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Vulkan: Forscher warnen vor heftigem Vesuv-Ausbruch

Die Magmakammer unter dem Vesuv drängt nach oben. Einer neuen Studie zufolge ist sie binnen 20.000 Jahren um elf Kilometer angestiegen, es droht ein schlimmerer Ausbruch als bisher angenommen. 700.000 Menschen sind direkt bedroht - und alle bisherigen Risikoprognosen mangelhaft.

Asche und Steine regneten vom Himmel, Magma und Schlamm stürzten in Glutlawinen den Berg hinab - der Vesuv begrub ganz Pompeji. Was 79 nach Christus geschah, könnte nach Einschätzung von Geologen bald wieder passieren: Französische und italienische Forscher halten einen neuen verheerenden Ausbruch des italienischen Vulkans für möglich.

Das Leben von 700.000 Menschen, die in der Nähe des Bergs leben, wäre dann in Gefahr.

Grund für die Sorge der Wissenschaftler sind neue Messungen. Demnach hat sich die Magmakammer unter dem Vesuv in den vergangenen 20.000 Jahren vermutlich um bis zu elf Kilometer nach oben bewegt. Bisher hatten Forscher angenommen, das flüssige Magma unter dem Vulkan bei Neapel befinde sich in gleichbleibender Tiefe.

Die nun entdeckte Bewegung der Magmakammer könnte verheerende Folgen haben: Sie beeinflusst, wann und wie stark der Vulkan ausbricht.

Die Wissenschaftler der Institute für Geowissenschaft im französischen Orléans und im italienischen Cagliari untersuchten Gesteinsproben von vier großen Vulkanausbrüchen zwischen 7800 vor und 472 nach Christus. Dabei analysierten sie, bei welchem Druck und welcher Temperatur das Vulkangestein ursprünglich unter der Erde gespeichert war.

Über ihr Ergebnis berichten die Forscher in der Fachzeitschrift "Nature". Die Magmablasen unter dem Vesuv haben sich demnach zwischen dem Ausbruch von Pompeji 79 nach Christus und dem Ausbruch von Pollena im Jahr 472 von sieben bis acht Kilometer auf drei bis vier Kilometer Tiefe nach oben verschoben. Berücksichtige man auch die Ausbrüche um 18.500 vor Christus und des Jahres 1944, wanderten die Magmakammern um insgesamt neun bis elf Kilometer nach oben.

Druck im Vulkan

Diese Aufwärtsbewegung war den Forschern zufolge mit einer Veränderung der Magmaeigenschaften verbunden. Je flacher die Magmakammern lagen, desto heißer und trockener war das flüssige Gestein und desto heftiger könnte ein Ausbruch ausfallen.

Eine präzise Vorhersage zukünftiger Ausbrüche sei gerade für den Vesuv besonders wichtig, schreiben die Geowissenschaftler. Das Gebiet rund um den Berg zählt zu den am dichtesten besiedelten Vulkanregionen der Welt. Daher sei es besonders wichtig, die Tiefe und Bewegung der Magmakammern bei der Vorhersage zukünftiger Erdbeben zu berücksichtigen: "Wenn es dem ähnelt, was die Eruption von Pompeji erzeugt hat, kann man in Zukunft von einer äußerst explosiven und folglich gefährlichen Eruption ausgehen."

Wenn das Magma dagegen in seiner Zusammensetzung eher basaltartig sei, würde ein Ausbruch "deutlich weniger schwere Schäden hervorrufen", schreibt Co-Autor Bruno Scaillet vom Institut für Geowissenschaften im französischen Orléans. Dann werde es wie bei der Eruption 1944 eher zu langsamen Lavaströmen kommen.

Dass der Vulkan seit 64 Jahren nicht mehr ausgebrochen sei, könne zwei Gründe haben: Entweder bekämen die Magmakammern unter dem Vulkan keinen Nachschub mehr, oder der Weg nach oben sei versperrt. In letzterem Fall könne sich ein enormer Druck in dem Vulkan aufbauen. Eine Explosion wie zu Zeiten des alten Roms sei dann nicht auszuschließen.

Pompeji war am 24. August 79 mit 12.000 bis 15.000 Einwohnern völlig verschüttet worden. Im 18. Jahrhundert wurde die Stadt wiederentdeckt und ist seither eine der am besten erhaltenen antiken Stadtruinen. Die Ausgrabungsstätte gehört heute zum Weltkulturerbe der Unesco.

hei/AFP/ddp

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