Tod auf der Durchreise Malta stimmt für umstrittene Jagd auf Zugvögel

Auf der Reise aus den Winterquartieren verenden jährlich zahlreiche Vögel in Fangnetzen. Malta sprach sich nun erneut für die umstrittene Jagd im Frühjahr aus - offiziell werden nur Wachteln und Turteltauben gefangen.

DPA

Auf Malta bleibt die umstrittene Vogeljagd im Frühling erlaubt. Bei einer Volksabstimmung am Wochenende stimmte die maltesische Bevölkerung mehrheitlich knapp dafür, wie das vorläufige Endergebnis am Sonntag zeigte. Die Befürworter der Frühlingsjagd auf Wachteln und Turteltauben siegten demnach mit 50,4 Prozent vor einer Koalition aus Nichtregierungsorganisationen, die das Referendum vorangetrieben hatte.

Fast 340.000 Wähler waren am Samstag aufgerufen, ihre Meinung über die alljährliche Vogeljagd zu äußern. Es war bereits das siebte Referendum zu der Frage in Malta in 145 Jahren, allerdings das erste, das auf eine Bürgerinitiative zurückging.

Geschützte Arten im Visier

Die Frage, ob die Jagd in Ordnung ist, sorgt auf der kleinen Mittelmeerinsel seit Jahren für leidenschaftliche Debatten. Die Tiere werden auf Malta bei der Rast auf ihrem Rückweg von den Winterquartieren in Afrika mit Netzen gefangen.

Während Befürworter sich auf die Tradition berufen, kritisieren Gegner vor allem, dass die Tiere sich in der Saison nicht mehr fortpflanzen können, wenn sie schon im Frühling getötet werden. Zudem würden einige Jäger die zulässigen Quoten überschreiten und auch geschützte Arten abschießen.

"Wir haben nichts gewonnen, sondern einfach nicht verloren", sagte der Präsident des Jägerverbandes, Joe Percici Calascione. Laute Jubelschreie der Jagdbefürworter vor den Wahllokalen deuteten jedoch darauf hin, dass diese das Ergebnis als Sieg werteten. Angesichts von Berichten über Freudenschüsse in ländlichen Gebieten rief Calascione die rund 14.000 registrierten Jäger des Landes auf, das für sie vorteilhafte Ergebnis besonnen anzunehmen. "Wir haben für unser Recht gekämpft", sagte er. Die Menschen hätten das verstanden.

"Es scheint, dass eine Mehrheit für die Frühlingsjagd votiert hat", sagte der Sprecher der Jagdgegner, Saviour Balzan, enttäuscht. Er und seine Mitstreiter würden die Entscheidung der Malteser respektieren, sich aber auch weiterhin für den Umweltschutz einsetzen.

Tod geschützter Arten

Malta ist der letzte EU-Mitgliedstaat, in dem die Vogeljagd im Frühling noch erlaubt ist. Der Europäische Gerichtshof hatte das Land 2009 für die nach EU-Recht verbotene Jagd verurteilt. Dennoch erhält Malta jedes Jahr aufs Neue eine Ausnahmeregelung, die das Abschießen von 11.000 Turteltauben und 5000 Wachteln innerhalb eines Zeitraums von zwei Wochen erlaubt.

Immer wieder sollen dabei aber die erlaubten Quoten von maximal vier Tieren pro Jäger überschritten und auch geschützte Vogelarten wie Störche oder Mauersegler getötet werden. Ministerpräsident Joseph Muscat, der für die Frühlingsjagd gestimmt hatte, nannte das Ergebnis eine "letzte Chance" für Maltas Jäger. Er gelobte, dass illegales Jagen "nicht toleriert" werde.

Das amtliche Endergebnis des Referendums wurde am späten Sonntag erwartet. Sollte sich der Sieg der Befürworter bestätigen, beginnt die Jagdsaison am kommenden Dienstag.

Klageandrohung gegen Italien

Andere EU-Mitgliedstaaten erlauben die Vogeljagd nur im Herbst. Auch das ist umstritten. So verlangte die EU-Kommission im November 2014 zuletzt von Italien die Beendigung des Vogelfangs mit Netzen und drohte mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof. In mehreren Regionen des Landes würden seit Jahren Lerchen, Drosseln, Amseln und weitere Vögel mit Netzen eingefangen, obwohl das europäische Recht diese Methode verbiete, teilte die Kommission damals mit.

Die Tiere würden als lebende Köder eingesetzt, um Raubvögel anzulocken. Verbreitet ist die Praxis laut EU etwa in der Toskana und der Lombardei. "Die Jagd auf Zugvögel und der grausame Vogelfang mit Fallen und Leimruten ist leider in einigen südeuropäischen Mitgliedstaaten der EU grausame Realität", sagte Claus Mayr vom Naturschutzbund Nabu 2014. Zumindest auf Malta wird das aller Voraussicht nach vorerst so bleiben.

jme/AFP/dpa



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insgesamt 72 Beiträge
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Seite 1
lyrasaturn 12.04.2015
1.
Ja Tiere haben kaum noch Wert , höchstens auf dem Teller oder als Trophäe ! Widerlich . Ohne Tiere gäbe es uns alle nicht. Die Machtge*lheit mancher Menschen ist widerwärtig .
redbayer 12.04.2015
2. Halt typisch EU
jeder holt sich so viel er nur kann, um den anderen zu schaden. Immerhin haben die Malteser gewählt (mehrheitlich), so kann man sie für das Vögel schlachten dann auch gemeinschaftlich verantwortlich machen. Sonst wird in Europa grundsätzlich an der Bevölkerung vorbei entschieden z. B. Gründung der Union, Aufnahme neuer Länder, Einführung des Euro, Banken und Länder retten, gemeinsames Militär, Sanktionen, Krieg führen usw. All diese Kleinigkeiten gehen die Völker nichts an ("Merkel Doktrin"), aber über Vogelfang dürfen sie abstimmen.
helmut.zimmer.31 12.04.2015
3. Lebe hier
Ich lebe seit Jahren auf dieser Insel. Die Tierhaltung- und tötung hier ist einfach zum kot....! Nur Barbaren töten zum Spass! Warum lässt die EU sowas zu?
säkularist 12.04.2015
4.
Da könnte Europa endlich mal etwas sinnvolles tun. Zugvögel sind ganz klar eine internationale bzw europäische Angelegenheit. Aber scheinbar tut sich in Brüssel nur etwas wenn handfeste ökonomische Interessen betroffen sind und entsprechende Lobby-Gruppen am Werk sind. Die Interessen der Bürger oder gar der Tiere/Umwelt spielen keine Rolle. Dabei könnte das Ansehen der EU bei mir persönlich deutlich steigen, wenn sich in dieser Richtung etwas spürbar ändern würde.
Airkraft 12.04.2015
5. Ein Einschränkung der Jagd...
Ein Einschränkung der Jagd auf Malta ist in etwa so wahrscheinlich, wie ein generelles Tempolimit auf Deutschen Autobahnen :-(
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