Vulkanausbrüche bei El Hierro: Vor den Kanaren könnte neue Insel entstehen

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Wie soll das Eiland heißen? Und wem gehört es? Vor der Kanareninsel El Hierro beflügelt ein Unterwasser-Vulkan die Phantasie der Einheimischen: Er speit unentwegt Magma - und wächst in die Höhe. Gut möglich, dass sich das Neuland bald aus dem Meer erhebt.

Ausbrüche im Meer: Ascheteppich, wachsender Berg Fotos
RapidEye

Hamburg - Noch ist keine Insel aufgetaucht. Doch Bewohner der Kanaren rechnen bereits mit Neuland, sie tauschen sich im Internet über Namen für das neue Stück Land aus, mehr als 500 Vorschläge gibt es schon. "Die Entdeckung", "Atlantis" und "Die Beste" liegen gut im Rennen. Spanische Zeitungen gehen die Planung ernster an, sie diskutieren, wem das Neuland gehören wird.

Ein Unterwasser-Vulkan vor der Kanareninsel El Hierro beflügelt die Phantasie: Seit drei Wochen spuckt er Magma ins Meer; die Kanaren erleben die ersten Vulkaneruptionen seit 40 Jahren. Hundert Meter hoch türmen sich die Lavamassen bereits über dem Meeresboden, noch 150 Meter, und sie würden aus dem Atlantik ragen - eine Insel wäre entstanden. Für die Kanaren eine willkommene neue Attraktion.

Ob es so weit kommt, weiß niemand. Klar ist nur: Der Magmavorrat unter El Hierro brodelt ungebremst, ständig strömt Magma nach und lässt den Boden auf der Kanareninsel mehrmals täglich leicht zittern. Seit Juli gab es mehr als 10.000 zumeist unmerkliche Erdbeben auf El Hierro. Vulkanologen rechnen mit weiteren Ausbrüchen - sie wissen aber nicht, wo die Lava hervorschießen wird. Auch kleinere Eruptionen an Land seien möglich. Die vulkanischen Aktivitäten würden "wohl noch einige Zeit andauern", erklärt der Bürgermeister von El Hierro, Alpidio Armas.

Tote Fische treiben im Wasser

Die Folgen der Ereignisse unter Wasser sind deutlich sichtbar: Mächtige Strudel künden von Explosionen in der Tiefe. Ein Ascheteppich größer als El Hierro selbst schwappt vor der Insel, tote Fische treiben im Wasser, Gasblasen blubbern.

Fast täglich beraten Politiker und Wissenschaftler über mögliche Risiken für die Bevölkerung, doch eindeutige Aussagen können sie nicht treffen, zu ungenau ist das Verständnis dessen, was unter der Erde passiert. "Der Vulkanismus der Kanaren ist nicht gut ergründet", schreiben Forscher um Rosa Sobradelo vom Geoforschungszentrum CSIC in Barcelona im Fachblatt "Natural Hazards and Earth System Sciences". Über aktuelle Gefahren informieren gleichwohl die verantwortliche Behörde von El Hierro als auch die der Kanarischen Inseln.

Wissenschaftler haben ihre Messungen verstärkt. Sogar ein U-Boot ist abgetaucht, es machte Bilder vom Meeresgrund, die den neuen Unterseeberg zeigen, dessen Sockel 700 Meter breit sein soll (siehe Bilderstrecke). Auch ein 150 Meter weiter Krater soll zu sehen sein. Zudem zeichnet sich eine etwa drei Kilometer lange Spalte ab, aus der offenbar Magma quillt.

Beunruhigende Daten

Im Süden von El Hierro wiesen die Beben nach Angaben des Forschungsinstituts ITER auf Teneriffa auf andauernde Magmaschübe hin: Sie zeigen ein Muster, das typisch ist für strömende Flüssigkeiten, sogenannten harmonischen vulkanischen Tremor. Vermutlich gebe es ständig kleinere Eruptionen am Meeresgrund. Doch nach solchen Ausbrüchen verstopft die Lava üblicherweise bald die Ausbruchspalte, so dass sich nachströmendes Magma neue Kanäle suchen muss - das scheint derzeit zu geschehen.

In den letzten Tagen jedoch registrierten die Instrumente Beunruhigendes: Das Ruckeln wanderte nach Norden. Weil sich die meisten Beben dort aber bislang tiefer als zehn Kilometer ereigneten, sei in der Gegend wohl noch nicht mit einem Ausbruch zu rechnen, teilten die lokalen Behörden mit. Das Magma scheint bislang in der Tiefe festzustecken.

Gefährlich würde es aber bereits, wenn Magma in flacherem Wasser austräte - große Dampfexplosionen wären die Folge, sagt Ramón Ortiz, Wissenschaftsberater der örtlichen Regierung. Bei Ausbrüchen an Land seien dagegen keine größeren Eruptionen zu befürchten, erklärte das spanische Geoforschungsinstitut IGN. Lediglich in der näheren Umgebung der Ausbruchstelle bestehe dann ein Risiko: Lavaflüsse und Steinhagel wären möglich. Viele der knapp 600 Einwohner des vor zwei Wochen evakuierten Fischerdorfs La Restinga an der Südspitze der Insel sind aber mittlerweile in ihre Häuser zurückgekehrt.

Eine große Eruption?

Die Gefahr großer explosiver Eruptionen auf den Kanaren dürfe "nicht vernachlässigt werden", mahnen Sobradelo und ihre Kollegen in ihrer Studie. Ihre Häufigkeit sei bislang nicht abschätzbar. Allerdings blieben selbst die folgenreichsten Ausbrüche der vergangenen Jahrhunderte örtlich begrenzt. 1706 etwa stürzte auf Teneriffa Lava vom örtlichen Vulkan Pico del Teide, sie begrub die Hafenstadt Garachico im Nordwesten, wo die Lavamassen heute als mächtige schwarze Felsblöcke die Ortschaft prägen. Auf Lanzarote wälzte sich in den Jahren 1730 bis 1740 und 1824 Lava durch Dörfer im Norden der Insel. La Palma erlebte mehr als hundert Eruptionen in den vergangenen 20.000 Jahren; zuletzt lief dort 1971 ein Lavastrom bis ins Meer.

El Hierro ist die jüngste Kanareninsel, sie stieß erst vor gut einer Million Jahren über die Meeresoberfläche. Entsprechend groß dürfte ihr Magmareservoir noch sein; Geologen vermuten es rund zehn Kilometer unter dem Meeresboden - in dieser Tiefe ereigneten sich nun die meisten Beben. Der letzte bewiesene Ausbruch ereignete sich 550 vor Christus; es gibt aber auch zweifelhafte Berichte über eine Eruption im Jahr 1793.

Den östlichen Kanaren hingegen geht der Magmanachschub aus, sie haben sich bereits weit von der Magmaquelle entfernt: Auf Lanzarote und Gran Canaria etwa dauert die Vulkanaktivität bereits 15 Millionen Jahre, auf Fuerteventura gar 20 Millionen Jahre. Obgleich es auf Fuerteventura in den vergangenen 20.000 Jahren keine Eruption gab, gilt der Vulkan noch als aktiv. Anders La Gomera, der der Magmanachschub ausgegangen zu sein scheint. Die Insel wird voraussichtlich von Vulkanausbrüchen verschont bleiben. Der Preis dafür: Ohne frisches Magma wird La Gomera von Meer und Regen ausgewaschen und im Laufe der Jahrmillionen allmählich im Meer versinken.

Nur frisches Magma sichert das Bestehen der Kanaren; Vulkanausbrüche ließen die Inseln über den Meeresspiegel wachsen. An Lanzerote hingegen nagt bereits das Meer. Immer wieder mussten Küstenstraßen ins Landesinnere verlegt werden, weil sie von den Fluten ramponiert worden waren. Die Lavaeruptionen der letzten Tage lieferten unter Wasser Neuland für El Hierro. Und jetzt warten die Anwohner gespannt, ob sich der Nachwuchs bald übers Wasser erhebt.

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insgesamt 25 Beiträge
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1. 123
marco0 27.10.2011
"Und wem gehört es?" Ist ja klar dass zuallererst die Besitzansprüche geklärt werden müssen. Immerhin könnte man Kapital daraus schlagen!
2. nicht können
symolan 27.10.2011
Zitat von marco0"Und wem gehört es?" Ist ja klar dass zuallererst die Besitzansprüche geklärt werden müssen. Immerhin könnte man Kapital daraus schlagen!
Man könnte nicht, man muss!
3. Wie soll die neue Insel heissen?
N-Zyan 27.10.2011
Hmmm... vielleicht Karl-Heinz?
4. Name?
gofy55 27.10.2011
Ich schlage "Euro" vor. Fällt sowieso nach einiger Zeit wieder in sich zusammen!
5. x
ColynCF 27.10.2011
Zitat von marco0"Und wem gehört es?" Ist ja klar dass zuallererst die Besitzansprüche geklärt werden müssen. Immerhin könnte man Kapital daraus schlagen!
Es ist wichtig, dass es sich nicht die falschen unter den Nagel reißen. Wenn es niemandem gehört, kann es auch niemand schützen. Die Weltmeere sind auch besitzlos, deswegen kann da auch jeder seinen Dreck verklappen. Aber der Besitz ist eigentlich klar. Es wird zunächst wie die ganze Inselgruppe dem spanischen Staat gehören. Und Sie dürfen nicht vergessen: wem das Land gehört, der haftet auch dafür. Der Besitz kann also auch zur Last werden. Ob man so einen Gesteinsbrocken nämlich wirtschaftlich nutzen kann, ist sehr unwahrscheinlich. Erst mal muß das Land schon eine gewisse Größe haben um besiedelt werden zu können. Zweitens muss erst so ne Art Grundflora und Fauna entstehen. Wer will schon auf einem öden Gesteinsbrocken hausen?
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