Berlin - Wie steht es um Deutschlands Wälder? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, gibt es seit 1984 regelmäßige Untersuchungen. Immerhin ist ein Drittel der Fläche des Landes mit Wald bedeckt. Das Ergebnis der aktuellen Waldzustandserhebung hat das Bundeslandwirtschaftsministerium am Donnerstag veröffentlicht. Demnach hat sich der Zustand des deutschen Walds 2011 im Vergleich zum Vorjahr leicht verschlechtert.
Mittlerweile zeigt jeder vierte Baum (28 Prozent) deutliche Kronenverlichtungen. Das entspreche einem Anstieg um fünf Prozentpunkte, erklärte das Ministerium. Diese Kategorie wird verwendet, wenn ein Baum mehr als 25 Prozent weniger Blätter oder Nadeln trägt als gesunde Exemplare.
Experten führen die Verschlechterung des Waldzustands vor allem auf die starke Zunahme der Verlichtung bei der Buche zurück. Hauptursache war die üppige Bildung von Früchten. "Dieser natürliche Prozess dient der Fortpflanzung, bremst aber den Holzzuwachs und führt zu einer vermehrten Baumkronenverlichtung", erklärte das Ministerium. Mehr als 90 Prozent der Buchen im fortpflanzungsfähigen Alter trugen demnach 2011 Bucheckern.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erklärte, die verstärkte Fruchtbildung sei ein Alarmsignal. Die Häufigkeit dieses Phänomens habe in den vergangenen Jahren zugenommen. Ursachen dafür seien der vermehrte Stress durch Wetterextreme und die hohe Belastung durch Ammoniak und Stickoxide aus Landwirtschaft und Verkehr gewesen.
Doch es gibt auch gute Nachrichten: Die Eiche hat sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich erholt. Der Anteil der deutlichen Kronenverlichtungen verringerte sich um zehn Punkte auf 41 Prozent. In etwa unverändert blieb der Zustand der Fichten (27 Prozent Schäden) und der Kiefern (13 Prozent Schäden).
Leichte Schäden an der Baumkrone hatten der Erhebung zufolge 35 Prozent aller Bäume. 2010 waren noch 39 Prozent aller Bäume in dieser Kategorie. Dort finden sich Bäume mit Kronenverlichtungen zwischen 11 und 25 Prozent.
Neben der Waldzustandserhebung läuft derzeit auch die dritte Bundeswaldinventur. Ein unsichtbares Vier-mal-vier-Kilometer-Raster aus sogenannten Trakten überzieht dazu das Land. An jedem dieser Trakte wird an jeweils vier Messpunkten - A bis D - gezählt, was sich an Bäumen finden lässt: verkrüppelte Kiefern an alpinen Felshängen, Linden am Straßenrand, Apfelbäume in Plantagen. Bei der letzten Waldinventur vor zehn Jahren wurden rund 400.000 Bäume einzeln vermessen. Diesmal werden es wohl ähnlich viele sein, doch genaue Ergebnisse der Zählung gibt es voraussichtlich erst 2015.
chs/dapd
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