17. Januar 2013, 18:02 Uhr

Tarnung

Wachteln legen Eier auf passende Farbe

Von Thomas Wagner-Nagy

Wachteln brüten auf dem Boden, ihre Eier drohen leichte Beute zu werden. Die Vögel verfolgen eine erstaunliche Strategie zur Tarnung: Sie wählen ihren Nistplatz nach Musterung der Eier.

Hamburg - Japanwachteln sind Meisterinnen der Tarnung. Wie eine britische Forschergruppe im Fachjournal "Current Biology" berichtet, scheinen Muttertiere die Musterung und Färbung ihrer Eier zu kennen und bei der Wahl ihrer Nistplätze zu berücksichtigen. Zum Schutz vor Nesträubern wählen die Vögel demnach eine Brutstätte, in der die Eier bestmöglich getarnt sind.

Den Wissenschaftlern war aufgefallen, dass Wachteleier unterschiedlich aussehen. Manche haben große dunkle Flecken, andere eher kleine und helle, oder sie sind fast ganz weiß. Diese Beobachtung brachte das Team auf den Gedanken, dass die Muttertiere womöglich auch ihre Brutplätze nach dem Aussehen ihres Geleges auswählen, um dieses optimal zu tarnen. Da Wachteln als Hühnervögel auf dem Boden brüten, müssen sie ihre Eier so gut wie möglich vor Nesträubern verstecken.

Konturen der Eier verschwimmen

Ihre Hypothese überprüften die Forscher an 15 weiblichen Japanwachteln, die sie zur Eiablage zwischen vier verschieden gefärbten Sandunterlagen wählen ließen. Sie stellten mit Hilfe von Fotos fest, dass die meisten Wachtelmütter einen Untergrund wählten, dessen Farbe den Flecken auf ihren Eiern entsprach.

Die Vögel verfolgten damit eine effektive Tarnstrategie, die Experten als disruptive Färbung bezeichnen. Dabei lassen kontrastreiche Muster die Konturen der Eier verschwimmen, wodurch sie schwerer zu erkennen sind. Auch Militärs setzen auf diese Art der Tarnung. Vögel mit hellen, nur wenig gefleckten Eiern wählten hingegen hellere Oberflächen, um den Hintergrund mit ihrer Brut verschmelzen zu lassen.

"Nicht nur die Eier selbst sind durch Farbe und Musterung getarnt. Die Vögel legen sie zusätzlich auf einen Untergrund, der die Tarnung maximiert", folgert Studienleiter George Lovell von der Universität St Andrews. Die Nistplätze seien dabei so unterschiedlich wie das Erscheinungsbild der Wachteleier.

Tiere träfen Entscheidungen anhand ihres Wissens über die Umgebung und ihr eigenes Erscheinungsbild, erläutert Lovell. Alle Wachteln hatten in ihrem Leben zuvor schon gebrütet und kannten daher die Färbung ihrer Eier. "In diesem Fall wissen die Wachteln wie ihre Eier aussehen", sagt Lovell, "die Vögel minimieren mit der Wahl ihrer Brutstätte die Gefahr von Nesträubern."

twn


URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH