Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Waldbrände: Großfeuer heizen Weltklima massiv auf

Feuersbrünste beschleunigen den Klimawandel stärker als vermutet. Brandrodungen sind einer neuen Studie zufolge für fast ein Fünftel der bisherigen Erderwärmung verantwortlich. Der Temperaturanstieg begünstigt weitere Großbrände - ein Teufelskreis, der langfristig auch deutsche Wälder bedroht.

Wenn Holz brennt, entsteht aus gebundenem Kohlenstoff das Treibhausgas CO2. Seit Jahrmillionen sind Brände fester Bestandteil des Ökosystems Erde. Blitzeinschläge sorgen immer wieder dafür, dass Wälder oder Buschland in Flammen aufgehen. Das ist durchaus nützlich: Abgestorbene Äste, Reisig und Buschwerk verschwinden, Wälder und Savannen bleiben in Dynamik.

Doch inzwischen gehen Schätzungen zufolge mehr als 90 Prozent aller Brände weltweit auf das Konto der Menschen. Welche dramatischen Auswirkungen dies auf den Klimawandel hat, zeigt eine neue Studie im Fachblatt "Science". "Wir schätzen, dass Brandrodungen zu einem Fünftel zum Treibhauseffekt beitragen, der vom Menschen verursacht ist", sagt Thomas Swetnam von der University of Arizona in Tucson, einer der Autoren. Es sei vollkommen klar, dass Brände einen der Hauptbeschleuniger des Klimawandels darstellten.

Wenn Wälder in Flammen stehen, entsteht freilich nicht nur klimaschädliches CO2. Feuer hat auch abkühlende Effekte, etwa weil dabei Aerosole freigesetzt werden, die die Atmosphäre dimmen und so dafür sorgen, dass weniger Sonnenenergie die unteren Luftschichten erreicht. In der Summe aber bleibt nach Berechnungen der Forscher eine Erwärmung. Sie fordern, diese Effekte noch genauer zu untersuchen und in künftigen Klimamodellen zu berücksichtigen.

Warnung vor gefährlicher Rückkopplung

Die Autoren der Studie schätzen, dass die CO2-Menge, die durch alle Arten von Waldbränden freigesetzt wird, halb so groß ist wie die Emissionen, die auf fossile Brennstoffe zurückgehen. Allein Brandrodungen machen demnach bis zu 19 Prozent der Erwärmung aus, die seit der industriellen Revolution stattgefunden hat. Die Wissenschaftler warnen vor einer gefährlichen Rückkopplung: "Feuer sind nicht nur eine Reaktion auf den Klimawandel", sagt Swetham, "sie verstärken auch die Erwärmung und führen so zu noch mehr Bränden."

Der Zusammenhang zwischen Erderwärmung und Feuerhäufigkeit ist schon seit Jahren bekannt. Im jüngsten Sachstandsbericht des Uno-Klimarats IPCC etwa gehörte die gesteigerte Feuergefahr zu jenen Folgen des Klimawandels, die mit "sehr großer Gewissheit" angekündigt wurden. Auch in Prognosen für Deutschland ist von einem erhöhten Waldbrandrisiko die Rede.

Und es soll tatsächlich immer häufiger brennen: Vor wenigen Tagen haben Wissenschaftler eine detaillierte Weltkarte der Flächenbrände aus den vergangenen Jahren vorgelegt - und Modellrechnungen darüber, wo die Großbrände künftig verstärkt auftreten werden. Mitteleuropa entwickelt sich demnach zu einer der Risikozonen.

hda

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Flächenbrände: Weltklima in Gefahr

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: