Vulkanausbruch auf Island Forscher sagt baldiges Ende der Eruption voraus

Flugreisende dürfen wieder hoffen: Der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull könnte laut einer Expertenanalyse schon bald abflauen. Es drohen aber zugleich neue Gefahren - falls der Nachbarvulkan Katla ebenfalls aktiv wird.

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Dem isländischen Vulkan Eyjafjallajökull geht offenbar die Puste aus. Analysen zeigen, dass der Ausbruch in den nächsten Tagen an Kraft verlieren könnte. Die Eruptionen sind nach Ansicht von Geoforschern so explosiv, weil Magma in Kontakt mit Wasser komme. Dies führt zu sogenannten Wasserexplosionen. Mittlerweile sei aber etwa ein Drittel des Eises über dem Vulkan verdampft, berichtet Bernd Zimanowski, Vulkanologe an der Universität Würzburg im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. In "ein paar Tagen", wenn das meiste Eis über dem Berg verschwunden sei, dürfte dem Vulkan der Treibstoff ausgehen, meint der Island-Kenner. Der Ausbruch werde dann wahrscheinlich deutlich an Explosivität verlieren.

Einstweilen werde der Ausbruch indes wohl unvermindert weitergehen, ergänzt der Forscher. Noch sei der Vulkan unverändert aktiv, bestätigt das Meteorologische Institut in Reykjavik am Sonntagmorgen. Er schleudere weiterhin riesige Mengen Rauch und Asche in die Atmosphäre. Auch Erdbebenmessungen ergaben keine Anzeichen für eine Beruhigung. Der Wind treibt die Vulkanwolke nach wie vor auf den europäischen Kontinent zu. In Island selbst fallen große Mengen Asche nieder. Wegen des Ausbruchs ruht in Europa seit Tagen der Flugverkehr.

In Deutschland ist der Luftraum noch bis mindestens Sonntagabend 20 Uhr gesperrt. Eine Verlängerung des Verbots ist nicht ausgeschlossen. Normalerweise können Wissenschaftler den Verlauf von Vulkanausbrüchen kaum vorhersagen. Diesmal jedoch gibt es Hinweise dafür, dass die Eruption von Wasserexplosionen getrieben ist - und sich mithin abschwächen wird, sobald das Eis verdampft ist: Der Eyjafjallajökull explodiere auf charakteristische Weise, sagt Zimanowski. Alle paar Minuten schieße eine neue Aschefontäne aus dem Schlot. Sie erreicht vergleichsweise geringe Höhen von fünf bis elf Kilometer. Ausbrüche gelangen in größere Höhen, wenn sie vor allem vom Magma-Druck aus dem Erdinneren und nicht von Wasserexplosionen getrieben werden.

Ausbruch hat wahrscheinlich keinen Einfluss auf das Klima

Nun breitet sich die Asche des Eyjafjallajökull zwar in der Flughöhe von Verkehrsmaschinen aus. Das Klima jedoch wird nach bisherigem Stand von der Eruption nicht beeinträchtigt werden. Ob sich eine Eruption aufs Klima auswirkt, hängt vor allem davon ab, wie viel Schwefeldioxid ein Vulkan in hohe Luftschichten schleudert, wo es jahrelang bleiben kann. Die Eruptionswolke des Eyjafjallajökull jedoch wird sich nicht lange in der Luft halten können. Zudem hat der Vulkan nach ersten Analysen viel zu wenig Schwefeldioxid gefördert, um klimawirksam zu sein.

Gleichwohl hatte der Ausbruch Auswirkungen auf das Wetter. Meteorologen berichten von milchig getrübtem Himmel und tiefroten Sonnenuntergängen über Europa. Nachhaltig wird der Vulkan die Witterung jedoch wohl nicht beeinflussen. Dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge "wird die Vulkanasche aufgrund der starken Verdünnung in den höheren Luftschichten keinen spürbaren Einfluss auf das aktuelle Wettergeschehen haben".

Ein schädlicher Einfluss auf die Luft oder die Gesundheit sei ebenfalls nicht zu erwarten, meldet das Umweltbundesamt. Messungen zeigten "keine signifikant erhöhte Feinstaubkonzentration". Die Aschewolke habe den Boden hierzulande "bislang nicht erreicht und befindet sich in höheren Luftschichten". In Großbritannien hingegen rieselten bereits kleine Aschekörnchen nieder.

Selbst wenn sich der Eyjafjallajökull demnächst beruhigen sollte, wäre die Gefahr allerdings nicht gebannt: Sein Ausbruch könnte Nachbarvulkane stimulieren, glauben Forscher um Freysteinn Sigmundsson von der Universität von Island in Reykjavík. In der Vergangenheit folgte auf einen Ausbruch des Eyjafjallajökull oft eine Eruption des Katla, der als weitaus explosiver gilt. Noch gibt es jedoch keine Hinweise dafür.

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