Inventur Waldbestand größer als gedacht

Mit Hilfe von Google Earth haben Wissenschaftler sich die internationalen Waldbestände noch einmal genauer angeguckt - und festgestellt, dass es mehr Waldfläche gibt als bisher angenommen.

FAO/ Faidutti/ DPA

Es gibt mehr Wald auf der Erde als gedacht. Mit Hilfe von Google-Earth-Bildern haben Wissenschaftler eine Diskrepanz beim geschätzten Anteil von Trockenwald aufgedeckt. Nach der Analyse hochauflösender Aufnahmen kommt ein weltweites Forscherteam unter Leitung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Uno (FAO) zu dem Schluss, dass weltweit 4628 Millionen Hektar (46,28 Millionen Quadratkilometer) Wald die Erde überziehen. Das entspricht fast drei Mal der Fläche Russlands und es sind rund zehn Prozent mehr als bisher angenommen.

Die Diskrepanz geht vor allem auf die weit unterschätzte Fläche von Trockenwald zurück. Dieser bedeckt demnach 1079 Millionen Hektar - etwa 45 Prozent oder 467 Millionen Hektar mehr als bisher bekannt. Das schreibt das Team um Jean-François Bastin und Rene Castro in der Zeitschrift "Science".

Grundsätzlich gibt es auf der Erde völlig unterschiedliche Waldtypen - von tropischen Regenwäldern über die Wälder gemäßigter Klimazonen wie in Mitteleuropa bis hin zu Trockenwäldern. Auf der Analyse dieser trockenen Lebensräume, die mehr als die Hälfte der globalen Landmasse stellen, basiert der Unterschied der neuen Zahlen zu den älteren Werten.

Hilfe von Google Earth

Denn gerade dort lasse sich die Waldbedeckung anhand von Satellitenbildern nur schwer abschätzen, schreibt das Team, etwa wegen Schattenwürfen in offenen Wäldern und der geringen Reflexion dort wachsender Bäume wie etwa Akazien- und Eukalyptusarten. Entsprechend schwankten die bisherigen Schätzungen für Trockenwald für das Jahr 2000 zwischen 105 Millionen und 542 Millionen Hektar.

Das Team analysierte nun 210.000 kleine Flächen mit Hilfe hochauflösender Google-Earth-Bilder und rechnete die Werte dann hoch. Resultat: Im Jahr 2015 entsprachen 1079 Millionen Hektar auf Trockenland der FAO-Definition von Wald - unter anderem Flächen über 0,5 Hektar, bei denen Baumkronen mehr als zehn Prozent des Bodens bedecken.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass die gesamte Fläche von Trockenwald ähnlich groß ist wie die Fläche des tropischen Regenwalds, die für das Jahr 2000 auf 1156 Millionen Hektar geschätzt wurde", schreibt das Team. Trockenwälder erstrecken sich demnach etwa um das Mittelmeer, südlich der Sahara, in Südafrika und Zentralindien, entlang der Küsten Australiens, im westlichen Südamerika sowie im nördlichen Teil des Nadelwald-Gürtels von Kanada und Russland.

In Afrika liegen die Resultate für geschlossenen Wald um das Achtfache höher als Ergebnisse früherer Analysen - 151 Millionen Hektar im Vergleich zu 18 Millionen Hektar.

Die neue Schätzung ist mehr als nur akademische Spielerei: Sie habe unter anderem Auswirkungen auf Modelle zum Kohlenstoffkreislauf der Erde, da Bäume der Atmosphäre große Mengen Kohlenstoff entziehen, schreibt das Team.

brt/Walter Willems, dpa



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herm16 12.05.2017
1. na
das ist erfreulich, natürlich für die Forscher. Endlich wieder Arbeit. Wie lange sind wir noch so wissenschaftsglaeubig. Heute so morgen so.
wasnulos 12.05.2017
2.
Zitat von herm16das ist erfreulich, natürlich für die Forscher. Endlich wieder Arbeit. Wie lange sind wir noch so wissenschaftsglaeubig. Heute so morgen so.
"wissenschaftsgläubig" ? Woran glauben sie denn? Ich bin definitiv ein Verfechter der wissenschaftlichen Arbeit, Wissen erlangen ist sinnvoller als Glauben zu finden ;)
erespondek 12.05.2017
3.
Zitat von herm16das ist erfreulich, natürlich für die Forscher. Endlich wieder Arbeit. Wie lange sind wir noch so wissenschaftsglaeubig. Heute so morgen so.
Na, dann nehmen Sie sich mal ein Google Maps Bild Ihres Heimatkreises und bestimmen die Waldfläche. Sollte doch schnell gemacht sein, wenn das so belanglos ist. Interessiert zwar niemanden, weil mit 118 Milliarden Euro ist der Beitrag der Holzwirtschaft am BIP in DE ja kaum der Rede wert, aber es soll ja auch Gegenden geben in denen Holz die einzige verfügbare Primärenergie ist. Aber sinn und verstandloses Wissenschaftsbashing ist ja so was von hip heutztage, auch wenn man dazu die Ergebnisse der Wissenschaft als Medium verwendet die man so verachtet.
spiegelleser987 12.05.2017
4.
Jetzt wird es mal wieder rumgedreht. Sonst müssten die Wissenschaftler zugeben, dass nicht nur Deutschland in anderen Ländern für erneuerbare Energien aus Bioöl Wälder abholzen lässt.
ulijoergens 12.05.2017
5. Den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen...
Wissenschaftler Erstaunen mich immer wieder. Der Fehler, der hier aufgedeckt wird, ist ja beachtlich, auch was die Klimawirkung betrifft. Auf die Gefahr hin, dass ich als Klimawandelleugner gebrandmarkt werde, es würde mich dennoch interessieren, was denn die Auswirkungen auf die Klimamodelle sind...
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