Waldbrände in Kalifornien Pumas im Feuer - nicht alle haben es geschafft

Wie haben Wildtiere die Feuer-Katastrophe in Kalifornien überstanden? Forscher hatten Pumas in der Region mit Peilsendern ausgestattet, zwölf von ihnen haben überlebt. Jetzt drohen neue Gefahren.

REUTERS/ National Parks Service

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Genau zwei Städte weltweit gibt es, in denen ganz offiziell Raubkatzen ihre Bahnen ziehen: Es sind das indische Mumbai und die kalifornische Metropole Los Angeles. An der US-Westküste lebt eine kleine Population von Pumas. Deren Zuhause befindet sich vor allem innerhalb der Santa Monica Mountains National Recreation Area, einem nordwestlich der Stadt gelegenen Schutzgebiet, für das unter anderem die US-Nationalparkverwaltung zuständig ist.

Von dem Gelände aus machen die Tiere aber immer wieder einmal Ausflüge in die benachbarte Gegend - so streift ein Tier, ein Junggeselle, dem Forscher das Kürzel "P-22" verpasst haben, regelmäßig durch den Griffith Park im Stadtteil Hollywood.

Die jüngsten Waldbrände im Süden Kaliforniens, namentlich das sogenannte Woolsey Fire, haben die Santa Monica Mountains National Recreation Area allerdings schwer in Mitleidenschaft gezogen. Rund 83 Prozent der Parkfläche sind vom Feuer verwüstet. Das Areal mit seinen gut 800 Kilometer Wanderwegen ist derzeit zum großen Teil für Besucher gesperrt. Nur einen einzigen Zugang zu einem kleinen, nicht vom Feuer betroffenen Bereich gibt es.

Wie es den im Schutzgebiet verbliebenen Tieren geht, versuchen Forscher gerade herauszufinden. "Die National Recreation Area ist zu einem großen natürlichen Experiment geworden", sagte der Ökologe Seth Riley von der Nationalparkverwaltung der "LA Times". "Die große Frage ist jetzt: Was passiert wenn ein großes Wildtierschutzgebiet, das ohnehin durch Straßen und Bebauung eingeschränkt wird, plötzlich die Hälfte seiner Habitate an das Feuer verliert?"

Riley und seine Kollegen müssen ihre Inventarlisten durchgehen, während sie den Park durchstreifen, müssen nach Kalifornischen Rotbeinfröschen oder kleinen Vögeln wie der Chaparraltimalie genauso Ausschau halten wie nach ihren Großkatzen.

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Waldbrände in Kalifornien: Zerstörte Idylle

Um die Bewegungen der Tiere nachvollziehen zu können, haben Forscher 13 der im Park und der Umgebung lebenden Pumas mit Sendern versehen. Und deren Daten zeigen Verblüffendes: Immerhin zwölf der Tiere scheinen das Feuer überlebt zu haben. Von einem Puma jedoch, intern trägt er das Kürzel "P-74", gibt es seit Tagen keine Neuigkeiten. Das männliche Tier war erst im vergangenen Jahr auf die Welt gekommen.

Womöglich nur ein Puma als Opfer der Flammen - das klingt zunächst nach einem überschaubaren Schaden. Aber so einfach ist die Sache nicht. Die Zahl der Tiere ist bereits jetzt so niedrig, dass es immer wieder Probleme mit Inzucht gibt. Und das ist schlecht für die Überlebenschancen der Nachkommen. Die verbleibenden Pumas werden sich in Zukunft auf deutlich weniger Fläche häufiger begegnen.

Gefahr durch Autobahnen

Auch von vier Rotluchsen wissen die Nationalpark-Mitarbeiter noch nichts. Die Halsbänder der Tiere sind so konstruiert, dass Wildtierexperten sich ihnen mit einer speziellen Antenne nähern müssen. Und das ist bisher nicht gelungen. Die Lebensgebiete der hier Bobcat genannten Tiere seien jedoch alle vom Feuer zerstört worden, heißt es bei der Nationalparkverwaltung.

Eigentlich seien größere Tiere wie die Pumas, Kojoten aber auch Hirsche durchaus in der Lage, vor den Flammen davonzurennen. Weil das Feuer aber in diesem Fall so massiv war, dürfte das nicht immer gelungen sein.

"Die meisten Ökologen sagen, dass es 10 bis 20 Jahre dauern wird, bis die Santa Monica Mountains wieder wie vor dem Woolsey Feuer aussehen", so Mark Mendelsohn, Biologe beim Nationalpark-Service. "Das hängt aber natürlich von Niederschlag und Trockenheit ab."

Auch wenn es angesichts der schweren Verwüstungen in dem Gebiet erst einmal nicht auf der Hand liegt: Die größte Gefahr für die Pumas von Los Angeles sind aber nicht die Flammen und ihre Folgen, es ist der Mensch. Wenn er Rattengift auslegt, zum Beispiel, um lästige Nager aus dem Haus zu bekommen. Wenn Pumas die Köder fressen, können auch sie sterben.

Und noch gefährlicher ist der Verkehr auf den kalifornischen Schnellstraßen. Seit 2002 sind 18 Pumas bei Zusammenstößen mit Autos gestorben. Zumindest etwas Abhilfe soll in Zukunft eine Wildbrücke über den Highway 101 schaffen, die ab dem Jahr 2020 gebaut werden soll.

Die nötigen 60 Millionen Dollar sind allerdings noch nicht bewilligt.

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