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Vulkanausbruch in Ecuador: Furcht vor der Schlammlawine

DPA

Einer der gefährlichsten Vulkane der Welt sendet Warnsignale: Der Cotopaxi in Ecuador spuckt Asche, Zehntausende Anwohner fürchten tödliche Schlammlawinen. Die Regierung verhängte den Ausnahmezustand - für das ganze Land.

Die Ruhe war unheimlich. 75 Jahre hat der Cotopaxi geschlafen. Zuvor hatte der fast 6000 Meter hohe Vulkangigant in der Nähe der ecuadorianischen Hauptstadt Quito alle paar Jahre Dampf und Lava abgelassen. Doch seit 1940 staute sich der Druck - bis jetzt.

Mehrmals schleuderte der Cotopaxi in den vergangenen Tagen Asche fünf Kilometer hoch, sie schwebte bis in die 60 Kilometer entfernte Hauptstadt Quito und behinderte den Straßenverkehr. Das weckt schlimme Erinnerungen an frühere Katastrophen - bei einem größeren Ausbruch wären Zehntausende Anwohner in Lebensgefahr.

Behörden sperrten bereits die Umgebung des Vulkans. Anwohner umliegender Gemeinden mussten ihre Häuser verlassen, sie wurden in Notunterkünfte gebracht. Viele versorgten sich mit Atemmasken und Wasservorräten.

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Vulkan Cotopaxi: Warnschüsse des Giganten
Ecuadors Präsident Rafael Correa traf eine ungewöhnliche Entscheidung: Er verhängte für das gesamte Land den Ausnahmezustand. In Notfällen wie bei Vulkanausbrüchen werde "Panik erzeugt", sagt er. "Das schafft mehr Probleme als Lösungen." Im Ausnahmezustand können Versammlungsfreiheit und die Arbeit der Medien eingeschränkt werden.

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Correa sieht sich derzeit heftigen Protesten ausgesetzt. Bei Demonstrationen gegen eine Verfassungsreform und Steuererhöhungen wurden am Donnerstag Dutzende Menschen verletzt. Gewerkschaften und indigene Organisationen streikten einen Tag.

Und nun brodelt der Cotopaxi, einer der gefährlichsten Vulkane der Welt. Seit Anfang Juni leichte Beben begannen, den riesigen Berg zu schütteln, waren die Behörden alarmiert; Schulkinder mussten Notfallübungen für einen Vulkanausbruch trainieren. Dabei geht es vor allem darum, schnellstmöglich auf Anhöhen zu gelangen - denn die größte Gefahr bei einem Ausbruch sind Schlammlawinen.

Dicke Gletscher lagern auf dem Vulkan, dessen Gipfel stets von eisiger Luft umströmt wird. Lava ließe das Eis schmelzen, Wasserfluten würden zusammen mit Erdreich und Gestein zu Tal stürzen. 1877 schlitterten solche Schlammlawinen hundert Kilometer weit; sie begruben Hunderte Menschen in der Stadt Latacunga. Auch zuvor hatten Schlammlawinen ähnliche Katastrophen verursacht.

Was wird geschehen?

Zerstörte Teile von Latacunga wurden wieder aufgebaut - auf den Ruinen. Mittlerweile aber leben weitaus mehr Menschen in der Stadt zu Füßen des Cotopaxi, fast 60.000. Im schlimmsten Fall droht eine Katastrophe wie 1985 am kolumbianischen Vulkan Nevado del Ruiz: Sein Ausbruch schickte Schlammlawinen in die 47 Kilometer entfernte Stadt Armero, wo 22.000 unter den Erdmassen starben.

Ob der Cotopaxi ausbrechen wird, können Vulkanologen nicht vorhersagen. Lavaeruptionen könnten tödliche Aschelawinen die Flanken hinunter und giftige Gase bis nach Quito schicken. Der Vulkan könnte aber auch wieder einschlafen. Sicher ist nur, dass der brodelnde Gigant irgendwann wieder explodieren wird.

Der Cotopaxi steht entlang der sogenannten Vulkan-Allee: Auf der Panamericana von Quito nach Süden ragt entlang des Weges ein Vulkangigant neben dem anderen; fast alle gelten als aktiv. Wegen seiner Gletscher, steilen Flanken und seiner explosiven Lava fürchten die Ecuadorianer den Cotopaxi besonders.

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Erde von der verrückten Seite

boj

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