Meeressäuger Pssst! Hier flüstert ein Walbaby

Normalerweise rufen Wale extrem laut - vor allem die Männchen sind über mehrere Kilometer hörbar. Forscher haben nun aber herausgefunden, dass Junge mit ihren Müttern gern auch mal flüstern.

Buckelwaljunges mit seiner Mutter im Exmouth-Golf im Nordwesten Australiens
Fredrik Christiansen/ DPA

Buckelwaljunges mit seiner Mutter im Exmouth-Golf im Nordwesten Australiens


Zum Schutz vor Feinden flüstern Buckelwaljunge mit ihren Müttern. Das haben Forscher aus Dänemark und Australien herausgefunden. Sie hatten sich Tiere im Exmouth-Golf in Nordwestaustralien angesehen. In der Nähe dieses Meeresgebietes machen Schwertwale Jagd auf junge Buckelwale - und genau deswegen haben sich die Tiere dort offenbar das Flüstern angewöhnt.

Und noch einen weiteren Grund gibt es, wie Simone Videsen von der Universität im dänischen Aarhus erklärt: "Wenn es seine Mutter leise ruft, wird das Kalb nicht so leicht von Schwertwalen gehört und verhindert, männliche Buckelwale anzuziehen, die sich mit den stillenden Weibchen paaren wollen."

Videsen und ihre Kollegen haben ihre Beobachtungen in der Fachzeitschrift "Functional Ecology" veröffentlicht. Die Forscher hatten insgesamt acht Jungtiere und zwei Mütter im Sommer 2014 mit besonderen Sensoren versehen. Diese nahmen die Geräusche und die Bewegungen der Wale auf.

"Wir wissen fast nichts über das junge Leben der Wale"

Mit den Geräten wollten die Wissenschaftler mehr über die ersten Monate im Leben der Tiere erfahren. "Wir wissen fast nichts über das junge Leben der Wale in der wilden Natur", sagt Videsen. Durch das Meer zu schwimmen, sei sehr anstrengend für die Jungtiere. "Sie reisen 5000 Meilen durch das offene Meer, bei stürmischer See und starkem Wind. Mehr über ihr Säugen zu erfahren, könnte uns helfen, zu verstehen, was dieses entscheidende Verhalten stören könnte." Dadurch sei es möglich, Schutzmaßnahmen effektiver anzugehen.

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Buckelwaljunge sind bei der Geburt etwa fünf Meter lang. Sie bleiben ein Jahr lang bei ihren Müttern. Nach den Beobachtungen der Forscher verbringen die Mütter und ihre Kälber viel Zeit mit Stillen und Ausruhen. Dabei kommunizieren die Jungtiere häufig durch ein schwaches Grunzen mit ihren Müttern. Oft nutzten die Wale diese Art des Austauschs beim Schwimmen. Das hilft ihnen nach Einschätzung der Wissenschaftler auch dabei, in den dunklen Gewässern zusammenzubleiben.

Walmännchen sind unter Wasser zum Teil mehrere Kilometer zu hören, vor allem mit ihren Rufen zur Paarungszeit. Walmütter mit ihren Kindern sind dagegen nur über kürzere Strecken hörbar. Das feine Gehör der Tiere kann offenbar leicht durch Schiffslärm gestört werden, das haben frühere Untersuchungen gezeigt.

chs/dpa



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