Wal-Vorfahren Nur für Sex und Geburt an Land

Paläontologen haben die Überreste eines Vorfahren der Wale gefunden. Die meiste Zeit verbrachte er im Meer - um seine Jungen zur Welt zu bringen, ging er allerdings an Land.


San Francisco - Urwale haben sich an Land gepaart und ihre Jungen dort zur Welt gebracht, lebten aber ansonsten schon vorwiegend im Meer. Das schließen Forscher aus einem 47,5 Millionen Jahre alten Fossil, das in Pakistan gefunden wurde: Es handelt sich um das Skelett eines Muttertiers, das ein ungeborenes Jungtier in sich trug.

Buckelwal (im August 2008): Geburtslage der Jungen irgendwann umgedreht
DPA

Buckelwal (im August 2008): Geburtslage der Jungen irgendwann umgedreht

Das Ungeborene lag in einer Position im Bauch der Mutter, so dass es mit dem Kopf voran zur Welt gekommen wäre, schreiben Forscher um Philip Gingerich von der University of Michigan in Ann Arbor im Fachmagazin "PLoS One". Demnach kamen die Urwale so auf die Welt, wie Landsäugetiere noch heute. Bei heutigen Zahnwalen hingegen kommt der Nachwuchs mit dem Schwanz voran zur Welt.

Die Forscher hatten die Fossilien von insgesamt zwei Walvorfahren untersucht, je ein männliches und ein weibliches Tier. Sie gehörten zu einer ausgestorbenen Unterordnung der Säuger. Die Vertreter der Archaeoceti hatten sich zunächst noch überwiegend an Land auf vier Beinen bewegt, ihre Lebensweise jedoch nach und nach immer mehr ins Wasser verlegt. Neuere genetische Untersuchungen zeigten, dass sie wohl gemeinsame Vorfahren mit den heutigen Flusspferden hatten.

Nach Ansicht der Forscher lebten die Urwale vermutlich im Meer und kamen nur an Land, um sich auszuruhen, sich zu paaren und zu gebären. Sie hatten vier Beine, die ihnen beim Schwimmen halfen. Auch an Land waren die Wale nach Auskunft der Wissenschaftler in der Lage, ihr Gewicht zu tragen - vermutlich seien sie aber nicht weit gekommen.

Bei den Fossilien in Pakistan hatten die Wissenschaftler um Gingerich auch winzige Zähne gefunden, die sie zunächst für die Reste eines kleinen Weibchens gehalten hatten. Doch dann erkannten die Wissenschaftler, dass es sich um ein Muttertier handelte, das einen Fötus in sich trug. Aus der Lage des Tieres schließen die Wissenschaftler, dass die Jungen bei diesen Walvorfahren noch wie heutige Landsäuger mit dem Kopf voran zur Welt kamen.

Wegen der Gefahr des Ertrinkens werden junge Zahnwale wie der Pottwal oder der Delfin heute in der Regel mit dem Schwanz voran geboren. Im Lauf der Evolution muss sich die Geburtslage der Jungen also irgendwann umgedreht haben.

chs/ddp



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