Vulkan von Santorin Magmablase wächst rasant

Innerhalb von 15 Monaten ist die Magmakammer unter dem Vulkan von Santorin deutlich gewachsen. Zugleich registrierten Geologen eine Vielzahl schwacher Beben. Trotzdem weiß niemand, ob der seit langem inaktive Vulkan bald ausbrechen könnte.

Emily Warren-Smith

Erst rast ein Tsunami auf die Küsten Kretas zu - kurz danach wird die Insel von einer meterdicken Ascheschicht bedeckt. Ursache der gewaltigen Naturkatastrophe vor 3600 Jahren war ein Vulkanausbruch auf der Insel Santorin. Das Vulkangestein der Santorin-Explosion gelangte bis in den Sinai.

Über Jahrzehnte zeigte der größtenteils von Wasser bedeckte Vulkan so gut wie keine Aktivitäten mehr. Doch nun haben Forscher der Oxford University auffällige Veränderungen registriert. Die unterirdische Magmablase sei von Januar 2011 bis April 2012 um 10 bis 20 Millionen Kubikmeter gewachsen, schreiben David Pyle und seine Kollegen im Fachblatt "Nature Geosciences". Das hinzugekommene Volumen sei etwa 15 mal so groß wie das Londoner Olympiastadion.

Mit GPS-Empfängern und Radarbildern konnten die Wissenschaftler die Veränderungen direkt an der Erdoberfläche messen. Sie erhöhte sich in den 15 Monaten Beobachtungszeitraum um 8 bis 14 Zentimeter. Nach ihren Berechnungen entspricht die binnen eines Jahres beobachtete Magmazunahme etwa einem Wachstum der Lavablase, das normalerweise 10 bis 20 Jahre dauert.

Im Januar 2011 begann eine Serie schwacher Beben auf der Inselgruppe. Die meisten konnten nur mit Hilfe sensibler Messgeräte erfasst werden. Es handelte sich um die ersten Signale vulkanischer Aktivitäten seit 25 Jahren, schreiben die Forscher.

Die Vulkanologin Michelle Parks reiste nach der Bebenserie auf die Inselgruppe, um Einheimische zu befragen. "Es stellte sich heraus, dass viele die Veränderungen am Vulkan mitbekommen hatten." Fremdenführer, die regelmäßig auf der Insel unterwegs sind, berichteten der Forscherin von einem deutlich wahrnehmbaren Beben an einem Tag im April 2011."Die Bewegung des Bodens ließ sie kurz abheben."

Eine Prognose über einen bald bevorstehenden Ausbruch des Vulkans wagen die Forscher jedoch nicht. Feuerberge sind und bleiben unberechenbar.

In den vergangenen Monaten scheint sich der Vulkan erst einmal wieder beruhigt zu haben. Die Zahl der Minibeben ist zurückgegangen.

Korrektur: Die Angabe der Volumenzunahme war in der ersten Version des Textes falsch, es fehlte das Wort Millionen. Der Fehler ist nun korrigiert - wir bitten um Entschuldigung.

hda

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