klimaschwankungen wie etwa der Tambora 1815 ("Jahr ohne Sommer") oder die Laki-Spaltenerumption auf Island 1783-84, die zehntausende Tote in Europa kostete und mit Ernteausfällen und Not zur Französischen Revolution 1789 beigetragen haben dürfte. Das CO2 aus der Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle und Öl dagegen bleibt uns Jahrhunderte erhalten, führt zu einer schleichenden Klimaveränderung, zum beschleunigten Meeresspiegelanstieg mit unabsehbaren Langzeitfolgen. Gegen Vulkanausbrüche sind wir machtlos, könnten nur Vorsorge treffen, während die von uns zu verantwortenden Klimagas-Emissionen durchaus verminderbar sind, mittelfristig sogar zu vermeiden - wenn nur der ernsthafte Wille dazu gegeben wäre.
Ich möchte mal Danke sagen für Ihren sachlichen und informativen Beitrag. genau so ist das ! Vulkanemissionen müssen wir hinehmen als unabänderlich - wir können es nicht beeinflussen. Übermäßigen Flugverkehr und Co2 Emission nicht, das können wir beeinflussen
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